Mal schnell und mal gemütlich Rubbenbruchseemarathon schreibt viele Geschichten

Von Peter Vorberg

Gut 41 Kilometer gemeinsam liefen spontan Jürgen Bultmann und Ingo Schneiding (r.), die sich erst in Eversburg kennenlernten. Foto: Swaantje HehmannGut 41 Kilometer gemeinsam liefen spontan Jürgen Bultmann und Ingo Schneiding (r.), die sich erst in Eversburg kennenlernten. Foto: Swaantje Hehmann

In Berlin, Paris oder New York sind es 40000 Menschen, die die Marathondistanz in Angriff nehmen. Wesentlich kleiner, aber bei den Startern genauso beliebt ist der Rubbenbruchseemarathon in Osnabrück, den 52 Frauen und Männer am Samstag mit großer Begeisterung in Angriff nahmen.

Osnabrück. Bestzeiten spielten bei der 3. Auflage des kleinen aber feinen „RuM“ über 42,195 Kilometer keine Rolle. Die familiäre Atmosphäre, für die Organisator Michael Brehe in Eigenverantwortung mithilfe seines Freundeskreises und der Familie gesorgt hatte, dagegen umso mehr.

Gewonnen hat der 26-jährige Patrick Kaczynski aus Lingen, der die zwei kleinen und sieben großen Runden um den Rubbenbruchsee und durch das Heger Holz in 2:50,03 Stunden absolvierte. Kaczinsky war am Ende rundum zufrieden. „Ich wollte den dritten Sieg hier landen bei der dritten Auflage – ein richtig schöner Lauf. Die Strecke war gut und trotz des Nieselregens gar nicht so rutschig, eigentlich optimale Bedingungen. Es ist kein großer Lauf, das macht diesen Marathon jedoch so sympathisch“, meinte der Sieger, dessen Jahres-Highlight der Marathon in Sofia war.

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Geteilter Zweiter wurden Ingo Schneiding (Kirchlengern/Altersklasse M45) und Jürgen Bultmann (Nienburg/M55) in 3:13,28 Stunden. Sie fanden sich bei Kilometer eins und liefen danach gemeinsam mit identischen Rundenzeiten. „Wir kannten uns gar nicht vorher, haben aber schnell gemerkt, dass wir auf einer Wellenlänge sind“, erklärte Jürgen Bultmann die kuriose „Laufgemeinschaft“. „Volle Pulle sind wir nicht gelaufen, dann hätte man sich nicht unterhalten können“, so Ingo Schneiding. „Das war für mich ein Saisonausklanglauf, da nimmt man die Zeit nicht so ernst. Das ist ja das Schöne an diesem Lauf“, ergänzte Bultmann.

Genau diesen Charakter will Veranstalter Michael Brehe, der als Ultra-Läufer mit Bayern-Trikot in der Szene bekannt ist, beibehalten: „Das war ja schon ursprünglich die Idee: Man trifft sich, bringt Wasser mit, läuft den Marathon, schreibt seinen Zeiten mit einem Kugelschreiberin eine Liste und das war´s. Jetzt ist es doch etwas größer geworden, auch wenn die Teilnehmerzahl begrenzt ist auf 70. Leider sind diesmal einige nicht gekommen“ Warum die Zahl 70? Dafür fand Brehe, der selber mitlief (Endzeit 3:53,25), eine einfache Erklärung. „Mehr Becher passen nicht in unsere Verpflegungsstation.“

Das Verpflegungsteam um Gabriela Altrogge hielt für jeden Läufer im Ziel das bestellte Getränk und jede Menge Obst, Salzstangen und sogar Gummibärchen parat. Eine Verpflegung, die von allen Läufern lobend hervorgehoben wurde. „Das gibt es sonst kaum“, war vielfach zu hören. So manch einer hatte Getränke und sportlergerechte Nahrung gegen Ende des Rennens auch mehr als nötig. Ausgepumpt musste der ein oder andere die letzten beiden Runden in Angriff nehmen.

Die schnellste Frau, Sita Hermand, nutzte ihren Heimvorteil und kam nach 3:34,19 Stunden als Achte vor Sylke Kuhn (Kassel, 3:56,16) und Hildegard Niehaus (Bissendorf, 4:20,46) ins Ziel. „Für mich war das ein schöner Trainingslauf direkt vor der Haustür, hier trainiere ich oft“, strahlte die Triathletin aus Eversburg, die in diesem Jahr den „Iron Man“ in Köln als 19. beendete.

Randgeschichten gab es einige. Stefan Sjöström (4:03,16, M50) war gut zu erkennen an seinem langen roten Bart. Der sympathische Schwede befand sich beruflich auf der Durchreise von Norwegen nach Paris und nutzte den Lauf als Ausgleich und Abwechslung. Eine Übernachtungsmöglichkeit fand er bei Michael Brehe, Frau Dorit und Tochter Lotta, die allesamt im Umfeld des Marathons eingespannt waren. „Ein schöner Lauf durch die Natur in einer kleinen Stadt. Die Zeit hat für mich keine Rolle gespielt“, so Sjöström. Gleiches galt für den Niederländer Cees van Reemst aus Enschede (4:06,08/M60) der gerne Läufe im benachbarten Deutschland in Angriff nimmt. Aktuell liegt seine Zahl an Marathon-Läufen bei 172. „In Deutschland sind die Läufe besser organisiert als bei uns. Der hier war schön klein, etwas Besonderes für mich.“

Einen besonderen Tag erlebte Klaus Stegemann aus Kettenkamp (3:41,40, M50), der an seinem 52. Geburtstag an den Start ging – und das nach siebenjähriger Marathon-Pause. Ein Freundeskreis von rund zehn Personen war zur Unterstützung extra angereist. „Heute Abend wird gefeiert, das habe ich mir nach den Entbehrungen der letzten Woche verdient“, atmete das Geburtstagskind erleichtert durch. „Ich könnte jetzt zum Mond fliegen, es hat sich gelohnt.“

Ein Satz, den viele bestätigen konnten. So war es kaum verwunderlich, dass die Verabschiedungsworte von vieler Teilnehmern ähnlich klangen: „Tschüss – bis zum nächsten Jahr.“


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