Runder Tisch zur Koordination Osnabrücker Sportvereine wollen Flüchtlingen helfen

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Philipp Karow vom SSB (Tel. 0541/98259-14) am Ideen-Brett beim Runden Tisch. Foto: Peter VorbergPhilipp Karow vom SSB (Tel. 0541/98259-14) am Ideen-Brett beim Runden Tisch. Foto: Peter Vorberg

Osnabrück. Seit Dezember letzten Jahres gibt es die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge im Natruper Holz. Rund 350 Gäste aus aller Herren Länder, davon die Hälfte Kinder, sind dort vorübergehend untergekommen, schon 600 sollen es Ende des Jahres sein. 1400 Menschen bleiben wohl langfristig in Osnabrück. Da stellen sich die Fragen: Was können die Sportvereine tun, um den Menschen ein sinnvolles Freizeitangebot zu ermöglichen?

Und: Welche Angebote gibt es schon? Philipp Karow von der Koordinierungsstelle des Stadtsportbundes Osnabrück (SSB) hatte zu einem Runden Tisch eingeladen. Rund 20 Vertreter aus neun Sportvereinen (TuS Haste, Ballsport Eversburg, Blau-Weiß Schinkel, TSV Osnabrück, SV Atter, SSC Dodesheide, TSV Widukindland, OSC, SC Türkgücü), von der Stadtverwaltung sowie vom Stadtsportbund und der Universität trafen sich in der Vereinssporthalle Limberg zum Meinungsaustausch.

Sprachkurse aller Art, auch durch Ehrenamtliche angeboten, sorgen zunächst für eine ganz wichtige Starthilfe bei den Flüchtlingen, die zum Teil traumatisiert eine Odyssee durch die halbe Welt hinter sich haben, wenn sie in Osnabrück eintreffen. „ Für die Flüchtlinge ist erstmal wichtig, dass sie ein Bett haben und was zu essen kriegen. Dann haben sie aber auch jede Menge Zeit, weil sie warten müssen, bis jemand entscheidet, wie es für sie weiter geht“, erklärt Anne Teschner, Leiterin der Aufnahmestelle. Und genau da kann der Sport eine wichtige Rolle übernehmen – trotz Verständigungsschwierigkeiten und fehlender Sportbekleidung.

Studenten der Universität Osnabrück begannen im Frühjahr in Eigeninitiative mit ersten Sportangeboten direkt vor Ort, wie Ines Weiner und Daniel Wangler erzählen. Einmal wöchentlich gab es ein Angebot für Kinder. Sportmaterialen und Sportkleidung wurden mit Hilfe des Landessportbundes über die Lotto-Sport-Stiftung in Höhe von 20000 Euro angeschafft. „Erwachsene haben bei uns an der immer dienstags ausgetragenen Uni-Liga im Fußball teilgenommen. Wir haben sie abgeholt und am Ende waren es immer mehr, die mitspielen wollten“, so Ines Weiden. „Das Schönste ist, wenn man in die leuchtenden Augen schaut“, teilte Daniel Wangler seine Erfahrungen mit. Basketballspiele beim OSC wurden besucht, der VfL war eine Anlaufstation. Ein Uni-Sponsorenlauf sammelte vor drei Wochen Spendengelder.

In Sachen Integration ist Blau-Weiß Schinkel seit Jahren ein Vorzeigeverein. Und auch jetzt bringen sich die Schinkelaner voll ein, gerade im Jugendfußball, wie der Vorsitzende Fritz Boßmeyer beschreibt. „Flüchtlingskinder bekommen sofort einen Spielerpass ohne Wartezeiten, da hat der DFB schnell entschieden. Leider müssen aber Erwachsene immer noch drei Monate auf ihren Pass warten. Da sollten alle Verbände dringend etwas ändern“, übte Boßmeyer ein wenig Kritik. Blau-Weiß bekommt ab 1. September einen FSJler mit kenianischen Wurzeln, der sich möglicherweise verstärkt um Sport mit Flüchtlingen kümmern könnte, erzählt Boßmeyer – ein interessanter Denkansatz.

Ballsport Eversburg hat eine separate Flüchtlingsfußballmannschaft gegründet, die sich kürzlich sogar für die Norddeutsche Meisterschaft im Beachsoccer qualifizieren konnte. Der BBC Osnabrück arbeitet an einer speziellen Basketballmannschaft. Die TSG Burg Gretesch hat angekündigt, dass Flüchtlinge kostenlos das TSG-Sportangebot nutzen können. Der TSV Osnabrück bietet extra Sportkurse für Frauen mit muslimischem Hintergrund an, wo zu den zwei bisherigen bald schon eine dritte und vierte Gruppe dazukommen soll. Der SSC integriert Flüchtlinge in den Kinderfußballmannschaften, auch bei den Mädchen. „Wir haben es bei uns doch sehr einfach“, warf Ulrich Freisel aus dem Vorstand des SSC Dodesheide in den Raum. „In den Mannschaften haben alle ein gemeinsames Ziel zu gewinnen. Deshalb fällt eine Integration nicht schwer.“

Ein wichtiger Diskussionspunkt war die Kostenfrage. Es gibt ausreichend Fördermöglichkeiten, wie deutlich wurde. Die Osnabrücker Bürgerstiftung hat einen Fond gegründet, Ansprechpartnerin ist Stefanie Schindhelm. Dazu kommt das Bildungs- und Teilhabepaket des Landes Niedersachsens sowie die niedersächsische Lotto-Sportstiftung, die Gelder zur Verfügung stellen.

„Wichtig ist, dass sich jetzt jeder Verein überlegt, was er konkret machen kann und dieses bei uns zentral meldet, damit alles koordiniert wird“, empfiehlt Jutta Schlochtermeyer vom Stadtsportbund den Vereinen, die sich engagieren wollen. „Sonst kommt es bei den Menschen vielleicht nicht an, das wäre doch schade.“ Philipp Karow, der beim SSB in der Koordinierungsstelle Sport für sämtliche Fragen mit Rat und Tat zur Seite steht, zählte abschließend auf, was bis zum Ende Juli geplant ist. „Weitere Sportmaterialien werden aus Projektmitteln fürs Natruper Holz angeschafft. Mehrsprachige Sportwegweiser in zehn Sprachen, die das hiesige Sportsystem erklären und Ansprechpartner auflisten, werden angefertigt und verteilt. Und die Vereine machen sich Gedanken über Möglichkeiten in puncto Einbindung in ihren Sportbetrieb und melden sich bei uns.“

Nach den Ferien wird es ein weiteres Treffen geben, dann vielleicht mit noch mehr Teilnehmern und noch mehr Ideen. „Wichtig ist noch zu wissen, dass man die Flüchtlinge an die Hand nimmt und direkt am Natruper Holz abholt, dann schöpfen sie Vertrauen. Sonst klappt das nicht“, beschreibt Anne Teschner anschaulich, wie die Integration der Flüchtlinge am besten klappt. „Erst dann lernen sie, eigenständig die Wege zu den Sportvereinen zu gehen.“


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