Fußball und mehr TuS Haste: Fest im Ort verankert – und so soll es bleiben

Von Johannes Kapitza


Osnabrück. Mit beinahe 115 Jahren Geschichte in der Vereinschronik wäre ein nostalgisch-verklärter Blick zurück nicht verwunderlich. Aber der TuS Haste 01 klebt nicht an seiner Vergangenheit. „So wichtig die alten Erfolge auch sind – wir müssen im Blick behalten, was die Zukunft vorsieht“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Burkhard Wulftange.

Die alten Zeiten sind nicht vergessen. Ende der 50er-Jahre lieferten sich die Fußballer Stadtderbys mit dem VfL in der Amateuroberliga. In den 60er-Jahren schafft es der TuS in den DFB-Pokal, 1967/68 sogar in die Regionalliga Nord, die zweithöchste deutsche Klasse. Im Clubheim erinnern Fotos an Spiele gegen den 1. FC Köln und Werder Bremen. Der Geist von einst „weht hier immer noch“, versichert der Vorsitzende Oliver Klages.

Die Fußballer stellen nach wie vor eine starke Abteilung, über die sich der TuS definieren, aber auf die er sich nicht reduzieren lassen will. „Wir sind kein Fußballverein und heißen nicht FC, sondern TuS“, betont Klages. Der Aufstieg in die Bezirksliga ist zwar ein Grund zum Feiern – aber größere Ambitionen hegt der bodenständige Club nicht.

Wenn in Haste über Fußball gesprochen wird, dann geht es nicht selbstverliebt um Erfolge, sondern um andere Themen, die nicht nur eine Abteilung prägen: Zum einen ist da die Nachwuchsarbeit, die dank engagierter Ehrenamtlicher aktuell keine Sorgenfalten verursacht. Zum anderen geht es um Kooperationen: mit der benachbarten Spielvereinigung auf allerlei Gebieten, im Frauenfußball außerdem mit dem SSC Dodesheide, im Karate mit dem Piesberger SV und in Arbeitsgemeinschaften mit den örtlichen Schulen. „Wer alleine arbeitet, addiert. Wer kooperiert, multipliziert seine Kräfte“, sagt Karl-Heinz Erhardt.

Ob Schulen oder Kirchengemeinde: Der TuS ist im Stadtteil vernetzt und gleichzeitig eine feste Institution. „Wir sind ein Stadtverein mit Dorfcharakter“, sagt Klages über das ausgeprägte Gemeinschaftsgefühl. Und die Grün-Weißen sind daran interessiert, im Ort präsent zu sein: Die Öffentlichkeitsarbeit ist intensiviert worden, auf verschiedenen Kanälen für alle Altersklassen. Eine Radgruppe fährt unter TuS-Flagge, ist aber genauso offen für Nicht-Mitglieder wie der Lauftreff, in dessen Rahmen der Haster Volkslauf wiederbelebt wurde.

Der Vorsitzende Klages und Geschäftsführer Christian Gerding haben vor zwei Jahren neuen Wind in den Vorstand gebracht. Sie hätten nicht alles besser, aber eben einiges anders gemacht, betonen sie. „Die Jungs brauchen Unterstützung“, sagten sich Wulftange und Klaus Jordan und übernahmen Führungspositionen. Energie bringt vor allem Klages mit, der seit seiner Geburt mit den Grün-Weißen in Kontakt ist: Mutter Veronika zählte zu den ersten Mitgliedern der Tennisabteilung, die heute wieder über mehrere Jugendteams verfügt. Vater Rolf spielte zu den großen Zeiten der Fußballer.

Der Sohn sieht das Ehrenamt nicht als Belastung: „Hier habe ich die Chance, mein Lebensumfeld und das meiner Freunde und Bekannten zu gestalten“, sagt Klages. Der 37-Jährige ist gleichzeitig ein Vorzeigeobjekt in Sachen Vielseitigkeit: Tennis, Fußball, Sportkurse, Karneval – ja, auch das jecke Treiben hat einen festen Platz im Verein und ist nicht für wenige Sportler ein weiteres Bindeglied zum TuS. Die gegenseitige Wertschätzung unter den Abteilungen hat stetig zugenommen.

Turnen, was dem TuS einen Teil seines Namens gab und zu Hochzeiten allein 550 Jugendliche auf Trab hielt, ist keine eigene Abteilung. „Das heißt heute Hot Iron und Zumba“, sagt Gerding. Die Sportkurse sind ebenso zukunftsträchtig wie das nachgefragte Inklusionsangebot. Auf das Potenzial blicken die Haster lieber als auf die Turner-Krise. Als 2005 die Sporthalle am Osterhaus abgerissen wurde, brachen Zuschüsse und Mitgliederbeiträge weg. Die daraus folgenden liquiden Schwierigkeiten sind überwunden. Aber eine eigene Halle gehört genauso zu den großen Haster Wünschen wie langfristige Planungssicherheit am altgedienten Standort. Der Pachtvertrag läuft 2024 aus. Umziehen will der TuS nicht, aber notgedrungen muss sich der Vorstand mit dem Thema beschäftigen. „Gemeinschaft ist einfacher zu erleben, wenn man eine Heimat hat“, sagt Gerding. Der Verein will im Zentrum des Stadtteils bleiben. Mit einem längeren Pachtvertrag könnte auch die Kunstrasen-Erneuerung in Angriff genommen werden. Die Bezeichnung „legendär“, findet Jordan, „kann man so stehen lassen“. 1988 wurde das Geläuf eingeweiht, als erster Kunstrasen der Stadt. Aber an seiner Vergangenheit klebt der TuS Haste ja gar nicht so sehr.


TuS Haste 01

Sportanlage Osterhaus an der Bramstraße 115, 4 Tennisplätze, Kunstrasenplatz, Rasenplatz, Vereinsheim mit Grillhütte, Kontakt: Tel. 0541/61353; E-Mail: info@tushaste01.de; Internet: tushaste01.de; Facebook: facebook.com/ tushaste01.

Vorstand und Co.

Vorsitzender: Oliver Klages (37, Teamleiter, Foto); Stellvertretende Vorsitzende: Klaus Jordan (54, Diplom-Agraringenieur) und Burkhard Wulftange (47, Rechtsanwalt); Geschäftsführer: Christian Gerding (36 , Bilanzbuchhalter); Presseteam: Marcel Cotinaut (28, Projektmanager) und Philipp Lloyd (25, Student); Inklusionsbeauftragte: Katja Lehmberg (45, Agraringenieurin). – Abteilungsleiter: Helmut Maune (Tennis), Rainer Welp (Karneval), Ramon Hafkemeyer und Friedhelm Fähmel (Fußball), Oliver Klages (Ansprechpartner Sportkurse).

Mitarbeiter

Der TuS Haste 01 lebt durch seine vielen ehrenamtlichen Helfer. Weder im geschäftsführenden noch im erweiterten Vorstand agieren fest angestellte Mitarbeiter. Lediglich für die Trainer und Übungsleiter in den Sportkursen werden Aufwandsentschädigungen gezahlt. Seit Jahren bilden Spieler der Herrenmannschaften die jungen Talente im Bereich Fußball aus und legen so den Grundstock für die erfolgreiche Jugendarbeit.

Historie (in Auszügen)

1901: Gründung des „Athleten-Clubs Roland“.

1945: Zusammenschluss des örtlichen Turnvereins, des Sportclubs und der Spielvereinigung zum TuS Haste 01.

1947: Gründung der Karnevalsgesellschaft.

1967: Aufstieg der Fußballer in die Regionalliga (damals die zweithöchste Klasse in Deutschland).

1974: Baubeginn der Tennisplätze (1975 eröffnet).

1988: Einweihung des ersten Kunstrasenplatzes in der Stadt Osnabrück.

2005: Abriss der Sporthalle am Osterhaus.

Frühere Vorsitzende

Nach 1945: Fritz Weghorst (1945–1947); Dr. Heinrich Wehberg (1947–1950); Fritz Weghorst (1950– 1951); Wilhelm Droit (1951–1970); Dr. Dieter Wessels (1970–1983); Horst Schäfer (1983– 2000); Reinhard Welp (2000–2007); Eckhard Mader (2007–2013); Frank Kaufhold (2013–2015).