Kleine Geschichte des Rugbysports Rugby – eine Raufbold-Sportart für Gentlemen

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International ist Rugby eine populäre Sportart. Auch in Osnabrück gibt es seit einiger Zeit eine Mannschaft. Symbolfoto: AFPInternational ist Rugby eine populäre Sportart. Auch in Osnabrück gibt es seit einiger Zeit eine Mannschaft. Symbolfoto: AFP

Osnabrück. Ein Sprichwort in Großbritannien lautet: „Fußball ist eine von Raufbolden gespielte Gentleman-Sportart. Rugby ist eine von Gentlemen gespielte Raufbold-Sportart.“ In Deutschland ist Rugby trotz der wachsenden Popularität der Nationalmannschaft mit TV-Übertragungen, gut besuchten Stadien und der jüngsten Erfolge in der WM-Qualifikation eine Randsportart. Dabei ist Rugby eine der populärsten globalen Sportarten überhaupt.

Die Entstehungsgeschichte des Rugbysports ist eng mit der des Fußballs verknüpft. Entscheidend ist dabei das Jahr 1870, als der englische Fußballverband (FA) die Regel einführte, dass nur noch der Torwart den Ball in die Hand nehmen durfte. Daraufhin verließen einige Mitglieder die FA und gründeten 1871 einen neuen Verband, der sich an den Regeln der Rugby-School in der gleichnamigen Stadt orientierte.

Lohnentschädigungen als Streitpunkt

Eine Spaltung innerhalb des Rugbyverbandes führte zur Entstehung verschiedener Varianten des Spiels. Streitpunkt war die Tatsache, dass vor allem Rugbyvereine in Nordengland ihren Spielern Lohnentschädigungen zahlten, wenn diese am Samstag Rugby spielten, anstatt zu arbeiten. Viele Vereine in Südengland sahen dies als Professionalisierung des Sports, der verboten war. 21 Vereine aus Nordengland gründeten daraufhin ihren eigenen Verband mit neuen Regeln, die die Grundlage der Spielvariante Rugby League bilden. Im Rugby Union sind erst seit 1995 Profisportler zugelassen.

Neben dem Union- und dem League-Rugby gibt es weitere Varianten wie das inzwischen olympische Siebener-Rugby (Mit sieben Spielern pro Mannschaft und 14 Minuten Spielzeit), das große Ähnlichkeit mit Union hat. Außerdem existieren Beach-, Touch-, Rollstuhl- und Unterwasserrugby.

In einigen Ländern ist Rugby Nationalsport

Populär ist Rugby vor allem in Irland, Großbritannien und in dessen ehemaligen Kolonien wie Australien, Neuseeland und Südafrika. Weitere Nationen, in denen Rugby Nationalsport ist oder eine ähnlich große Bedeutung hat, sind Frankreich, Argentinien, Italien und die pazifischen Inselstaaten Fidschi, Samoa und Tonga. Bekannt ist vor allem die neuseeländische Nationalmannschaft, die als „All Blacks“ den berühmten Tanz der Ureinwohner – den Haka – vor und nach ihren Länderspielen zelebriert.

Rugby-Regeln in Kürze

Die Spielvariante Rugby Union wird mit 15 Spielern pro Mannschaft gespielt. Ziel ist, mit dem ovalen Spielball Punkte zu erzielen. Dabei darf der Ball nur nach hinten geworfen und nach vorne gekickt oder getragen werden. Wenn sich ein Spieler vor dem balltragenden Mitspieler befindet und aktiv in das Spiel eingreift, steht er im Abseits.

Fünf Punkte für einen Try

Zum Punkten stehen den Teams verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Bei einem Versuch (englisch Try) legt der Spieler den Ball im gegnerischen Malfeld ab, was fünf Punkte einbringt. Das Malfeld ist der Bereich hinter den Torstangen. Anschließend können weitere zwei Punkte erzielt werden, wenn der Ball bei der Erhöhung (engl. Conversion) durch die verlängerten Torpfosten gekickt wird. Ein Strafkick wird ausgeführt, wenn ein schwerer Regelverstoß vorliegt. Dieser bringt drei Punkte ein. Eher selten wird aus dem Spiel ein technisch anspruchsvoller Dropkick gespielt, bei dem der Ball erst den Boden berühren muss, bevor er gekickt wird.

Raue Sportart mit klaren Regeln

Ein Spiel dauert zweimal 40 Minuten, wobei die Uhr bei Profispielen bei Verletzungsunterbrechungen angehalten wird. Die Halbzeitpause ist 15 Minuten lang. Ist die reguläre Spielzeit abgelaufen, spielen die Teams bis zur nächsten Unterbrechung weiter.

Wird der balltragende Spieler getackelt, also zu Boden gebracht, muss er den Ball sofort loslassen und für andere Spieler spielbar machen. Andere Spieler dürfen den Ball dann aufnehmen, der getackelte Spieler darf dabei aber nicht attackiert werden. In der Praxis versuchen die getackelten Spieler meist, den Ball nach hinten zu legen, damit ihre Mitspieler diesen aufnehmen können.

Umstoßen und Umrennen sind nicht erlaubt

Obwohl Rugby eine körperbetonte Sportart ist, sind viele Aktionen nicht erlaubt. So dürfen nur Spieler getackelt werden, die in Ballbesitz sind. Bei einem Tackling muss der tackelnde Spieler immer versuchen, den Gegner zu umfassen. Einfaches Umstoßen oder Umrennen ist nicht erlaubt. Ein Tackling darf nur ab den Schultern abwärts erfolgen. Ein Gegner, dessen Füße nicht den Boden berühren, darf nicht getackelt werden. Außerdem darf ein Gegner nicht hochgehoben werden.


Kleines Rugby-Lexikon

Erhöhung (engl. Conversion): Nach einem erfolgreichen Versuch kann die punktende Mannschaft weitere zwei Zähler holen, in dem ein Spieler den Ball aus einer bestimmten Position zwischen die verlängerten Torpfosten kickt.

Gasse (engl. Line-out): Eine Standardsituation im Rugby. Wird bei einem Einwurf angewandt. Die gegnerischen Teams stellen sich senkrecht zur Seitenauslinie gegenüber auf und bilden eine Gasse, in die der Ball vom Einwerfer geworfen wird. Oft heben zwei Spieler einen Mitspieler hoch, damit dieser den Ball fangen kann.

Gedränge (engl. Scrum): Eine Standardsituation im Rugby. Je acht Spieler beider Mannschaften stellen sich in drei Reihen gegenüber auf und versuchen, die jeweils andere Mannschaft mit nach vorn gebeugten Oberkörpern wegzuschieben. Währenddessen wird der Ball unter das Gedränge gerollt.

Malfeld: Die Zonen an den jeweiligen Enden des Spielfelds hinter den Toren. Hier muss der Ball abgelegt werden, um Punkte zu erzielen.

Versuch (engl. Try): Ein Spieler legt den Ball in der gegnerischen Endzone (Malfeld) ab. Ein erfolgreicher Versuch bringt fünf Punkte. Der ungewöhnliche Name ergibt sich aus den Anfängen des Rugbysports, als das Ablegen des Balls nur einen Punkt brachte und zum „Versuch“ berechtigte, auf die Stangen zu kicken.

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