Bruce Lee aus Wallenhorst Oliver Schawe seit Jahren erfolgreich im Kampfsport

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Osnabrück. Weiterkämpfen und durchhalten, auch wenn es hart ist – so lautet Oliver Schawes Motto im Kampfsport. Der 45-jährige Profisportler muss es wissen, schließlich ist er seit seinem zehnten Lebensjahr dem Kickboxen und Taekwondo verschrieben. Dieses Jahr könnte das letzte seiner aktiven Sportlerkarriere sein.

Der Sportler mit der langen Mähne hat sich in unterschiedlichen Kampfsportarten Titel erkämpft und besitzt den 5. Dan im Kickboxen und den 6. Dan in Taekwondo. Die Liste seiner Erfolge ist lang. Seit 2003 ist der gelernte Sportphysiotherapeut Inhaber der „Kampfsportschule Schawe“ in Wallenhorst. Mit der Schule hat sich der Sportler einen Traum erfüllt. „Ich habe zusätzlich zu meiner Karriere als Sportler auch immer wieder nebenbei als Trainer im Fitnessstudio und im Kampfsportverein gearbeitet“, sagt Schawe.

Geträumt hat er allerdings immer von einer eigenen Kampfsportschule mit „einer besonderen Atmosphäre“. Das ist ihm auch gelungen. Von außen sieht die Schule, die mitten in einer Ladenstraße liegt, ziemlich unscheinbar aus. Doch bereits beim Betreten der Schule springen dem Besucher die unzähligen Pokale und Medaillen des Sportlers ins Auge. An der kleinen Bar, die als Rezeption dient, steht Schawes neuste Errungenschaft: der Leo-Award. Der Preis würdigt Schawes Leistungen als Trainer und wurde ihm bei der Sportgala „Osnabrücker Nacht des Sports“ verliehen.

Präzision und Kraft gefragt

„Als Kind haben mich die Filme von Bruce Lee fasziniert“, erinnert sich der Ruller. Nachdem er andere Sportarten wie Fuß- und Basketball ausprobiert hatte, entschied sich der damals Zehnjährige, in einen Taekwondo-Verein einzutreten. „Kampfsport war etwas Besonderes, da er damals nicht so weit verbreitet war.“ Außerdem habe ihm der Mannschaftssport nicht wirklich gelegen. „Als Kampfsportler ist man allein für sich verantwortlich. Wenn ich einen Fehler mache, dann muss ich ihn ausbaden. Andersrum, wenn ich gewinne, ist es allein mein Verdienst.“

Neben Kraft braucht man für Kampfsport auch Gelenkigkeit, Präzision, Schnelligkeit und Konzentration. Schließlich muss die Kraft auch richtig eingesetzt werden. „Ich war schon damals ziemlich groß für mein Alter“, sagt Schawe, dessen Körpergröße heute bei 2,04 Meter liegt. Dass er genug Kraft für die Sportart besitzt, hat man ihm schon damals zugetraut. Doch dass er für die Kicks und die Sprünge auch gelenkig genug ist, das musste er seinen Gegnern und Trainern erst beweisen.

Gesagt, getan: Bereits mit 14 Jahren fuhr Schawe zu regionalen Wettkämpfen nach Osnabrück. Dort musste er sich mit Erwachsenen messen, da zur damaligen Zeit noch keine Taekwondo-Wettkämpfe extra für Jugendliche ausgetragen wurden. Obwohl er gegen die Erwachsenen verlor, spornten ihn die Wettkämpfe an. Welche Wettkämpfe wann stattfinden, erfuhr er aus der Fachzeitschrift „Karate Journal“, für die er extra zum Osnabrücker Hauptbahnhof fuhr.

Dass Schawe im Laufe der Jahre noch bei vielen Wettkämpfen Titel wie zum Beispiel neunmal die Weltmeisterschaft im Kickboxen, den Welt-Cup und den vierten Platz bei den Olympischen Spielen 1992 im Taekwondo gewinnen und den Sport hauptberuflich betreiben wird, war damals noch nicht absehbar. Nach dem Schulabschluss absolvierte das Schwergewicht deshalb zunächst eine Ausbildung zum Verfahrensmechaniker bei Kabelmetall Osnabrück. Mit dem Training hörte er aber nicht auf.

Ganz im Gegenteil: Um den Kampfsport professionell betreiben und damit auch Geld verdienen zu können, bewarb er sich mit 21 Jahren bei der Sportförderkompanie der Bundeswehr und wurde genommen. Zwei Jahre lang war Schawe Taekwondo-Bundeswehrsportler und verlagerte seinen Lebensmittelpunkt nach Sonthofen in Bayern, wo er zwei bis dreimal am Tag trainierte. Dort bekam er die professionelle Ausbildung im Sport, die er sich gewünscht hatte, denn die Sportförderkompanie hatte einiges zu bieten: ein intensives Training und eine fachgerechte Ausstattung der Kaserne mit Kraftraum und Schwimmbad. Außerdem traf Schawe dort auf unterschiedliche Sportler, mit denen er sich messen konnte.

Kampf mit gebrochener Nase

Wenn Schawe über die Höhepunkte seiner Karriere spricht, dann erinnert er sich vor allem an Wettkämpfe, bei denen er sich richtig durchbeißen musste. Dazu zählt der Weltcup-Sieg im Taekwondo 1990 in Madrid. Im Halbfinale brach sein koreanischer Gegner Schawe die Nase. Trotz der Verletzung ging er als Sieger aus dem Kampf heraus. Mit einem notdürftig gerichteten Bruch trat er im Finale schließlich gegen einen Spanier an. „Die 6000 Zuschauer in der Halle feuerten natürlich alle meinen Gegner an und waren gegen mich.“ Weder die Verletzung noch die Atmosphäre hielten Schawe aber vom Sieg ab. „Ich kämpfe sehr gerne in einer großen Halle vor vielen Zuschauern. Die Stimmung spornt mich an und beflügelt mich“, erklärt der Trainer. Auch die Verleihung des Leo-Awards war für Schawe ein besonderer Moment. „Wenn ich daran zurückdenke, bekomme ich immer noch Gänsehaut. Ich bin schon sehr stolz auf den Preis.“

Trotz seiner Arbeit als Trainer und Inhaber der Kampfsportschule hat Schawe seine aktive Sportlerkarriere bisher nicht beendet. „Ich habe zwar schon oft gesagt, dass ich aufhören will, doch dann kamen Wettkämpfe, die mich gereizt haben, und ich habe weitergemacht“, sagt der Kampfsportler und lächelt. Dieses Jahr wird Schawe 46 Jahre alt und will seiner Karriere mit dem 10. Weltmeistertitel den krönenden Abschluss verleihen. Leider steht ihm dabei sein rechtes Knie im Weg. „Ich habe mir einen Kreuzbandriss zugezogen.“ Bereits vor 18 Jahren erlitt Schawe im Halbfinale der World Best Player Championships im Taekwondo im US-amerikanischen Portland einen Kreuzbandriss am linken Knie. Nichtsdestotrotz besiegte Schawe den Koreaner und setzte sich vor 40000 Zuschauern auch im Finale gegen seinen kanadischen Gegner durch. Auf den Sieg folgte dann allerdings eine Operation am Knie, nach der Schawe zwei Jahre lang krankgeschrieben war.

Welche Behandlung bei der aktuellen Verletzung nun ansteht, muss Schawe noch mit Spezialisten klären. Ob er tatsächlich wie geplant an der Weltmeisterschaft teilnehmen kann, steht damit in den Sternen. Von der körperlichen Herausforderung lässt er sich allerdings nicht aus der Ruhe bringen. „Ich muss nun schauen, wie es weitergeht, und geduldig sein.“ Jetzt ist Schawes Lebensmotto wieder gefragt: weiterkämpfen und durchhalten.


Kurz gefragt: Oliver Schawe

Den Spitznamen „Highlander“...

... hat mir der Bundestrainer bei der Internationalen Deutschen Meisterschaft in Nürnberg im Taekwondo verpasst, weil ich ihn mit meinen langen Haaren und meiner Körpergröße an den Hauptdarsteller des gleichnamigen Films erinnert habe.

Meinen Kampfsportschülern will ich vermitteln ...

..., dass sie selbstbewusst durchs Leben gehen.

Das Image von Kampfsport ...

... hat sich in der Gesellschaft zum Besseren gewandelt.

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