Am Ende seiner Kräfte Judoka Bischof kann Olympiasieg nicht wiederholen und lobt seinen Widersacher Kim

31.07.2012, 20:38 Uhr

Judoka Ole Bischof lacht auf dem Weg zur Siegerehrung. Er lacht, als ihm die Silbermedaille umgehängt wird, er lacht und lacht und lacht vor lauter Glück. Er hat das olympische Finale in London gegen den Südkoreaner Kim-Jae Bum in der ExCel-Arena verloren, vier Jahre nachdem er es in Peking gegen den gleichen Gegner gewonnen hatte. Silber vier Jahre nach Gold. Ole Bischof lacht, er ist am Ziel. Trotz Silber.

„Ich weiß genau, was ihm durch den Kopf geht. Und ich kann mir jetzt vorstellen, wie es ist, vier Jahre Vize-Champion zu sein“, sagt Ole Bischof. Silber nach Gold, wie sein großer Lehrmeister Frank Wieneke 1984 in Los Angeles und 1988 in Seoul. Kim-Jae Bum sagt: „Es ist der glücklichste Tag meines Lebens, auf den ich vier Jahre gewartet habe.“

„Ich hatte keine Chance. Er hat auf alles eine Antwort gehabt, was ich auch versucht habe“, erzählt Ole Bischof. Wenige Minuten zuvor hat er den Koreaner herzlich umarmt, bevor der in Tränen ausbricht. Fünf Kämpfe auf allerhöchstem Niveau, der 32 Jahre alte Reutlinger hatte alles gegeben, alles eingesetzt, alles. Und er wusste es. Und konnte deshalb glücklich sein über Silber. „Ein ganz großer Athlet“, sagt Peter Frese, Präsident des Deutschen Judo-Bundes, mit Tränen in den Augen.

Schon früh vor dem Finale hatten beide in der Wartezone der Arena nebeneinander- gestanden. Spannung aufbauen und locker bleiben, kein Blick für den anderen. Kim-Jae Bum ist der Weltmeister der beiden vergangenen Jahre, der Koreaner ist die absolute Nummer eins in der Klasse bis 81 Kilogramm. Keiner hat einen Blick für den anderen. Und am Ende des Kampfes umarmen sie sich. Olympische Momente. Sagt auch Ole Bischof. „Das ist Olympia, das unterscheidet Olympia von allem anderen, diese Emotionen zu spüren, ich wollte das unbedingt noch einmal haben.“ Er war am Ende seiner Kräfte angelangt. Ob es das Ende seiner Karriere ist, wird er noch entscheiden. Es ist wahrscheinlich.

Schon das Halbfinale war ein unglaublicher Kraftakt gewesen und endete nach Verlängerung und einstimmigem Kampfrichterentscheid. „Ich wollte ins Finale, das war mein Ziel. Dafür habe ich härter gearbeitet als jemals zuvor“, sagt Ole Bischof. Der Deutsche und der US-Amerikaner Travis Stevens, Klubkollege von Bischof beim deutschen Mannschaftsmeister TSV Abensberg, lieferten sich einen Kampf von höchster Aggressivität. Sie standen sich Nase an Nase gegenüber – und gaben sich die Hand danach. „Wir haben die Regeln offen ausgelegt, er ist ein wirklich harter Bursche.“

Stevens musste zweimal verbunden werden, zwei Tapes durchschnitten nach Griff- und Risswunden sein Gesicht. Ein Kampf auf allerhöchstem Niveau mit einem glücklichen Ende für den Reutlinger. Stevens verließen danach alle Kräfte, er verlor auch das kleine Finale. Und auch Ole Bischof hatte gegen den Koreaner nichts mehr zuzusetzen, er bekam im Finale keinen Griff mehr an den Körper des Koreaners. „Ein großartiges Finale mit einem verdienten Sieger“, sagte Cheftrainer Detlef Ultsch. Aber auch ihn hatte das Halbfinale erschüttert. „Ein sensationeller Kampf zweier Hitzköpfe, dass sie sich nach dieser emotionalen Auseinandersetzung die Hand gegeben haben, fand ich einfach nur großartig“, sagt Cheftrainer Detlef Ultsch, einst erster deutscher Judo-Weltmeister.