Denkwürdiger Volksauflauf Vor 50 Jahren wurde das erste Westerbecker Kinderschützenfest gefeiert

26.06.2013, 15:51 Uhr

Von einem „denkwürdigen Ereignis“ sprach der Chronist der Zeitung, als vor 50 Jahren auf der Roseninsel erstmals ein Kinderschützenfest in Westerbeck gefeiert wurde. Weit über 1000 Menschen waren damals gekommen, um Zeugen eines, so heißt es im Bericht vom 10. Juli 1963, „einmaligen Festzuges“ zu werden, der mit 250 Metern eine stattliche Länge hatte.

Die Zuschauer an den Straßen jubelten und warfen Blumen, als die Kutsche mit dem ersten Kinderkönigspaar Wolfgang Iborg und Margret Schäfer an ihnen vorbeirollte. Zugegeben, so einen Volksauflauf gibt es heute nicht mehr, wenn auf der Roseninsel Kinderschützenfest gefeiert wird. Zugkraft besitzt die Veranstaltung des Schützenvereins Ost- und Westerbeck aber immer noch.

Nachdem im vergangenen Jahr in Westerbeck der 50. Kinderschützenkönig ermittelt wurde, wird in diesem Jahr das 50. Kinderschützenfest gefeiert, das traditionell immer am Sonntag nach dem Lämpkesfest stattfindet.

Wilhelm Windmöller stiftete im Jahre 1963 für die Westerbecker Jungen eine Königskette. Für die Mädchen, die Königin wurden, gab es ein Diadem. Windmöller gilt somit als Vater des Westerbecker Kinderschützenfestes. Unterstützt wurde er von den Lehrern Werner Schönfeld aus der Westerbecker Schule und Klaus Münkemöller von der Schule im Mettinger Bruch.

Der Kinderschützenkönig wurde in den Anfangsjahren mit dem Luftgewehrschießen auf einen Sperrholzadler ermittelt. Für die Mädchen galt zu der Zeit noch keine Gleichberechtigung. Sie mussten, um auf den Thron zu kommen, sich im ersten Jahr beim Ringewerfen versuchen. In späteren Jahren war ihr Geschick beim Wäscheaufhängen und Kartoffelschälen gefragt. Erst mit Aufkommen des Damenschießens durften dann auch die Mädchen ans Gewehr.

Vor einem halben Jahrhundert besuchten noch nahezu alle Westerbecker Kinder die Volksschulen in Westerbeck oder im Bruch. Heute gehen nicht einmal mehr alle Kinder eines Jahrgangs aus der Bauerschaft in eine Klasse. Die kleinen Schulen waren eine sehr wichtige soziale Struktur. Nach deren Schließung wurden Absprachen und der Ansporn zum Königsschießen nachvollziehbar immer geringer.

In jüngerer Zeit ist der Zuspruch zur Freude des Schützenvereins aber wieder größer geworden. Dies mag auch wohl daran liegen, dass der Wettbewerb auf der vereinseigenen elektronischen Schießanlage ausgetragen wird und somit eine Attraktion des Kinderschützenfestes geworden ist. Viele der bisherigen 50 Kinderschützenkönige haben die Königswürde des Vereins später auch im Erwachsenenalter erringen können.

In den Anfangsjahren war ein Umzug mit Motivwagen aus der Heimat die Attraktion des Kinderschützenfestes und Spiele und sportliche Wettkämpfe auf dem Schulhof Westerbeck Anziehungspunkt für die Kinder, Eltern und Großeltern. 1963 waren über 300 Kinder aus allen Teilen der Gemeinde zusammengekommen, berichete die Zeitung.

Das erste Königspaar Wolfgang Iborg und Margret Schäfer wurde unterstützt vom zweitbesten Schützen Hans Georg Krämer und Ursula Schulte.

Die „Roten Husaren“ sorgten vor 50 Jahren für die musikalische Unterhaltung. Nach deren Auflösung übernahm der „Trompetenchor Osnabrück“ die musikalische Unterhaltung. Heute füllen der Spielmannszug Velpe und die Roseninselmusikanten diese Rolle aus.