Straßenkarneval in Belgien Antisemitisch und beleidigend: Karneval in Aalst sorgt mal wieder für Aufregung

Von Christian Ströhl, dpa und afp | 24.02.2020, 12:13 Uhr

Der Straßenkarneval im belgischen Aalst ist am Sonntag gestartet – ungeachtet des israelischen Protests gegen antisemitische Darstellungen.

Nicht zum ersten Mal sorgt der Straßenkarneval im belgischen Aalst für Aufregung. Zu sehen waren unter anderem Karikaturen orthodoxer Juden, zwischen denen Goldbarren liegen, sowie als orthodoxe Juden verkleidete Teilnehmer. Schon im vergangenen Jahr gab es Kritik an der traditionellen Parade, nachdem auf Umzugswagen judenfeindlichen Klischees abgebildet waren, wie etwa auf Geldsäcken sitzende Männer mit Schläfenlocken und Hakennasen.

Belgien sollte "sich schämen"

Vor dem diesjährigen Umzug hatte Israels Außenminister Israel Katz Belgien aufgefordert, die Festlichkeiten zu verbieten. "Belgien als westliche Demokratie sollte sich dafür schämen, eine solch giftige antisemitische Darstellung zu erlauben", hatte Katz am Donnerstag auf Twitter geschrieben. Auch Europaabgeordnete hatten im Vorfeld an Aalst appelliert, diesmal jede Art von Hassbotschaft zu unterbinden.

Aalsts Bürgermeister Christoph D'haese hat die Anwohner vor dem Umzug aufgerufen, "nicht um des Verletzens willen zu verletzen". Gegenüber der belgischen Zeitung "Het Laatste Nieuws" sagte er, Karneval sei "ein spezieller Kontext" und "Humor eine wichtige Äußerung in einer freien Gesellschaft". D'Haese verteidigte den Karneval: "Dies ist keine antisemitische Parade, Aalst ist keine antisemitische Stadt."

Bei Twitter empören sich viele Nutzer über den Karneval:

Die Konferenz der Europäischen Rabbiner hat den Karnevalsumzug im belgischen Aalst als judenfeindlich und beleidigend kritisiert. Trotz aller vorherigen Mahnungen seien am Sonntag erneut etliche antisemitische Darstellungen gezeigt worden, zeigte sich der Präsident der Konferenz, Pinchas Goldschmidt, enttäuscht: „Der satirische Umzug mit antisemitischen Darstellungen in Aalst, Belgien, ist äußerst beleidigend und missbraucht die Macht der Redefreiheit, die ein so wesentlicher Bestandteil jeder liberalen Demokratie ist."

Aalster Karneval kein Weltkulturerbe mehr

Wie andere Narrenfeste der Region geht auch der Umzug in der Karnevalshochburg Aalst auf die Tradition zurück, mit Karikatur und Satire politische Kritik zu üben. Die Kontroverse um den 600 Jahre alten Aalster Karneval war im März vergangenen Jahres entbrannt. Auf einem Festwagen waren damals orthodoxe Juden mit Hakennasen auf Geldsäcken stehend und von Ratten umgeben dargestellt worden. Das judenfeindliche Motiv hatte Kritik der EU und jüdischer Organisationen ausgelöst.

Wegen wiederkehrender rassistischer und judenfeindlicher Darstellungen hat der Aalster Karneval 2019 seinen Status als Weltkulturerbe eingebüßt. Am Sonntag waren auch Karnevalisten zu sehen, die als "UNESCO" verkleidet den Umzug begleiteten.