Deutsche Meisterschaft in Bramsche Was genau ist eigentlich Rasenradball?


Bramsche. Den Sport Radball kennen die meisten, aber Rasenradball? Davon haben viele noch nichts gehört – es sei denn, sie kommen aus Bramsche. Der Verein trägt jetzt zum neunten Mal die Deutsche Meisterschaft aus. Seit Jahrzehnten hat der Sport hier Tradition.

„Irgendwann hat sich bestimmt jemand gedacht‚ die Sommerpause ist so lang, wir spielen jetzt mal auf dem Rasen“, sagt Spielführer Rolf Lakomiak auf die Frage, wie der Sport überhaupt entstanden ist. Radball wird normalerweise in der Halle gespielt. Die bekannteste Spielform ist dabei der 2er-Radball. Aber auch 5er-Radball gibt es in der Halle. Nur auf dem Rasen wird sechs gegen sechs gespielt.

Unterschiede zwischen Rasen- und Hallenradball

Es kommt beim Radball unabhängig vom Untergrund besonders auf Kraft, Kondition, gutes Gleichgewichtsempfinden und gutes Zusammenspiel an. Zwischen den beiden Disziplinen gibt es aber auch ein paar Unterschiede: Zum Beispiel ist der Ball ein anderer, es ist auf dem Rasen ein D-Jugend-Fußball Größe 4. Außerdem darf nicht vom Rad abgestiegen werden. Sollte dies doch einmal passieren, muss sich der Spieler fünf Meter vom Ball entfernen. Erst danach darf der Ball wieder berührt werden.

Das Hinterrad ist beim Rasenradball ein anderes, als das Vorderrad. Foto: Swaantje Hehmann

Banden gibt es im Gegensatz zum Hallenradball nicht. Das Spielfeld ist durch einfache Linien auf 40 mal 60 Meter begrenzt. Wenn der Ball ins Aus geht, wird er auf die Linie gelegt und wieder ins Feld geschossen. Einen entscheidenden Unterschied gibt es bei den Fahrrädern. An sich sind es die gleichen Gestelle, 26er bei den Erwachsenen, aber ein Rad ist anders. Das Hinterrad ist mit Noppen besetzt, für die bessere Haftung auf dem Rasen. Vorne wird das gleiche Rad wie beim Hallenradball genutzt. Ansonsten hat auch das Rad für die Draußen-Variante des Sports keine Bremse. „Das heißt, die Räder können vorwärts und rückwärtsfahren – gebremst wird aber mit Muskelkraft“, erklärt Lakomiak.

Exotische Sportart

Wie der Vorsitzende des Vereins, Manfred Klose, sagt: „Es ist eine exotische Sportart.“ An der deutschen Meisterschaft, die am kommenden Wochenende, 29. bis 30. Juli in Bramsche stattfindet, nehmen aus ganz Deutschland neben den Bramschern nur fünf weitere Vereine teil. „Die Mannschaften haben sich über ihren Landesverband angemeldet. Eine Qualifikationsrunde gibt es nicht. Dafür gibt es zu wenige Vereine, die diesen Sport überhaupt noch neben dem Hallenradball betreiben“, erzählt Klose. Vor dem Zweiten Weltkrieg sei das anders gewesen. Da habe es sogar mal eine Nationalmannschaft gegeben. So eine gibt es heute nicht mehr. Bei der Rasenradball-Deutschen-Meisterschaft treten außerdem nur Männerteams gegeneinander an. Die Bramscher Mannschaft besteht aus einer sehr gemischten Truppe: „Unser Jüngster ist gerade einmal 17 Jahre alt. Der Älteste ist kurz vor der 60“, sagt Klose lachend. Anscheinend macht es aber gerade diese Mischung bei den Bramschern aus. Bereits 15 Mal konnte der Verein die Deutsche Meisterschaft im Rasenradball für sich entscheiden. Im Jahr 1973 gelang dies zum ersten, 2010 zum bislang letzten Mal.

Vereinsgründung 1907

In dem Verein können Kinder ab acht Jahren ihr Radball-Talente ausprobieren. In verschiedenen Altersklassen treten sie auch in Wettbewerben an. „Die Spiele sind dann in ganz Niedersachsen. Da kommen manchmal weite Fahrten auf die Spieler zu. Der Kern-Radball-Bereich ist unten im Harz“, so Klose. Der einzige Verein, der im Landkreis Osnabrück sonst noch Radball anbietet, ist in Bad Rothenfelde-Aschendorf ansässig. Den Verein in Bramsche gibt es bereits seit dem Jahr 1907. Zunächst wurden Radwanderungen veranstaltet. Erst nach und nach kamen weitere Radsportarten wie Kunstfahren, Einradfahren oder eben Radball hinzu.

Jeder gegen Jeden bei Deuscher Meisterschaft

Am Samstag beginnt um 12.15 Uhr die Deutsche Rasenradball Meisterschaft auf dem Bramscher Sportplatz „Wiederhall“. Die sechs Teams aus Gaustadt (Bayern), Hamburg, Niederseifersdorf (Sachsen), Ludwigsau-Tann (Hessen), Düsseldorf und Bramsche spielen dann im Modus Jeder gegen Jeden den Deutschen Meister unter sich aus. Am Sonntag startet der Turniertag um 9 Uhr. Nachdem die Bramscher im vergangenen Jahr knapp am Sieg vorbeigeschrammt sind, und am Ende Dritter waren, sehen sie die Chancen für dieses Jahr gut. „Wir wollen besser sein als im letzten Jahr“, sagt Junga.


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