Stadtmeisterschaft im Schach 17 Jahre Osnabrücker Stadtmeister – und dann kam Hannes Ewert

Von Peter Vorberg

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pv Osnabrück. Als Christian Richter zum ersten Mal Osnabrücker Stadtmeister im Schach wurde, war Hannes Ewert noch nicht geboren. Für Richter war es der Beginn einer eindrucksvollen Siegesserie. Nach 17 Siegen in Folge ist der Abonnementmeister nun vom 16-jährigen Ewert abgelöst worden.

Im Jahr 2000 wurde Christian Richter Osnabrücker Stadtmeister im Schach. Danach hieß der Champion: Richter, Richter und noch mal Richter. 17 Jahre lang hatte die Serie Bestand – bis Hannes Ewert vom SV Hellern den Internationalen Meister in diesem Jahr ablöste.

Ausgleich zum Ausdauersport

Für beide ist Schach ein wichtiger Lebensinhalt. Allerdings spielt der 16-jährige neue Stadtmeister Ewert auch noch Fußball. Richter, aktuell DM-Fünfter im Blitzschach setzt seinerseits zum Ausgleich auf Gerätetraining und Radfahren. Beruflich gibt der 39-jährige ehemalige Erstligaspieler, der zurzeit für Werder Bremen in der 2. Bundesliga am Brett sitzt, Privatunterricht im Schach und in Mathematik.

„Ein schönes Gefühl, einen Seriensieger vom Thron zu stoßen“

„Es ist natürlich ein schönes Gefühl, wenn man so einen Seriensieger vom Thron stößt. Darauf bin ich schon stolz“, meint der 16-jährige Ewert, der Richter bereits im Vorjahr mächtig Paroli geboten hatte, dann aber knapp auf Platz zwei landete. „Nach fünf Runden waren wir diesmal gleichauf. Da habe ich schon gedacht, ich habe eine Chance“, sagt Ewert: „Als er dann in der vorletzten Runde die Verlustpartie hatte, da dachte ich mir schon, es dürfte durch sein.“

Richter-Niederlage verhilft Ewert zum Sieg

Die beiden Kontrahenten – Ewert ist seit Kurzem FIDE-Meister (Elo-Zahl über 2300), Richter seit 2009 Internationaler Meister (Elo über 2400) – hatten wie im Vorjahr gegeneinander Remis gespielt. Auch mit dem Vierten Julian zur Lage (SV Hellern) teilten sich beide die Punkte. Doch diesmal verlor Richter im urigen Schachzentrum im Barenturm (Vitischanze) überraschend gegen den Drittplatzierten Lukas Schiermeyer (Schachverein Osnabrück) – es war das Ende einer unglaublichen Siegesserie. Richter kam auf sieben Punkte aus neun Partien, Ewert holte 7,5 Punkte.

„Keine Überraschung, dass er mal besser wird als ich“

„Für mich war das keine Überraschung, dass Hannes irgendwann mal besser wird als ich“, sagt Richter, der um Ewerts Potenzial weiß: Er coacht das Talent. „In seinem Alter war ich noch nicht so gut. Er ist taktisch auf einem hohen Level, insbesondere in der offenen Stellung, wo er angreifen kann. Im Endspiel, wenn viel Material bereits vom Brett ist, da kann er vielleicht noch etwas lernen“, beschreibt Richter Stärken und Schwächen seines Nachfolgers.

Privattraining, um noch besser zu werden

Der Youngster, der seit zehn Jahren Schach spielt, hält sich sogar mit dem aus Russland stammenden Internationalen Meister Alexander Kabatianski einen Privattrainer, mit dem er mittwochs regelmäßig fleißig trainiert. „Manche Trainer nehmen Weltklassespieler und deren Partien als Anschauungsunterricht und versuchen da Strategien herauszuarbeiten. Bei Alexander ist es so, dass wir selbst gespielte Partien analysieren und daraus lernen, was man besser machen kann. Dadurch bin ich schon viel besser geworden. Alexander habe ich sehr viel zu verdanken“, erklärt Ewert seinen sportlichen Aufstieg.

Ist Schach überhaupt Sport?

Aber ist Schach überhaupt Sport? Christian Richter gibt folgende Erklärung, die durchaus stimmig ist. „Natürlich ist der Wettkampfcharakter beim Schach gegeben. Gerne erzähle ich folgende Anekdote: Bei Open-Turnieren spielt man neun Tage lang jeden Tag eine Partie – Dauer sechs bis acht Stunden. Da braucht man sehr viel Kondition, um sich nach vier, fünf Stunden noch konzentrieren zu können. Man weiß ja nicht, wann die Entscheidung fällt.“

Hannes Ewert will Internationaler Meister werden

Zurück zu Hannes Ewert: Das Trainingspensum soll dem 16-Jährigen demnächst dazu verhelfen, selber den Titel eines Internationalen Meisters zu erspielen. „Man muss die Elo-Zahl 2400 haben und dazu drei Normen gegen gewisse hochkarätige Gegner erspielen“, beschreibt Ewert die Voraussetzungen. An diesen Zielen möchte der Helleraner im kommenden Jahr bei den Grenke Chess Open in Karlsruhe sowie den Czech Open in Pardubice arbeiten.


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