Osnabrücker erinnern sich So war der erste niedersächsische Volkslauf vor 50 Jahren



Osnabrück. Der Laufsport boomt. Doch bereits vor 50 Jahren gab es bei den ersten größeren Volksläufen ähnliche Teilnehmerzahlen wie heute. „Die Euphorie war gleich groß“, sagt Dieter Brockfeld, einer von vier Teilnehmern des OTB am ersten niedersächsischen Volkslauf.

Als am 8. April 1967 der 10-Kilometer-Volkslauf um den Maschsee in Hannover stattfand, waren neben Brockfeld (heute 82 Jahre, früherer Ingenieur) auch Heinz Meyer (90 Jahre alt, Lehrer), Robin Praed (†, Lehrer) und Manfred Niemann (84, Maschinenbauer) dabei – mit Ulli Rath (70, Kaufmann) als Fünftem im Bunde, der nicht für den OTB antrat, sondern während seines Einsatzes beim Bundesgrenzschutz in Goslar von dem Lauf erfuhr. Zum Jubiläum trafen sich Brockfeld, Meyer, Niemann und Rath jüngst wieder.

Laufen war nur ein Hobby

„Laufen war damals kein Breitensport. Man hatte das Laufen eher als Hobby“, erinnert sich Rath. Zusammen mit Niemann war Brockfeld, der an insgesamt 188 Volksläufen und einigen Cross- und Orientierungsläufen teilnahm, der Aktivste des Quintetts: „Wir hatten damals mitbekommen, dass es in Süddeutschland bereits Volksläufe gab. Als der erste in Niedersachsen angekündigt wurde, herrschte unter den Läufern gleich eine große Begeisterung“, erinnert sich Brockfeld: „Damals wurden gewissermaßen die Samen für den Breitensport gelegt. Der Deutsche Leichtathletik-Verband hat es verstanden, die erste Euphorie mit den Trimm-dich-Aktionen und den ersten Lauftreffs weiterzutragen. Irgendwann wurde dann auch der Begriff Joggen geprägt.“ (Weiterlesen: Osnabrücker bereiten sich auf Hamburg-Marathon vor)

Niemann war immer das Vorbild von Brockfeld: „Er war immer einen Tick besser. Außer einmal, nachdem ich ihn zum Orientierungslauf überredet habe, in dem ich schon mehr Erfahrung hatte: Bei einer Deutschen Meisterschaft über die Ultra-Langstrecke habe ich ihn als Zweiten mit meinem ersten Platz mal übertrumpft“, erinnert sich der 82-Jährige, der noch immer Mitglied des Landesfachauschusses des Niedersächsischen Turner-Bundes im Orientierungslauf ist.

Man lief in langer Trainingshose

Heinz Meyer war für Kurzstreckler Rath eine Art Trainer. Der 1927 geborene Meyer „konnte es nicht lassen. Wir sind schon in der Schule extrem viel gelaufen. Selbst später in Kriegsgefangenschaft habe ich Lagerläufe organisiert.“ Rath, der einen Laden für Laufzubehör in Osnabrück betreibt, merkt an: „Das Kuriose in Hannover war, dass wir alle noch in ganz normalen Turnschuhen gelaufen sind.“ Meyer lief sogar in langer Trainingshose, daran erinnert er sich noch genau: „Auf halber Strecke musste ich die wegwerfen. Es war einfach viel zu warm.“

Alle vier sind noch fit. „Wir sind ein gutes Beispiel, dass man sich durch Bewegung jung hält“, sagt Meyer. Beispielsweise betreibt Brockfeld („Ich habe ab 49 Jahren meine Bestzeiten über 5000, 10000 Meter, im Stundenlauf sowie im Marathon und Halbmarathon aufgestellt“) noch immer einmal die Woche Nordic Walking und zweimal wöchentlich Kraftsport im OTB-Athleticum. Dazu kommt die gelegentliche Teilnahme an Orientierungsläufen. „Aber nur noch im Stadtbereich mit festem Untergrund und geringem Gefälle“, räumt er ein.

Einige ihrer sportlichen Erben nahmen vorgestern am Hannover-Marathon teil. Markus Titgemeyer vom TV GMHütte lief als viertbester Deutscher nach 2:38,48 Stunden auf Rang 17 ein. In diesem Rahmen fanden auch die deutschen Meisterschaften im Halbmarathon statt. Schnellster der Region war Nicolai Riechers (Osnabrücker TB) in 1:09,31 Stunden, schnellste Teilnehmerin Christin Kulgemeyer (OTB) in 1:31,08 Stunden. Bemerkenswert war auch der vierte Platz von Marita Harmeling (Quitt Ankum, 1:44,33 Stunden) in der Altersklasse W60.


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