Ein Stück Pakistan in Osnabrück Flüchtlingsclub will Cricket in Osnabrück etablieren

Training in Eversburg: Der N.C.C. übt derzeit noch auf unterschiedlichen Plätzen. Foto: Moritz FrankenbergTraining in Eversburg: Der N.C.C. übt derzeit noch auf unterschiedlichen Plätzen. Foto: Moritz Frankenberg

stp Osnabrück. „Es fehlt noch viel, aber die Basis ist geschaffen“, begrüßte der Ehrenamtslotse Bernhard Sielski rund 40 pakistanische Mitglieder des bisher autarken Vereins „Nurrudin Cricket Club“ (N.C.C.).

Vor vier Jahren entdeckte Sielski in einem Flüchtlingsheim eine Gemeinschaft von pakistanischen Flüchtlingen, die gemeinsam ein Cricket-Spiel im Fernsehen sahen. Trotz der Sprachbarrieren kam er mit ihnen ins Gespräch und stieß so auf die selbst organisierte Truppe. Nun werden sie Teil des TSV Osnabrück.

Der N.C.C. trainiert zurzeit auf verschiedensten Sportanlagen in Osnabrück. Ein hartes Training sowie großes Engagement für das Cricket führten nicht nur zu Freundschaftsspielen gegen andere zusammengewürfelte Mannschaften, sondern auch zu Turnieren in großen deutschen Städten wie Münster, Bochum, Köln und Frankfurt. Dabei ist das Team sehr unterschiedlich zusammengesetzt. Einige Spieler haben in ihrer Heimat bereits in der Profiliga gespielt, andere fangen gerade an. Für Trainer Raees Ahmad ist das nicht immer einfach unter einen Hut zu bekommen: „Da alle auf einem unterschiedlichen Level sind, gibt es manchmal Schwierigkeiten. Oft profitieren die anderen aber auch von den erfahreneren Spielern.“

Vor dem Geschäftsführer des Deutschen Cricket-Bundes, Brian Mantle, und Phlipp Karow vom Stadtsportbund Osnabrück sowie Dirk Koentopp und Horst Heucke aus dem TSV-Vorstand bestätigte der N.C.C. nun seine Aufnahme in den TSV. Vom Anschluss erhofft er sich vor allem eines: einen Cricketplatz. Philipp Karow versprach sich in Verhandlungen mit dem TSV dieser Sache anzunehmen. Für den Übergang sei die Sportanlage am Klushügel sicherlich „eine geeignete Lösung.“

Brian Mantle begrüßte die Cricket-Initiative der Flüchtlinge in Osnabrück. Cricket sei eine „Sportart, die pro Jahr mit einem Zuwachs von 20 bis 30 Prozent an Anhängern rechnen“ könne, sagte er. Vor allem durch die Flüchtlingskrise, die zu einem enormen Zuwachs an Menschen aus Afghanistan und Pakistan – Länder mit großer Cricket-Affinität – führte, sei mit wachsendem Interesse in Deutschland zu rechnen. Er betonte aber auch, dass man versuchen sollte, Cricket den Deutschen näherzubringen – denn es sei etwas „Schönes“. Es eigne sich zur Integration, da man in der Sportart „gute Manieren“ haben und „Sportlichkeit“ beweisen müsse.

Der Anschluss des N.C.C. an den TSV steht unter dem Motto des deutschen Olympischen Sportbundes: „Integration durch Sport.“ Mantle, der oft mit Flüchtlingen in seinem Cricket-Team zu tun hat, machte deutlich, wie groß die Bedeutung des Sports für die Flüchtlinge ist: „Sie haben in den Heimen nichts zu tun, sodass der Sport eine Abwechslung zum Alltag darstellt. Außerdem gibt es ihnen ein Stück von ihrer weit entfernten Heimat. Es macht sie glücklich.“

Für die Zukunft hofft der N.C.C. mit regelmäßigem Training auf einem eigenen Cricketplatz aufzublühen, sich verstärkt um die Jugendarbeit kümmern zu können und sich im Ligenbereich zu etablieren. Die Sportart Cricket gelte es in Osnabrück zu etablieren. Ein Austausch mit deutschen Interessierten sei sehr wichtig. Es soll ein „Verein entstehen, in dem es nur um die Sportart geht, unabhängig von Religion und Sprache“, sagte Trainer Ahmad. Mit dem Anschluss an den TSV ist der Grundstein gelegt.


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