Bestseller-Autor Markus Heitz erklärt die Schwarze Szene „Die Zwerge“-Autor: „Auf Grufti-Festivals wird viel gelacht“

Von Melanie Heike Schmidt | 04.08.2016, 00:53 Uhr

Immer im August steigt das „M‘era Luna“ in Hildesheim. Mit 25.000 Gothic-Fans gilt das Festival als weltgrößtes Treffen der Szene. Neben rund 40 Musikbands stets vor Ort: Fantasy-Autor Markus Heitz („Die Zwerge“). Im – nicht ganz bierernsten – Interview erklärt der Bestseller-Autor, warum Eltern keine Angst haben müssen, wenn der Sprössling plötzlich nur noch Schwarz tragen will.

Eigentlich steigt das „M’era Luna“, weltgrößtes Treffen der Schwarzen Szene, stets am zweiten Samstag und Sonntag im August in Hildesheim. Am Freitag vorher reisen sie an, die rund 25.000 dunkel gewandeten Besucher des Festivals, bevölkern den Campingplatz am Flughafen Drispenstedt, erobern Jugendherbergen, schwärzen Pensionen ein und verdunkeln nach und nach die Hotels in und um Hildesheim. Die Stadt ist vorbereitet, das schwarze Spektakel hat längst einen Platz im Festkalender. Kein Wunder: Obwohl die 25.000 Besucher aussehen, als wären sie gerade aus der Gruft gestiegen, gilt das „M‘era Luna“ als eine der friedlichsten und saubersten Veranstaltungen dieser Größenordnung.

Weiterlesen: Unheimlich ja, aber auch unheimlich friedlich: Was passiert beim „M‘era Luna“? 

Was viele nicht wissen: Seit einigen Jahren hat sich bereits am Freitagabend eine kleine, feine Auftaktveranstaltung auf dem Festivalgelände in Hildesheim-Drispenstedt etabliert: die Lesung. Drei Szene-Autoren bringen den früh angereisten Gruftis Lustiges, Gruseliges und Spannendes aus ihren Werken zu Gehör. Neben Szene-Liebling Christian von Aster jedes Jahr dabei: Fantasy-Autor Markus Heitz („Die Zwerge“). Im – nicht immer ganz ernst gemeinten – Interview mit unserer Redaktion verrät Heitz, welche geheimnisvollen Dinge ihn derzeit beschäftigen und was es mit dieser seltsamen Schwarzen Szene überhaupt auf sich hat. Los geht`s:

 Markus, Du liest einmal mehr auf dem Gothic-Festival „M’era Luna“ in Hildesheim. Ja, lesen denn Gruftis überhaupt? Ich dachte, die hängen nur auf Friedhöfen und vor dem Spiegel rum. Außerdem ist das doch ein Musikfestival. 

Wir Gruftis sind ja multitaskingfähig. Das bedeutet, man kann vor dem Spiegel, auf Friedhöfen und sogar auf einem Musikfestival lesen. Wahnsinn! Aber tatsächlich hat mich der enorme Erfolg der Lesungen am Freitagabend überrascht. Freitag ist Anreisetag, und wir dachten: Na, wenn wir vor 200 Leuten lesen, das wäre schon fein. Als dann mehr als 2000 aufschlugen, ging der Puls deutlich in die Höhe. Musik und Literatur passen ausgezeichnet zusammen.

 Was ist das Besondere am „M’era Luna“? Worauf freust Du Dich am meisten? 

Das Besondere für mich ist die musikalische Abwechslung und die hohe Taktung an Bands, von Neulingen bis Everdarks (man sagt nicht Evergreens). Es ist das Festival, bei dem ich neben dem WGT (das Wave-Gotik-Treffen in Leipzig – Anmerkung der Redaktion) am häufigsten bin, angefangen mit Nächten in Zelten, dann in komfortabel-trockenen Wohnmobilkojen, und inzwischen lagere ich im Hotel. Ich werde halt auch älter. Und morgens aus dem Bett einfach unter die Dusche zu kriechen, das ist fein.

 Bei Dir ist nach dem Buch vor dem Buch. Woran arbeitest Du aktuell? 

Der neue Fantasy-Roman „Wedora – Staub und Blut“ wird im August erscheinen, und der Untertitel passt ganz gut zu einem Grufti-Festival im Sommer. Aktuell werkle ich an einem Fantastycal mit Corvus Corax, das von der Art an „ZwergeLive“ mit Johannes Steck angelehnt und thematisch mehr auf die Band zugeschnitten ist. Da biegen wir auf die Zielgerade, aber mehr darf ich dazu nicht verraten. Anschließend beginnen die Vorarbeiten zum nächsten Mystery-Roman, der im Frühjahr 2017 erscheinen wird. Doch auch hierbei gilt: großes Geheimnis und neues Thema.

 Und was kommt danach? Kannst Du schon was verraten? 

Ich kann schon mal verraten, dass ich meine Projekt konkret bis Frühjahr 2018 abgesteckt habe. Das beinhaltet zumindest die Romane. Kurzfristig können sich kleine Geschichten zwischendurch ergeben, darunter auch vielleicht ein weiteres, düsteres Musical. Die Zusammenarbeit mit anderen Kreativen und Musikern macht sehr viel Spaß, wie beispielsweise Blind Guardian. Wir haben vor, das gemeinsame Projekt 2018 an den Start zu bringen. Nicht, dass wir seit 2011 davon sprechen, aber, hey, wir haben das alte Konzept dafür vollständig über den Haufen geworfen.

 Du giltst als fleißig und diszipliniert. Wie motivierst Du Dich? Irgendwelche Tipps? 

Der Tipp ist ganz einfach: Ich schreibe nur, was mir Spaß macht. Mehr Motivation geht nicht.

 Du bist ja nicht mehr 20 (ganz knapp, natürlich), aber immer noch Teil der sogenannten Schwarzen Szene. Die gilt ja bei vielen eher als Jugendkultur. Willst Du nicht langsam erwachsen werden, so mit Reihenhaus und normal-bunten Klamotten und ohne Dir die Nächte auf Konzerten, Parties und Festivals um die Ohren zu schlagen? 

Lustigerweise ist der Gothic-Bereich alles andere als eine reine Jugendkultur. Ich würde fast sagen: Es ist ziemlich ausgeglichen. Wer sich damals für die Grufti-Seite entschieden hat, bleibt im Allgemeinen dort. Auf Konzerten sieht man das deutlich, was den Altersdurchschnitt angeht. Die meisten haben sogar ein durchaus geregeltes Leben, haha, doch warum dabei auf die Gothic-Einstellung verzichten? Abgesehen von Kleidungsabstrichen im Job, heißt es überwiegend: stay dark.

 Kann man als Grufti in Würde alt werden? 

Sehr sogar. Und warum nicht? Schwarz gibt es für jeden Kleidungsstil, von Jogginghose bis Designeranzug oder -kleid, von Cargohose (die Handtasche des Mannes) bis Rollkragenpullover.

 Du schreibst ja schon recht gruseliges Zeug zusammen. Hast Du eigentlich vor irgendwas Angst? Zombies? Spinnen? Dunkelheit? Sonne? 

Nein. Nur vor unheilbaren Krankheiten.

 Viele Eltern reagieren besorgt, wenn ihre Teenie-Kinder plötzlich nur noch Schwarz tragen, komische Bücher lesen und noch seltsamere Musik hören. Wie nimmst Du ihnen die Sorgen? 

Die Beschreibung könnte auch auf Priester zutreffen, fällt mir wieder auf. Sollten die Kinder Priester werden wollen, ach, sollen sie doch. Geht die Tendenz zum Nachwuchs-Gothic, auch da ist Entwarnung angesagt, denn: Abgesehen davon, dass man sich viel mehr mit Tod und Dasein auseinandersetzt, was recht philosophisch sein kann, verbindet uns Gruftis, dass wir das Leben sehr gerne haben und es feiern. Und wahrlich, ich sage euch: Es wird auf Festivals viel gelacht. Sehr viel.

Weiterlesen: „Mera Luna“, „Wacken Open Air“, „Hurricane“: Rückblick auf den Rocksommer 2015