Ausbildung trägt Früchte Alpenverein: Quote der tödlichen Bergunfälle historisch niedrig

Von Michael Schwager | 20.08.2019, 17:23 Uhr

Tödliche Bergunfälle prägen die Medienberichterstattung über den Alpinismus. Der Osnabrücker Klaus-Jürgen Gran, Präsident des Club Arc Alpin (CAA), betont dagegen: "Die Bergsteigerausbildung, die in den europäischen Alpenvereinen geleistet wird, trägt Früchte."

Die Zahlen aus der am Dienstag veröffentlichten Bergunfallstatistik des Deutschen Alpenvereins (DAV) für das Jahr 2018 geben ihm Recht. Bezogen auf die Mitgliederzahlen hat es noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen 1952 so wenige Todesfälle gegeben. Die größte Überraschung findet man allerdings bei den "Blockierungen": Selbst dort, in Fällen, in denen Bergsportler meist wegen Selbstüberschätzung nicht mehr vom Fleck kommen, gehen die Zahlen deutlich zurück.

"Zum ersten Mal, seitdem wir diesen Notfall-Typ in unserer Statistik erfassen, gehen die Blockierungen jetzt zurück, und das auch noch deutlich", zeigt sich auch DAV-Sicherheitsforscher Christoph Hummel überrascht. "Von einer Trendwende würde ich nach einem Jahr aber noch nicht sprechen."

Im Berichtszeitraum sind laut DAV-Statistik insgesamt 1178 Alpenvereinsmitglieder von Unfällen und Notfällen betroffen gewesen. Ein Jahr zuvor waren es noch 1245 – also 67 mehr. Bei den tödlich Verunglücken ist der Rückgang noch deutlicher. Kamen im Jahr 2017 insgesamt 41 Alpenvereinsmitglieder beim Bergsport ums Leben, so waren es im vergangenen Jahr 31 Personen. Weniger Tote – nämlich 30 – gab es in der 67-jährigen Geschichte der DAV-Bergunfallstatistik nur 2016. Allerdings hatte der DAV zu der Zeit nicht knapp 1,3 Mio. Mitglieder wie zur Zeit, sondern rund 170.000 weniger. Insofern liegt die Quote der tödlich Verunglückten für das Jahr 2018 auf einem historischen Tiefststand.

Gran, der als Präsident für den Dachverband der europäischen Alpenvereine spricht, sieht damit die These Reinhold Messner widerlegt. Der des Extrembergsteigers hatte angesichts mehrerer Bergunfälle vor einigen Jahren die Alpenvereine als Totengräber der Sicherheit kritisiert. Die Vereine redeten den Leuten ein, die Risiken der Natur seien beherrschbar. Gran: "Seit den 80er Jahren haben die Alpenvereine das Thema Sicherheit zum Schwerpunkt erhoben." In der Ausbildung der Mitglieder werde über die Risiken in den Bergen aufgeklärt, ein Bewusstsein für die Gefahren und Wissen über geeignete Ausrüstung vermittelt.