Fußball zwischen Sandhügeln German Beach Soccer League spielt in Osnabrück


Osnabrück. Die Atmosphäre erinnert an einen gemütlichen Tag am Strand: Chill-House-Musik aus Lautsprecherboxen, junge Menschen, die zwischen Zelten und Pavillons in Liegestühlen rund um die Sandgrube im Außenbereich des Nettebads lümmeln. Im Sand aber ist alles andere als Ruhe angesagt beim ersten Spieltag der German Beach Soccer League in Osnabrück. Den Lokalmatadoren vom BSC Ibbenbüren gelingt mit zwei Siegen ein guter Start in die Saison.

Flach spielen, hoch gewinnen – eine Maxime des Rasenfußballs, die beim Beachsoccer definitiv keine Gültigkeit hat: weder Flachpass-Kombinationen noch Dribblings machen Sinn beim Spiel vier gegen vier plus Torwart auf zwei Fünf-Meter-Tore im tiefen Sand, der die Bälle verspringen lässt und den Spielern bei solchen Aktionen viel zu schnell die Kraft raubt. Hochlupfen, Anspiele durch die Luft und dann volley abziehen ist daher angesagt bei der Partie zwischen Beachkick Berlin gegen die Rostocker Robben. Beim 2:2 sehen die Fans neben vielen spektakulären Toren auch starke Flugeinlagen der Spieler, wobei sich der großgewachsene „Zehner“ Joel Nißlein im weißen Trikot der Berliner mit den neonfarbenen Nummern besonders beim Fallrückzieher hervortut.

„Das ist definitiv anstrengender als normaler Fußball – deshalb muss man auch wie beim Eishockey durchwechseln nach drei bis vier Minuten Vollgas“, erklärt Nißlein. Der 27-Jährige stand nach seiner Jugendzeit als Vertragsamateur beim 1. FC Nürnberg auf dem Sprung zu einer Profikarriere, bevor ihn eine Krankheit für ein Jahr außer Gefecht setzte. „Danach bin ich über einen Freund zum Beachsoccer gekommen und geblieben,“ sagt der Surfertyp mit den langen Haaren. So wie er weisen viele der Kicker im Sand des Nettebads eine Rasenfußball-Vergangenheit in durchaus ambitionierten Klassen zwischen Bezirksliga und Regionalliga auf, bevor sie zum Beachsoccer gekommen sind.

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„Man braucht eine gute, aber andere Kontrolle des Balls als auf Rasen: beim Lupfen, beim Jonglieren und natürlich Schusstechnik, Kraft und Spritzigkeit“, erklärt Nißlein, dessen Team auch über den Winter auf Sand trainiert: In einer Berliner Beachvolleyball-Halle. Der Ligabetrieb der 12 Teams läuft dann an fünf Wochenend-Spieltagen, die ein Team ausrichtet: In Osnabrück feiern die Lokalmatadore des BSC Ibbenbüren einen guten Saisonstart mit einem 11:1 und einem 5:3-Sieg – nur den zwischen den Sandhügeln durchaus körperbetont agierenden Rostockern war man beim 4:7 unterlegen.

„Die Torhüter freuen sich bei uns, weil sie bei den Paraden weicher fallen“, lacht Nißlein, als er seinen Keeper Martin Krause sieht, dem nach der Partie noch der halbe Sandkasten zwischen den Barthaaren hängt. Dann fällt sein Blick auf die Kicker des Wuppertaler SV, die auf dem Feld in ihren Tarn-Trikots im Military-Look die Regie übernommen haben: einer von ihnen baut sich auf dem Spielfeld eine Art Sandburg und legt den Ball auf ihr ab, um einen direkten Freistoß nach einem Foulspiel kontrollierter treten zu können. „Unser Sport ist in den letzten Jahren schon härter geworden, zumal wir ja barfuß spielen und auch am Schienbein keinen Schutz tragen“, sagt Nißlein.

Da ist es sicher nicht verkehrt, dass drei Schiedsrichter die Spiele leiten und neben der ordnungsgemäßen Durchführung der Wechsel auch konsequent jedes Foulspiel, jede Rangelei im Sand und jede Übertretung der Vier-Sekunden-Regel – die den Ballbesitz für den Torwart sowie die Zeit für die Ausführung eines Einwurfs oder einer Ecke begrenzt – ahnden. Die Referees stellt übrigens der DFB, der seit dem Jahr 2013 die German Beach Soccer League ausrichtet. Dem bereits seit 2002 laufende „German Masters“ von einem kleinen Konkurrenzverband (Deutscher Beach Soccer Verband, DBSV) soll so auf Dauer mehr als nur Konkurrenz gemacht werden.

Verbandspolitische Dinge, die nicht nur den Beachsoccer betreffen, aber die Kicker an jenem Wochenende in Osnabrück nur bedingt interessieren. Es geht eher um Style, um Extravaganz, natürlich um körperliche Betätigung in einer außergewöhnlich anstrengenden Sportart – und natürlich um das Gemeinschaftserlebnis. „Wir finanzieren alles selbst: Anreise, Hotel, Spielbetrieb. Aber wir machen das gern für diesen großartigen Sport“, sagt Nißlein.


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