Osnabrücker beim Berlin-Marathon Marius Hüpel: Nach Ermüdungsbruch zum Rekord in Berlin

Von Johannes Kapitza und Stefan Alberti


Berlin/Osnabrück. Nach zwei Verletzungen im Frühjahr hatte Läufer Marius Hüpel vom Osnabrücker Turnerbund keine allzu hohen Erwartungen an sein Sportjahr gehabt. Beim Berlin-Marathon am Sonntag lief der 25-Jährige die viertschnellste deutsche Zeit und kam auf Platz 41. „Das ist der Hammer“, freute sich Hüpel und war nicht der einzige Osnabrücker, der Berlin in guter Erinnerung behalten wird.

Am Montag spürte Marius Hüpel „ein bisschen Muskelkater“, und die Beine waren „schon ziemlich schwer“ – die Folgen eines Kraftaktes, der den Osnabrücker beim Berlin-Marathon auf Platz 41 geführt hatte.

Stadtrekord aus dem Jahr 1983 eingestellt

Die Erschöpfungserscheinungen „bleiben halt nicht aus, aber bei so einem Ergebnis ist der Muskelkater zu ertragen“, freute sich Hüpel. In 2:24:12 Stunden war er viertschnellster deutscher Läufer im internationalen Feld der 41283 Starter, in dem der Äthiopier Kenenisa Bekele den Weltrekord um nur sechs Sekunden verpasste. Zudem bedeutete die Zeit die Einstellung des Osnabrücker Stadtrekordes von Helmut Schweer aus dem Jahr 1983 um 15 Sekunden.

Ermüdungsbruch und Bänderanriss

„Damit hatte ich nicht gerechnet, zumindest noch nicht in diesem Jahr“, sagt Hüpel. Den Angriff auf Bestmarken hatte er zwischenzeitlich abgeschrieben. 2016 sollte ein „Durchgangsjahr“ werden, nachdem im Frühjahr ein Ermüdungsbruch im linken Mittelfuß eine achtwöchige Trainingspause nach sich gezogen hatte. „Das hat mich läuferisch zurückgeworfen“, sagt Hüpel, der im Mai wieder trainierte, umknickte und mit einem Bänderanriss erneut mehrere Wochen ausfiel.

Trainingsgruppe sorgt für zusätzliche Motivation

„Es wurde von Woche zu Woche im Training besser, und ich habe gemerkt: Die Form kommt jetzt doch, und ich kann eine ordentliche Zeit abliefern“, beschreibt Hüpel die Vorbereitung. Seine Vereinskameraden vom Osnabrücker TB, Maik Wollherr (2:29:32 Stunden/Platz 83) und Marathon-Debütant Dustin Karsch (2:35:05/175.), ließ er hinter sich, weiß aber um den Wert der gemeinsamen Trainingsgruppe von Coach Michael Karsch. „Auch fast alle anderen aus der Gruppe, die nicht gelaufen sind, standen an der Strecke und haben uns angefeuert. Das war echt cool, so hat es noch mehr Spaß gemacht“, sagt Hüpel, der in konstantem Tempo unterwegs war und die zweite Hälfte des Marathons noch etwas zügiger lief als die erste. Ausdauer und Krafttraining, etwa auf dem Rad und beim Aquajogging, stehen nun für ihn an. „Ich mache vier Wochen Laufpause, um den Fuß nicht so sehr zu belasten, und schalte mal ein bisschen ab, bevor die Vorbereitung auf die Crossläufe beginnt“, sagt der 25-Jährige, der vor vier Wochen sein Studium als Wirtschaftsjurist abgeschlossen hat.

Berlin als Marathon-Debüt für einige Osnabrücker

„Marius’ Leistung war der Knaller aus Osnabrücker Sicht. Das war ein Brett, was er da rausgehauen hat“, sagt Tobias Rasper, aus dessen Freizeitläufer-Trainingsgruppe rund 25 Sportler an den Start gingen. „Für viele war es das Debüt auf der Marathonstrecke. Alle haben in etwa die Zeit erreicht, die sie sich vorgenommen hatten, und waren sehr zufrieden.“ Rasper selbst ging ohne Vorgabe in seinen vierten Marathon: „Ich bin das erste Mal ohne Druck und Zielzeit gelaufen, aber auch das ist anstrengend und harte Arbeit“, sagte der Osnabrücker, der nach 3:38:39 Stunden eine knappe halbe Stunde über seinem Bestwert blieb.

Help-Age sammelt mehr als 80000 Euro Spenden

Einmal mehr unvergesslich bleibt der Berlin-Marathon für die in Osnabrück beheimatete Organisation Help-Age. Die fast 150 Läufer liefen nicht nur, um persönliche Zeiten zu verbessern. Sie gingen auch auf die Strecke, um Spenden für „Jede Oma zählt“ zu sammeln. Mit dieser Kampagne werden Großmütter-Enkel-Projekte im südlichen Afrika unterstützt. Mehr als 80000 Euro seien diesmal zusammengekommen, berichtete Geschäftsführer Lutz Hethey.

Hethey: Erst im Fernsehinterview, dann im Ziel

Wer die Liveübertragung im RBB-Fernsehen verfolgte, wurde immer wieder auf die tapferen „Oma-Läufer“ der Osnabrücker Organisation aufmerksam gemacht. Hethey ließ sich sogar während seines Laufs kurz für ein Interview stoppen. „Anschließend hatte ich noch schwer zu kämpfen, aber trotzdem war es einfach ein unvergesslicher Tag“, meinte der Geschäftsführer, der nach etwas mehr als vier Stunden ins Ziel kam.

Oma-Läufer Tiruneh auf Platz 18

Wesentlich schneller war der Profi-Läufer Chalachew Tiruneh aus Äthiopien. Auch der 26-Jährige stellte sich in den Dienst der guten Sache – und lieferte trotz zwischenzeitlicher muskulärer Probleme in 2:16,07 Stunden eine sportliche Top-Leistung ab. Der junge Flüchtling Abdelmajeed Abdallah, seit 2015 bei „Jede Oma zählt“ dabei, machte ebenfalls nachhaltig aufs Projekt aufmerksam – und absolvierte seinen ersten Marathon in einer Spitzenzeit von 2:38,38 Stunden.