Respekt und Ästhetik sind ihr wichtig Deutsche Meisterin Hassan aus Hollage will Profi-WM-Kampf

Von Christian Detloff


Wallenhorst. Von einem Profi-Fight um den Weltmeisterschaftstitel im Kampfsport K1 träumt Layla Hassan, die frisch gekürte Deutsche Meisterin von der Kampfsportschule Schawe in Wallenhorst. „Es wäre eine große Ehre für mich, einen großen internationalen Kampf bestreiten zu können“, sagt die 22-Jährige.

Der Kampfsport wurde Hassan gewissermaßen in die Wiege gelegt. Schon ihr Vater Christian trainierte einst mit dem Kampfschulen-Inhaber und vielfachen Weltmeister im Kick-Boxen und Taekwondo, Oliver Schawe (48). Ihre Mutter Felicia war einst im Taekwondo aktiv.

Bis die Hollagerin acht Jahre alt war, war Reiten ihr Lieblingssport. Auch im Judo hatte sie erste Erfahrungen gesammelt. „Als ich erstmals unter Oliver trainierte, war ich sofort Feuer und Flamme. Von da an habe ich keinen zweiten Sport mehr intensiv ausgeübt“, sagt Hassan.

Das Kickboxen, anfangs auch das Taekwondo, habe ihr Selbstbewusstsein gleich gesteigert. „Kickboxen ist einfach vielseitig und deshalb nie langweilig. Auch die Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper und der Psyche fand und finde ich sehr spannend“, sagt sie.

Hassan legt bei der Ausübung ihres Sports stets hohe persönliche Maßstäbe an. „Vor allem vor Turnieren kommt auch mal Frust auf, wenn man die Lösungen für die letzten kleinen Probleme sucht“, sagt sie. Ihr Trainer ist begeistert von der enormen Zielstrebigkeit des Schützlings – im Sport wie im Berufsleben als Physiotherapie-Studentin an der Hochschule Osnabrück nach ihrer Physiotherapie-Ausbildung: „Das Schöne ist, dass alles passt: Layla hat in allem große Ansprüche an sich selbst – und schafft es, sich dabei nicht zu überfordern und übergroßen Druck aufzubauen“, schwärmt Schawe.

Im Jugendbereich war ihre zwei Jahre jüngere Schwester Ronja Hassan als achtfache Weltmeisterin noch erfolgreicher – Layla legte damals noch nicht so viel Wert auf Turniere und Titel. Mit 18 Jahren steigerte Layla Hassan, die sich mit ihrer Schwester, ihrer ständigen Trainingspartnerin, blendend versteht, das sportliche Pensum. „Mittlerweile ist Layla seit drei Jahren im Frauenbereich ungeschlagen. Angesichts ihres Charakters und Talents muss schon eine Menge passieren, damit es nicht weiter bergauf geht“, ist Schawe überzeugt.

Beim ersten großen Turnier in der Erwachsenenklasse holte sie 2014 Silber bei der Kickbox-WM der Amateure in London. Die mehrfache Internationale Deutsche Meisterin erbeutete bei der WM 2016 in Stuttgart Bronze.

Hassan hat sich längst auf K1 spezialisiert, das an Thaiboxen erinnert. Im Gegensatz zum normalen Kickboxen sind hier im Vollkontakt auch Lowkicks auf die Oberschenkel und Kniestöße zum Kopf und Körper erlaubt. „Ihre Variabilität, sich nicht auf Boxen oder Kicks zu spezialisieren, ihre starke Technik, Leichtfüßigkeit und ihr großer Biss sind ihre klaren Stärken. Dazu kommt, dass es Layla stets wichtig ist, dass alles auch richtig ästhetisch aussieht“, sagt ihr Trainer.

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So war es kein Wunder, dass die großen Verbände immer stärker auf sie aufmerksam wurden. Zuletzt der Verband WKF, der Hassan den ersten Profikampf anbot: gegen die amtierende Deutsche Meisterin und Europameisterin Chrisoula Mirtsou aus Köln. Vor wenigen Wochen in Leverkusen war es so weit – „früher als ich angenommen hatte“, sagt Hassan, die zuvor zwei Angebote abgelehnt hatte. „Es war eigentlich nie mein Ziel, Deutsche Profi-Meisterin zu werden“, sagt die 22-Jährige, die nun aber Lunte gerochen hat: „Es ist bei allem großen Ehrgeiz aber nun auch nicht so, dass es mir total wichtig wäre, ab jetzt einen großen Titel nach dem anderen abzuräumen.“

In der Klasse bis 60 Kilogramm ließ Hassan in Leverkusen der Gegnerin mit harten Box- und Tritt-Kombinationen keine Chance. „Der WKF-Präsident kam danach zu mir und schwärmte vom attraktiven Stil von Layla. So etwas hätte er ewig nicht mehr gesehen“, sagt Schawe.

Hassan selbst ärgert sich, dass ihre Gegnerin so wenig Respekt zeigte: „Anders als üblich, hat sie mich nicht nach den einzelnen Runden abgeklatscht. Vor jeder Runde hat sie es gerade so hinbekommen – aber da konnte sie auch nicht ausweichen. Auch ihre beiden Köpfstöße waren ärgerlich.“ Respekt und Kontrolle schreibt Hassan stets groß. „Mir imponiert, wie die viel schwereren Jungs, mit denen ich trainiere, ihre Kraft adäquat dosieren können und wie vorbildlich sie sich auch ansonsten mir gegenüber verhalten“, betont sie. Das gelte ebenso für ihren Trainer. „Oliver weiß, dass ich meine Gesundheit als größtes Gut sehe. Ich habe größtes Vertrauen – auch, wenn es darum gehen würde, einen WM-Profikampf abzumachen oder im Ring das Handtuch zu werfen, falls meine Gesundheit gefährdet werden könnte.“