Arbeitskampf bei Prosegur Geldtransporter streiken: Berlin geht das Bargeld aus

Von Peter Gärtner | 06.05.2015, 17:42 Uhr

Weil die Mitarbeiter des Geldtransport-Unternehmens Prosegur streiken, wird in Berlin das Bargeld knapp. An vielen Bankautomaten herrscht Ebbe, insbesondere nach der Tourismus-Flut am ersten Mai-Wochenende.

Der Alltag in Berlin und Brandenburg kann manchmal hart sein: Die S-Bahn kommt wegen des Bahnstreiks auf einigen Strecken gar nicht, auch die meisten Regionalzüge fallen ersatzlos aus. Wegen des Busstreiks in der Mark erreichen viele brandenburgische Schüler ihr Klassenzimmer nicht. Und manchen Fahrgästen, die auf das Taxi umsteigen wollen, fehlen die Scheine dafür.

Denn momentan besitzen zahlreiche Bankkunden nicht den Hauch einer Chance, an ihr Geld zu kommen. Selbst in großen Filialen von Commerzbank, Sparda-Bank, Postbank, Berliner und Deutsche Bank sind viele der Geldautomaten „außer Betrieb“. Was für manche Kunden wie ein technischer Defekt aussieht oder die Frage nach sich zieht, Karte gesperrt oder Dispo überzogen, ist in Wirklichkeit die Folge eines weiteren Streiks.

Touristen stehen ohne Bargeld da

Seit Dienstag vergangener Woche befinden sich die Mitarbeiter des Unternehmens Prosegur, die sonst für den Schein-Nachschub in den Geräten sorgen, im Arbeitskampf. Und da rund 1,5 Millionen Gäste die Hauptstadt über das erste Mai-Wochenende besuchten, ist das Geld in den Automaten inzwischen fast flächendeckend ausgegangen.

Etliche Touristen standen bereits ohne Bargeld da. Prosegur ist die Tochter eines spanischen Unternehmens und bezeichnet sich auf seiner Internet-Seite als Marktführer bei Geld- und Warentransporten mit bundesweit 30 Niederlassungen. Die 350 Beschäftigten der Potsdamer Niederlassung versuchen, einen neuen Haustarifvertrag zu erreichen; der alte ist bereits fast 14 Jahre alt.

Arbeitskampf für mehr Geld und Sicherheit

Die Gewerkschaft Ver.di fordert neben einer Aufstockung des Urlaubs- und Weihnachtsgeldes vor allem eine bessere Absicherung der Geld- und Werttransport-Fahrer, die einen besonders gefährlichen Job machen (Weiterlesen: Geldtransporter auf offener Straße überfallen) . Dabei geht es um die Versorgung von Familien, sollten Mitarbeiter bei einem Überfall getötet werden oder danach arbeitsunfähig sein.

Von dem Streik sind die Geldautomaten von insgesamt 17 Banken in Berlin-Brandenburg sowie die der Agentur für Arbeit betroffen. Die Bundesvereinigung der Geld- und Wertdienste bezeichnete jetzt die Ver.di- Forderungen als „völlig unangemessen“. Während die Gewerkschaft einen Euro „Standortortzuschlag“ zum Stundenlohn fordert, bietet die Prosegur-Geschäftsleitung bislang nur 65 Cent Zuschlag an. Deshalb will Ver.di weiter streiken. Das Unternehmen kann derzeit nur einen Notdienst aufrecht erhalten mit rund einem Zehntel der Einsatzfahrzeuge. In den ersten Discounter ist Medienberichten zufolge das Wechselgeld so gut wie alle, die Kunden werden um Kartenzahlung gebeten (Weiterlesen: Verbraucher zahlen am liebsten bar) .

Bitter für Banken ohne Kundenschalter

Für Kunden von Geldinstituten wie der Berliner Bank, die ihre Kassen mit Personal aus Kostengründen längst aufgegeben haben, ist dieser Streik besonders bitter: sie sind auf die seit Tagen nicht mehr aufgefüllten Automaten angewiesen, an denen nur in den seltensten Fällen der Hinweis zu finden ist: „Unser Geldversorgungsunternehmen wird derzeit bestreikt.“ Die Gewerkschaft rät indes den Bankkunden, sich an Schaltern mit reichlich Bargeld einzudecken.