Wie Glühwürmchen im Morgengrauen „Festivalstimmung“ beim 24-Stunden-Mountainbike-Rennen am Alfsee


Rieste. Um 5.06 Uhr ist am Sonntag über dem Alfsee die Sonne aufgegangen. Für die Teilnehmer des 24-Stunden-Mountainbike-Rennens war es zwar eindeutig nicht der Start in den Tag aber dennoch einer von vielen besonderen Momenten.

Es ist schon ein bemerkenswerter Blick, der sich auf dem Weg zum Alfsee bietet. Zu nachtschlafender Zeit liegt das Gewässer ganz ruhig da und die Ruhe ist förmlich zu greifen. In dieser Nacht aber ist alles anders. Immer wieder tauchen kurze Lichtkegel auf, in loser Reihenfolge schwirren sie umher wie Glühwürmchen im Morgengrauen. Sollte sich die Frage stellen, warum man es sich antut, 24 Stunden auf einem Mountainbike um einen See zu fahren, ist das eine der vielen Antworten: Das Zusammenspiel aus Natur, Sommer und Sport ist einmalig.

„Einfach, weil es Spaß macht“

Einer, der das genau so nachvollziehen kann, ist Holger Komm aus Epe. Um halb fünf am frühen Sonntagmorgen und damit vor Sonnenaufgang kommt er gerade von der Strecke. Zwei Runden auf dem fordernden 12,4 Kilometer langen Rundkurs hat er absolviert und macht einen sehr zufriedenen Eindruck, obwohl er in den drei Stunden zuvor trotz freier Zeit nicht schlafen konnte. „Ich bin schon beim Aufbau immer dabei und helfe. Als Fahrer war ich bei allen Rennen am Start, einfach weil es Spaß macht“, sagt der Fahrer des nach ihm benannten Rennstalls.

Hier geht es direkt zum Video vom 24-Stunden-Mountainbike-Rennen am Alfsee

Im Zelt nebenan liegt Thomas Schievelkamp auf der Liege von Physiotherapeut Sören Massmann. Die Professor-Grewe-Schule aus Osnabrück und die Physiotherapiepraxis Herlyn aus Alfhausen kümmern sich die ganze Nacht hindurch um die Sportler, lockern Muskeln und gehen auf individuelle Probleme ein. Die Physios scheinen ihre Sache gut zu machen. „Es sind auch schon Sportler eingeschlafen, aber das ist um die Zeit ja ganz normal“, sagt Massmann.

Fahrer Schievelkamp hat kurz vorher drei Stunden Schlaf bekommen, er lässt sich für seinen nächsten Einsatz lockern. Der Mann vom Team Teutotrail, der später mit seiner Mannschaft den zweiten Platz in der Wertung der 6er Mix-Teams belegen wird, sieht es als Herausforderung, zu so früher Stunde aufs Rad zu steigen. „Wir haben ein super Team und die Betreuung hier ist ganz wunderbar. Auf der Strecke gibt es auch keinen Ärger beim Überholen, alles ist sehr fair.“

Schnellste Runde in 25:58 Minuten

Dieser Eindruck verstärkt sich mit Blick in die Wechselzone, sozusagen der Zentrale der Glühwürmchen. Die Teams tauschen hier die Fahrer, motivieren sich oder fallen sich nach anstrengenden Runden auch einfach mal in die Arme. Ungerührt davon fahren die Einzelstarter vorbei. Die härtesten von ihnen sind fast rund um die Uhr auf dem Rad. Die Wertung später gewinnen wird Fritz Geers aus Clausthal-Zellerfeld, der 41 Runden und damit schier unglaubliche 508,4km auf seinem Rad zurücklegt. Die schnellste Zeit fährt schließlich Ulli Schmittlutz aus dem fränkischen Rattelsdorf, der eine seiner neun Runden in 25:58 Minuten absolviert. (Weiterlesen: So liefen die Vorbereitungen auf das 24-Stunden-Rennen).

Wettkampf steht am Alfsee nicht im Vordergrund

Insgesamt steht der Wettkampf aber wie immer am Alfsee gar nicht so sehr im Vordergrund. „Die Leute sprechen von einer Festivalstimmung. Viele haben direkt gesagt, dass sie im nächsten Jahr gerne wiederkommen“, sagt Daniel Meier, der das Rennen gemeinsam mit Uwe Reinkemeier-Lay und den rund 100 Helfern erstklassig organisiert hat. Schlaf bekommen speziell die beiden Veranstalter vor während und nach dem Event zwar auch kaum, aber das ist wie bei den entusiastischen Fahrern zweitrangig. Der Alfsee wird dabei übrigens quasi besenrein hinrerlassen. „Am Sonntagabend sieht man nur noch die ausgefahrenen Spuren auf der Grasnarbe, und die wächst in zwei Wochen nach.“

Herrliches Sommerwetter als Lohn

Belohnt werden alle mit herrlichem Sommerwetter, das es so in der Geschichte des Rennens noch nicht gegeben hat und das nichtmal vom Segen zum Fluch wird. „Die Kreislaufprobleme haben sich sehr in Grenzen behalten“, sagt Meier und spricht dann noch aus, was wohl alle der rund 1200 Fahrer nach langen 24 Stunden am Alfsee sofort unterschreiben. „Wenn alles fertig ist, wird erstmal ein bisschen entspannt und der Schlaf nachgeholt.“ Es ist ja nicht so, dass Glühwürmchen keine Ruhepause brauchen. (Weiterlesen: So haben sich die Fahrer auf das Rennen vorbereitet).


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