Serie Olympia und ich Marcus Trienen: Bei so viel Bewegung macht Zuschauen Spaß

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Marcus Trienen, Geschäftsführer des Niedersächsischen Turner-Bundes, litt während Olympia mit dem verletzten Hannoveraner Turner Andreas Toba. Foto: ErhardtMarcus Trienen, Geschäftsführer des Niedersächsischen Turner-Bundes, litt während Olympia mit dem verletzten Hannoveraner Turner Andreas Toba. Foto: Erhardt

Osnabrück. Mit seinem Kreuzbandriss schrieb Turner Andreas Toba ein trauriges Olympia-Kapitel in Rio. Der Osnabrücker Marcus Trienen, Geschäftsführer des Niedersächsischen Turner-Bundes, litt mit ihm, ist aber sonst zufrieden mit den Auftritten der deutschen Turner.

Herr Trienen, am Dienstag fallen die letzten Entscheidungen im Turnen. Welche Bilanz ziehen Sie bislang von den Wettkämpfen?

Allgemein kann man sagen: Die Leistungen der deutschen Turner sind sehr gut, wir rangieren eher am oberen Ende, und es gibt ja noch Chancen auf Medaillen. Insofern können wir sehr froh sein. Unser niedersächsischer Turner, Andreas Toba, hat leider sein ganz eigenes Schicksal erlebt. Das war für ihn und für uns sehr traurig, aber hat auch viel Aufmerksamkeit für den Sport gebracht.

Der Hannoveraner hat für die Mannschaft noch am Pauschenpferd geturnt, nachdem er sich einen Kreuzbandriss zugezogen hatte. Was war größer: das Entsetzen über die Verletzung oder der Stolz auf den Kampfgeist?

Ich habe von der Verletzung mitbekommen, als ich in Osnabrück auf einem Konzert war, und sofort eine Nachricht geschrieben, wie leid uns die Verletzung tut. Da leidet man erst einmal mit und denkt an den Athleten, der vier Jahre lang schon viel und in den letzten Monaten ganz besonders intensiv trainiert hat. Ein Sportler hat bei Olympia etwas anderes vor, als sich einen Kreuzbandriss zuzuziehen. Dass er weiterturnt, wurde erst später klar. Klar ist man stolz, dass es solche Sportler gibt. Mit welcher Bescheidenheit, aber auch mit welchem Herzblut er das alles angegangen ist und wie er sich danach öffentlich geäußert hat: So ist er, das ist Andreas Toba. Die Tragik überwiegt, aber jetzt geht es in den nächsten Monaten darum, das Beste daraus zu machen.

Spüren Sie beim Verband einen Effekt von den Olympischen Spielen auf den Breitensport?

Doping, die Reaktion des IOC, die gescheiterte Olympia-Bewerbung von Hamburg – die Themen gab es im Vorfeld ja auch, aber jetzt überwiegt grundsätzlich die Begeisterung. Viele Disziplinen sind sehr attraktiv, und der Sport in seiner ganzen Bandbreite ist im Alltag bei vielen Menschen ein Gesprächsthema. Das schafft auch in der Breite eine Aktivierung.

Als NTB-Geschäftsführer sind Turnwettkämpfe für Sie Pflicht. Was steht noch auf Ihrem persönlichen TV-Programm?

Ich versuche, möglichst breit zu gucken, und schaue auch Sportarten, die ein bisschen ungewöhnlich sind. Rugby ist ja zum Beispiel in Deutschland sonst nicht so präsent. Ich komme aus dem Handball; insofern verfolge ich auch diese Disziplin gerne. Fußball interessiert mich hingegen nur rudimentär – den kann ich ja das ganze Jahr über haben. Was mich freut, ist, wenn kleine Nationen große Geschichten schreiben; und mich interessieren auch die Kleinigkeiten am Rande: Zum Beispiel, warum sich bei den Wasserspringern das Wasser im Becken verfärbt. Ich finde die unglaubliche Vielfalt des Sports und der Geschichten drum herum einfach spannend.

Also überwiegt das positive Olympia-Gefühl?

Für mich sind es die Begeisterungskraft und die Motivationsstärke von Sport und Bewegung in den unterschiedlichsten Feldern, die bei Olympia so beeindrucken. Der absolut überragende Teil der Athleten betreibt seinen Sport eben nicht aus kommerziellen Interesse. Und die Spitzenathleten stellen ja nur die Speerspitze der Millionen Aktiven in den vielen Sportarten dar. Ein bunter Strauß an Bewegung: Da macht das Zuschauen einfach Spaß! Welche anderen gesellschaftlichen Bereiche haben solche Kraft?

Beim NTB wird fleißig gearbeitet am Feuerwerk der Turnkunst, dessen Tournee Ende Dezember in Oldenburg startet. Akrobatik und Gymnastik stehen in diesem Jahr im Mittelpunkt. Die Organisation und die sportliche Qualität nehmen fast schon olympische Ausmaße an…

Das Feuerwerk der Turnkunst ist für uns ein Schaufenster. Ähnlich wie bei Olympia gibt es auch bei uns einen Mix und eine Vielfalt von Sportarten, die nicht alle das ganze Jahr über im Rampenlicht stehen. Organisatorisch spielen wir sicherlich in der Ersten Liga und auch sportlich treten wirklich Weltklasse-Leute auf. Bei vielen von ihnen liegen die Wurzeln im Leistungssport; insofern ist auch das Feuerwerk ein bisschen olympisch.


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