TV GMHütte und HSG: 23:23-Remis Handball-Derby: Debatte um späten Ausgleichstreffer

Heißes Handball-Derby: Henry Geertsen (HSG Osnabrück, in blau, am Ball) in der Handball-Landesliga-Partie TV Georgsmarienhütte. Foto: Moritz FrankenbergHeißes Handball-Derby: Henry Geertsen (HSG Osnabrück, in blau, am Ball) in der Handball-Landesliga-Partie TV Georgsmarienhütte. Foto: Moritz Frankenberg

Osnabrück Während sich in den Gesichtern der Osnabrücker Handballer blankes Entsetzen widerspiegelte, konnte der TV Georgsmarienhütte – zur Jubeltraube versammelt – sein Glück kaum fassen. Die Bandbreite der Emotionen bei den Teams, die sich in einem spielerisch nicht hochwertigen, aber umso intensiveren und spannungsgeladenen Landesligakrimi nach Abpfiff mit 23:23 die Punkte teilten, reichte weit und war das Spiegelbild einer Partie, deren gesamter Verlauf sich in der Schlussminute zu einer Art High Noon verdichtete.

Doch von Anfang an: Nachdem bereits beide Lokalderbys zwischen dem TV Georgsmarienhütte und der HSG Osnabrück in der Vorsaison mit einem Remis endeten, war die Spannung groß, ob es dieses Mal einem der beiden Kontrahenten gelingen würde, beide Punkte für sich zu verbuchen. Auf dem Papier hatte der TVG nach gutem Saisonstart die besseren Karten, musste aber auf die Dienste des zuletzt starken Nico Wiesehahn verzichten. Die Osnabrücker standen nach den jüngsten Negativerlebnissen mit dem Rücken zur Wand, drohten bei einer neuerlichen Niederlage in die Abstiegszone abzurutschen, konnten jedoch anders als zuletzt in Dinklage wieder mit voller Mannschaftsstärke aufwarten.

Und so waren es schließlich die Gäste, die sich in der gut besuchten Realschulhalle nach achtminütiger Abtastphase beider Teams aufmachten, die ersten Akzente zu setzen. Die gut eingestellten Hasestädter bauten ihr Spiel auf ein massives Defensivfundament und so reichte das keineswegs überragende Angriffsspiel aus, um auf 2:6 davonzuziehen und diesen Vorsprung bis zum 4:8 in der 18. Minute zu behaupten, ehe auch die Hüttenstädter häufiger den Weg durch die Osnabrücker Deckung fanden. Nach und nach gelang es den Hausherren, den Rückstand einzuschmelzen und stellten mit dem 8:9 in der 23. Minute den Anschluss wieder her, der bis zum 10:11-Halbzeitstand Bestand haben sollte.

Auch nach dem Seitenwechsel blieb es ein Spiel der Abwehrreihen und vergebenen Chancen. Spitz auf Knopf ging es zu und Begegnung wogte hin und her. Zunächst erhöhte die HSG auf 11:13, wenig später führte der TVG knapp mit 15:14 und schließlich ging es nach Kai Klünders Siebenmetertor zum 20:20 in der 53. Minute mit Unentschieden in eine dramatische Schlussphase, in der die Osnabrücker zunächst auf 20:21 und vier vollständig torlose Minuten später auf 20:22 stellten.

Die Osnabrücker, bei denen Henry Geertsen nach einer unglücklichen Aktion bereits in der 41. Minute einen berechtigen Platzverweis erhalten hatte, mussten nach einer Zeitstrafe gegen Thomas Stermann die letzten zwei Minuten in Unterzahl agieren, kamen aber dennoch zum 21:23. Unmittelbar im Anschluss bot sich Osnabrücks Kreisläufer Alexander Schilling gar die Riesenchance in Unterzahl den Sack zuzubinden, doch er scheiterte freistehend am glänzend parierenden TVG-Schlussmann Matthias Dilly.

Nun ging es in die letzte Minute. Die Gastgeber suchten die schnelle Gelegenheit, fanden sie, bekamen einen Strafwurf zugesprochen und verwandelten diesen 45 Sekunden vor dem Ende zum 22:23. Der HSG gelang es danach nicht, zum Abschluss zu kommen. Gleich zweimal gewannen die Hausherren den Ball und verloren ihn wieder. Ebenso oft folgten vieldiskutierte Freiwurfentscheidungen zugunsten der Sieben von TVG-Coach Olaf Hünnefeld, sodass seine Mannschaft ein drittes Mal, zwölf Sekunden vor dem Ende, einen Freiwurf auszuführen hatte. Trotz Überzahl ergab sich nicht unmittelbar die Chance zum Abschluss für die Gastgeber. Ein letzter Pass von der linken Außenbahn auf die rechte ergab den nötigen Freiraum zum Abschluss für Sascha Hasenau – ein Moment wie in Zeitlupe.

Absprung, Wurf, Sirene, dann der Ball in Netz – und schließlich der eingangs erwähnte überschwängliche Jubel auf Seiten des TVG und das pure Entsetzen bei der HSG, denn so recht fassen schien es zunächst offenbar niemand zu können, dass die Schiedsrichter trotz hörbarer Sirene und sichtbarem Ablauf der 60 Minuten, bevor der Ball die Torlinie passiert hatte, den Treffer gaben und den Gastgebern doch noch einen Zähler bescherten. Im Nachgang waren auch aus dem Lager des TVG Stimmen zu hören gewesen, dass der letzte, spielentscheidende Treffer ein irregulärer war.

TVG-Trainer Olaf Hünnefeld nach dem Spiel: „Das erwartet spannende Spiel mit einem glücklichen Punkt in der letzten Sekunde. Aber der Punkt fühlte sich nur kurz nach einem Punktgewinn an, denn wenn man das ganze Spiel Revue passieren lässt, ist kaum ein Spieler von uns im Angriff an seine Leistungsgrenze gekommen. Bei vielen hat der Druck bzw. der Wunsch, gewinnen zu wollen, wohl eher gelähmt als beflügelt. Das Potenzial und der Wille waren ausschließlich in der Abwehr über 60 Minuten erkennbar, die über 60 Minuten sehr gut gearbeitet hat.“

Die Osnabrücker zeigten unter dem Strich eine kämpferisch gute Leistung, schafften es aber aus eigener Kraft nicht, die Begegnung früher zu eigenen Gunsten zu entscheiden. Dennoch war es ein Spiel, auf dem die Hasestädter aufbauen können und müssen, wenn sie zum Jahresausklang am kommenden Samstag um 18 Uhr das Spitzenteam von der TS Hoykenkamp in der OSC-Halle empfangen.


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