Von Sylt bis zur Zugspitze Osnabrücker Liegmann will 1321 Kilometer in 19 Tagen laufen

Von Peter Vorberg

Weiter, immer weiter: Günter Liegmann nimmt den Deutschlandlauf von Sylt bis auf die Zugspitze in Angriff. Foto: David EbenerWeiter, immer weiter: Günter Liegmann nimmt den Deutschlandlauf von Sylt bis auf die Zugspitze in Angriff. Foto: David Ebener

pv Osnabrück. Es gibt für jeden Sportler größere Herausforderungen in seiner Disziplin. Was sich der Osnabrücker Günter Liegmann jetzt vorgenommen hat, gehört auf jeden Fall dazu. Der 62-jährige Ultraläufer ist einer von sechs Frauen und 59 Männern, die ab dem 16. Juli die Republik von Sylt bis zur Zugspitze durchqueren wollen.

Es ist schon der Wahnsinn, dieses „Race across Germany“, wie der offizielle Titel lautet: Innerhalb von nicht ganz drei Wochen gilt es, 1321 Kilometer in 19 Etappen zu bewältigen. Das Tagespensum beläuft sich zwischen 54 und 90 Kilometer. „Da gibt es nicht mehr viel: Nur laufen, essen, trinken, schlafen, laufen – und das Ganze 19-mal“, ahnt Liegmann, was auf ihn zukommt. „Da muss man die Komfortzone verlassen, eine Privatsphäre gibt es in der Zeit kaum.“

„Ich will auf der Zugspitze ankommen. Das ist mein Ziel“

Der Eversburger ist seit einigen Jahren ständig bei Marathon- und Ultraläufen am Start wie bei der „Tortour de Ruhr“ über 230 Kilometer oder kürzlich einem Mehr-Etappenlauf auf den Philippinen. Jetzt also der Deutschlandlauf. Die Vorbereitung dafür läuft seit einigen Wochen auf Hochtouren. Der pensionierte Lehrer bekommt, je näher der Lauf rückt, mehr und mehr Respekt, wie er offen zugibt. „Wichtig ist, dass man sich nicht verletzt oder krank wird. Ich will auf der Zugspitze unbedingt ankommen. Das ist mein Ziel“, sagt Liegmann.

Lauf macht am 21. Juli Station in Haste

Zielort ist am Freitag, 21. Juli, das Sportgelände der Spvg. Haste am Fürstenauer Weg. Jörg Kutkowski, Geschäftsführer der Spvg. Haste, freut sich über die Läufergruppe. „Die kennen wir ja schon vom Piesberg Ultra Marathon, die sind alle sehr nett, eine große Familie. Ich habe allergrößten Respekt vor der Leistung. Die sind schon positiv verrückt.“ Die Spielvereinigung stellt ihre Tennishalle als Unterkunft zur Verfügung und sorgt am Abend für die Verpflegung. Liegmann, der auf viele Bekannte und Verwandte am Etappenziel hofft, möchte natürlich im eigenen Bett übernachten.

Ein Schlenker durch NRW

Um 4 Uhr aufstehen, um 6 Uhr Start, danach acht bis zwölf Stunden laufen – das ist das tägliche Programm, das Liegmann in den nahenden drei Wochen bevorsteht. „Wir schauen mal, wie es funktioniert“, sagt der Ultraläufer noch einigermaßen entspannt. Die Strecke führt die Teilnehmer nicht auf dem geradesten Weg durch Deutschland, sondern macht einen Schlenker durch NRW. „Ich wollte die Läufer durch NRW führen, weil ich hier in meiner Heimat mit vielen Helfern rechnen kann, die den Lauf tatkräftig unterstützen. Außerdem ist die Rheinschiene besonders gut geeignet. Der Radweg, auf dem gelaufen wird, ist autofrei, leicht zu finden, für Zuschauer gut zugänglich und bietet tolle Ausblicke“, sagt Oliver Witzke, der Organisator des Laufes. „Wären wir auf dem direkten Weg durch Hessen gelaufen, hätte es große Streckenabschnitte gegeben, die durch wenig besiedelte (Wald-)Gebiete führen.“

Nach der Qual ein Blick über die Alpen

Am Ende der gewaltigen Strecke wartet am 3. August bei gutem Wetter die Schlussetappe mit einer Länge von vergleichsweise „nur“ 24 Kilometern, aber mit 2481 Höhenmetern hinauf auf die Zugspitze – ein würdiger Ort für das Ziel. Der Blick über die Alpen würde alle Finisher für ihre Qualen entschädigen. Bei schlechtem Wetter endet der Deutschlandlauf mit einer Alternativetappe.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN