„Das Schwierigste gemacht“ Sportmediziner Helge Riepenhof: Erst Tour, jetzt Rom

Ganz nah dran an den Stars: Helge Riepenhof (links) zu Beginn der diesjährigen Tour mit Radprofi Tony Martin im Gelben Trikot. Foto: imago/BelgaGanz nah dran an den Stars: Helge Riepenhof (links) zu Beginn der diesjährigen Tour mit Radprofi Tony Martin im Gelben Trikot. Foto: imago/Belga

Osnabrück. Er ist gebürtiger Osnabrücker und zählt zur sportmedizinischen Elite Europas: Bei der Tour de France war Helge Riepenhof der Team-Arzt von Tony Martin. Zur neuen Fußball-Saison wechselt er zum italienischen Fußball-Erstligisten AS Rom – und ab dem nächsten Semester lehrt er an der Universität Osnabrück.

„Ich habe schon als Vierjähriger mit meinem Zwillingsbruder angefangen, Tennis zu spielen“, erinnert sich der heute 37-Jährige an seine erste Berührung mit dem Sport bei Ballsport Eversburg. „Meine ganze Familie ist dort im Verein“, sagt Riepenhof. Nach dem Abitur am Graf-Stauffenberg-Gymnasium ging er zum Medizinstudium nach München – und bereits als junger Assistenzarzt schlug er den Weg in den Profisport ein: beim Tour de France-Team T-Mobile.

Die Doping-Skandale und der folgende Rückzug des Sponsors war ein Schlag ins Kontor des Radsports – aber für Riepenhof entwickelte sich daraus eine Chance. Führende Ärzte wurden entlassen, er wurde befördert – Riepenhof sollte von nun an die medizinische Betreuung leiten. Während dieser Zeit betreute er auch das deutsche Radsport-Nationalteam bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen.

Da Riepenhof als betreuender Arzt mit im olympischen Dorf wohnen durfte, erlebte er hautnah die besondere Atmosphäre der Spiele. „Das ist wirklich etwas ganz Spezielles. Die Sportler sind alle total locker drauf, weil ja keine Journalisten zugelassen sind: so kommt man häufig ins Gespräch“, berichtet Riepenhof. Sein persönliches Highlight: In Peking 2008 durfte er mit der deutschen Mannschaft ins Olympiastadion einlaufen. „Das hätte ich mir vorher ja nie erträumen lassen.“

Riepenhof erinnert sich auch gern an die Kuriositäten rund ums Olympiadorf: „Man trifft auch auf Extreme. Wenn beim Mittagessen zum Beispiel an einem Tisch die 1,55 Meter große Turnerin dem 2,15 Meter großen Basketballer gegenübersitzt ist das ist schon sehr, sehr beeindruckend. Ich freue mich jetzt schon auf Rio.“ Im August geht es für Riepenhof erstmals nach Rio de Janeiro, um im Auftrag des DOSB die Sportstätten für Olympia 2016 in Brasilien zu besichtigen und die Vorbereitung zu koordinieren.

Doch auch außerhalb des Radsports ist der 37-Jährige aktiv. Beim englischen Fußball-Zweitligisten Brighton and Hove Albion wirkte er von 2011 bis 2014 nicht nur als Teamarzt, sonder auch an Planung und Umsetzung der neu gebauten Trainingsanlage inklusive Akademie mit.

Der Aufwand hat sich gelohnt: Der Anlage wurde mit der höchsten Kategorie ein höherer Standard als etwa Chelsea London attestiert. „Das war jede Menge Arbeit: Man muss nicht nur unendlich Dokumente einreichen, sondern es geht darum, ein System aufzubauen und zu etablieren. Aber im Nachhinein kann man da auch ganz stolz drauf sein.“

Nach einem Jahr Pause im Fußball erfolgt für Riepenhof nun der neue Angriff. Das Projekt für die nächsten drei Jahre heißt AS Rom. „Jetzt ist es so weit, dass ich sage: Ich habe mit Ausdauerbereich mit Radsport so das Maximale gemacht, und was die Intensität und die schwierigen Voraussetzungen angeht, habe ich im Fußball auch das Schwierigste gemacht. Die Championship in England ist einfach die Intensivste der Welt“, sagt Riepenhof angesichts der überlangen Saison in einer 24er-Staffel. „Jetzt werde ich ein Team übernehmen, das Champions League spielt, auf einem hohen Niveau ist und wo man hinsichtlich der Ressourcen aus dem Vollen schöpfen kann“.

Doch auch das eine Jahr Pause ließ Riepenhof nicht ungenutzt. Er knüpfte Verbindung in seine alte Heimat zu Swen Malte John an der Universität Osnabrück. „Er ist Professor in den Humanwissenschaften – und ich will in Verletzungs-Prävention habilitieren.“ Ab dem nächsten Semester erhält Riepenhof dazu eine Lehrtätigkeit an der Uni der Hasestadt – was gut passt, da er seine Familie und viele alte Freunde wieder öfter sehen kann. „Ich bin und bleibe einfach ein Osnabrücker“, lacht Riepenhof.


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