Das Finanzamt schleckert mit Mehrwertsteuer: Warum ein Eis im Stehen weniger Abgabe kostet als die gemütliche Variante

29.09.2011, 13:43 Uhr

„Die Wurst auf die Hand oder zum Hieressen?“ Eine Frage, bei der sich niemand wundert, warum das den netten Mann hinter der Imbisstheke überhaupt interessiert. Dabei hat die Frage durchaus einen tieferen Sinn und weniger mit der Verpackung als viel mehr mit der Mehrwertsteuer zu tun. Denn für die Wurst am Biertisch vor dem Imbiss müssten 19 Prozent Mehrwertsteuer berechnet werden und für die Wurst zum Mitnehmen 7 Prozent. Viele benutzen dafür zwei separate Kassen.

Der Westerkappelner Imbissbudenbesitzer Peter Bauer hat allerdings eine andere, für ihn allerdings teure Lösung gefunden: „Ich kaufe mit 7 Prozent ein und führe 19 Prozent an das Finanzamt ab“, sagt Bauer, der seine Imbissbude auf dem K+K-Parkplatz hat. „Dabei zahle ich jedoch zwölf Prozent drauf“, so Bauer weiter. Für ihn sei das nicht anders zu regeln. „Ich könnte das nicht bei jedem überprüfen, da müsste ich mir ja von jedem eine Unterschrift holen“, sagt Bauer süffisant.

Genau die gleiche Problematik findet man in Eisdielen. „Jede Eisdiele muss getrennt aufführen, wie viel Eis im Straßenverkauf und wie viel Eis im Café verkauft worden ist“, heißt es dazu in der Abteilung Umsatzsteuer-Sonderprüfung im Finanzamt Ibbenbüren. „Das ist aber nicht nur bei Eisdielen so“, fügt der Mitarbeiter hinzu. Das soll wohl tröstlich klingen, aber ein grober Blick ins deutsche Mehrwertsteuer-Recht verschlägt dem nichts ahnenden Bürger die Sprache.

Bei den fixen Buletten-Bratketten gilt dasselbe System wie beim Eis: Der Hamburger zum Mitnehmen wird mit 7 Prozent Mehrwertsteuer belegt. Wird der Fleischklops in der Fritten-Schmiede verzehrt, ist er einen Aufschlag von 19 Prozent Mehrwertsteuer wert.

Das System der zwei Kassen erleichtert, wie in der Eisdiele, die Abrechnung mit dem Finanzamt. Das begnügt sich auf den ersten Blick mit einer groben Durchsicht. „Eine Prüfung der Eisverkäufe im Detail durchzuführen, das geht gar nicht“, klingt die Stimme aus dem Finanzamt im Ohr. „Wir können nicht jede einzelne Eiskugel nachhalten“, spricht viel Praxiswissen aus den Worten des Steuer-Experten.

Der hat noch ein weiteres alltägliches Beispiel für die verschiedenen Mehrwertsteuersätze zur Hand: Das halbe belegte Brötchen beim Bäcker gehört ebenfalls zur Schnittmenge. Wird die Semmel mitgenommen, bekommt Vater Staat nur 7 Prozent Mehrwertsteuer. Verzehrt der Kunde den kleinen Snack direkt beim Bäcker vor der Theke, klingeln 19 Prozent in der Bundeskasse. So viel Mehrwertsteuer kostet übrigens auch der Kaffee. Der allerdings nicht nur im Sitzen, sondern auch in der Variante zum Mitnehmen. Ist doch logisch – oder?

| Was es alles so gibt an Regeln unter „Mehrwertsteuer: Schulmensa 19 Prozent, Pommesbude 7 Prozent“.