3. Kreisklasse ohne Schiedsrichter? Büsing und Heft leiten Profifußball-Spiele

Von Benjamin Kraus


Osnabrück. An der Spitze Deutschlands ist Osnabrück Stadt und Land stark vertreten bei den Fußball-Schiedsrichtern – an der Basis zeichnen sich aber die ersten Probleme ab: „Wenn ab September alle Jugendklassen wieder spielen, werden wir die Spiele der 3. Kreisklasse nur noch zu 10 bis 15 Prozent besetzen können“, sagt Ingo Dependahl, Schiedsrichter-Obmann im Fußball-Landkreis.

Der Grund ist einfach: Dependahl hat schlicht zu wenig Leute. 211 aktive Schiedsrichter sind es noch – bei über 1000 Teams im Spielbetrieb. „Hier muss ein Umdenken bei den Vereinen stattfinden“, fordert der Obmann: Mit dem Einzug von 100 Euro Strafgebühr, den der Landesverband nun für jeden fehlenden Referee vorschreibt, fließe zwar Geld. Das Problem werde dadurch aber nicht gelöst. „Nur fünf Clubs im Landkreis haben in der letzten Saison ihre Schiedsrichter-Sollzahl erfüllt“, sagt Dependahl. Die richtet sich danach, wie viele Teams der jeweilige Verein in Spielklassen entsendet, in denen vom Verband abgestellte Unparteiische die Partien leiten.

Dass es in einzelnen Kreisen in der Fläche erste Anzeichen eines Schiedsrichter-Mangels gibt, weiß auch Bernd Domurat. Der Vorsitzende des Schiedsrichter-Ausschusses des Niedersächsischen Fußballverbandes sieht den Spielbetrieb angesichts von 11600 aktiven Schiedsrichtern landesweit jedoch weiter gesichert. „Wir müssen viele junge Schiedsrichter ausbilden, weil viele Ältere in den nächsten Jahren aufhören“, weiß Domurat. So hätte es landesweit im letzten Jahr einen Zuwachs von 800 jungen Referees gegeben – wobei man ursprünglich gar 2000 Spielleiter ausgebildet hatte.

Hier manifestiert sich ein Kernproblem: vor allem viele junge Leute bleiben nicht auf Dauer bei der Stange, was nicht nur gewachsenen Belastungen und Flexibilitätsanforderungen in Schule, Studium und Beruf geschuldet ist, sondern auch dem im Vergleich zu früher vielfältigeren Freizeitangebot. So erkennt nicht nur Domurat im Vergleich eine Unterbesetzung der Schiedsrichter-Altersklassen zwischen Anfang 20 und etwa 40 Jahren.

Ob auch die jüngsten Fälle gewalttätiger Attacken gegen Schiedsrichter ihren Teil dazu beigetragen haben, kann Domurat nicht sagen: Beim Schiedsrichterausschuss des NFV gibt es keine Erkenntnisse darüber, ob diese im Vergleich zu früher häufiger vorkommen oder ob in den Medien einfach öfter darüber berichtet wird. „Was aber bedenklich stimmt: Die Fälle, die von Beschimpfungen in brutale Gewalt ausarten, nehmen zu“, sagt Domurat. Einzelfälle, die erschreckend seien – aber dennoch müsse man betonen, dass die überwältigende Mehrheit der Partien weiter friedlich ablaufe.

Es sind dann auch die Herausforderungen des Schiedsrichter-Jobs weit unterhalb dieser Eskalationsstufen, die Dependahl umtreiben. „Viele Fußballer, die mit 35 Jahren aufhören, wären ideale Spielleiter, aber kaum einer von ihnen will sich anschreien lassen“, sagt er. Jene, die sich seit jungen Jahren durchgebissen hätten, kämen damit klar – aber sie können auf Dauer nicht die Vielzahl der Älteren über 60 ersetzen, die mit den Jahren wegbrechen.

Im kleineren Stadtkreis ist die Lage bei gut 90 aktiven Spielleitern noch entspannter. Dennoch deutet Obmann Torsten Aderhold an, dass auch dort im Saisonverlauf einzelne Spiele der 3. Kreisklasse eventuell nicht besetzt werden können: „Vor allem dann, wenn unsere 13 auf Bezirks- und Landesebene aktiven Gespanne gleichzeitig abgerufen werden und uns hier vor Ort nicht zur Verfügung stehen.“ Aderhold stellt klar, dass in diesem Fall zuerst Klubs keinen Schiedsrichter bekommen würden, die selbst keinen stellen.

Es ist fast eine Ironie des Schicksals, dass die Probleme vor Ort auch dadurch verschärft werden, dass man die eigenen Leute zuvor so exzellent ausgebildet hat. Wie etwa Florian Heft, Jahrgang 1990, der für Eintracht Neuenkirchen pfeift und seit diesem Jahr Spiele in der 2. Bundesliga leiten darf. Als bis Sommer amtierender Lehrwart im Fußball-Landkreis bewies der 1,92-Meter-Mann rhetorische Fähigkeiten und sicheres Auftreten auf der Fußballbühne – auf eine sehr ruhige und sachliche Art. Für die Stadt ist Lehrwart Markus Büsing quasi als Spätstarter (Jahrgang 1982) in der 3. Liga angekommen, wo er als Assistent der intelligenten und durchsetzungsstarken Deutsch-Palästinenserin Dr. Riem Hussein an der Linie agiert. Eine breite Riege in den Landes- und Bezirksligen hinter Regionalliga-Referee Lukas Kirchland (Stadt) und Corinna Feldmann (Land), die in der 2. Frauen-Bundesliga pfeift, steht für die hohe Qualität der Referees der Region.