„Bereicherung für Schützenverein“ Bogenschießen: Trendsport seit Tribute von Panem?



Osnabrück. Seitdem die Tribute-von-Panem-Filme in die Kinos kamen, soll es einen regelrechten Ansturm auf die Bogensportabteilungen der Vereine in Deutschland gegeben haben. Viele wollten genauso mutig aussehen wie Katniss Everdeen im Film. Aber gibt es diesen Trend wirklich und wie lange währte er?

Der Verein TSG 07 Burg Gretesch hat bereits seit den 80er-Jahren eine Bogensport-Abteilung. Leiter Peter Meckfessel selbst ist auch durch einen Film auf diese Sportart aufmerksam geworden: „Nachdem wir Herr der Ringe geschaut hatten, wollte mein Sohn das unbedingt mal ausprobieren. Irgendwann habe ich dann selbst mal zu Pfeil und Bogen gegriffen, statt ihm nur zuzuschauen.“ Die Figur Legolas hat die Familie damals inspiriert. Zehn bis 15 aktive Sportler im Verein widmen sich mittlerweile dem Bogenschießen. „Für viel mehr Leute hätten wir auch gar keinen Platz“, sagt Meckfessel. Das Problem sei nicht die Sommersaison, die jetzt startet, sondern die Zeit im Winter: „Wir haben eine Halle, die 19 Meter lang ist und die Turnierdistanz beträgt 18 Meter. Da kann man sich ausrechnen, wie viele Menschen nebeneinander passen.“

„Schützen- und Bogensportler denken einfach anders.“

Der BSC Schledehausen in Bissendorf ist ein reiner Bogensportverein – besteht aber keinesfalls erst seit den Tribute-von-Panem-Filmen – er wurde bereits 1970 gegründet und hat mittlerweile etwa 70 Mitglieder. Der Erste Vorsitzende Sascha Thiemann stellt keinen größeren Andrang durch die Filme fest: „Wir veranstalten drei Mal pro Jahr Ferienaktionen für die gesamte Gemeinde, da bleiben dann eher Kinder bei der Sportart hängen.“

Der BSV Holzhausen bietet den Bogensport seit 19 Jahren an. „Es war damals eine kleine Gruppe, die sich für den Bogensport interessierte und so wurde es als neue Sparte aufgebaut“, sagt Abteilungsleiter Frank Ulbrich-Abeln. Er kann bestätigen, dass es seit den Tribute-von-Panem-Filmen eine größere Nachfrage gibt. Bogensportler würden auch häufiger auf die Filme angesprochen. Eine ähnliche Reaktion habe es damals bei Robin Hood gegeben. Generell würden die Menschen aber häufiger wegen der ganzheitlichen körperlichen Bewegung zu dieser Sporart finden.

Auch in Bad Essen hat sich mit den „Bears“ vor rund 14 Jahren ein eigener Bogensportverein gegründet. Aus einer Sparte beim Schützenverein ist damals ein eigener Verein geworden. „Schützen- und Bogensportler denken einfach anders“, sagt Kalle Dittmar, Sprecher des Vereins. Bogenschießen bräuchte viel mehr Platz: „Wenn wir im Freien schießen, sind das Entfernungen von rund 90 Metern.“ Schützenvereine seien traditionsbehafteter als Bogensportvereine.

Dass die beiden Sportarten gut miteinander harmonieren, zeigt der Schützenverein Belm-Powe. Seit mehr als zehn Jahren gibt es dort eine eigene Abteilung für das Bogenschießen. „Es ist auf jeden Fall eine Bereicherung für einen Schützenverein. Wir ergänzen uns und arbeiten zusammen, dadurch eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten“, sagt Winnie Zander vom Sportleiterteam. Er selbst hat eine Trainerlizenz für den Bogensport. Auch der Belmer Verein bietet mehrfach im Jahr Ferienaktionen an, die immer gut angenommen werden. „Aktuell planen wir die Zusammenarbeit mit einer Schule, an der wir Bogensport-AGs anbieten wollen“, sagt Zander. Er sieht in der Sportart keine Konkurrenz für das Schützenwesen. „Ich würde jedem Verein, der an uns herantritt, weil er eine eigene Abteilung ins Leben rufen will, bei der Realisierung helfen“, sagt Winnie Zander.

Fernsehübertragungen wären hilfreich

Birger Tiemann, Sprecher des Deutschen Schützenbundes, findet, dass der Zulauf momentan sehr groß ist: „Viele machen das in ihrem All-Inclusive-Urlaub und wollen den Sport dann Zuhause weiter machen, aber ob der große Ansturm durch die Filme kommt, kann man nicht sagen.“

Selbst wenn es durch diverse Filme wie Tribute von Panem einen Zulauf beim Bogensport gibt, wird es eher als kurzfristige Entwicklung gesehen. „Fernsehübertragungen wären da schon hilfreicher, um Bogenschießen populärer zu machen. Es wird immer noch als Randsportart gesehen und noch nicht mal über Deutsche Meisterschaften berichtet. Wenn aber in der untersten Klasse im Fußball ein Spiel stattfindet, dann ist es interessant“, sagt Peter Meckfessel vom TSG 07 Burg Gretsch.

Sascha Thiemann vom BSC Schledehausen empfindet es hingegen so, dass der Bogensport allgemein in den letzten Jahren auf ein größeres Interesse stößt – unabhängig von Filmen wie Tribute von Panem, Herr der Ringe oder auch Robin Hood. Generell setzen die heimischen Vereine aber eher auf Eigenwerbung wie Ferienaktionen, um neue Mitglieder langfristig zu gewinnen.


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