In der Gemeinde verwurzelt, in Kanada bekannt SC Glandorf: Ein Hoch auf die Eigeninitiative

Von Johannes Kapitza


Glandorf. Vor dem Besuch der Zeitung hat Natalie Jürgens noch „richtig was gerissen“ und organisiert. Frauenpower ist angesagt beim SC Glandorf. Bei ihrer Arbeit kann sich die Vorsitzende auf eine breite Unterstützung verlassen.

„Eine Gemeinschaft, eine Kameradschaft, ein SC Glandorf“ – so steht es auf den Fanschals, so steht es im Bewirtungsraum am Franz-Gildehaus-Sportplatz: Was Fußball-Edelfan Hannes Eggert vor 25 Jahren auf einer Feier der ersten Herrenmannschaft ausrief, ist längst zum Vereinsmotto geworden. „Man hilft sich selbst. Diese Eigeninitiative ist das Tolle in Glandorf“, sagt Karl Gründker.

Ein Beispiel: Seit 1996 unterstützt ein Förderverein die Fußballer, finanziert Trikots, aber auch Trainerschein-Kurse. Eigenleistung beim Bau des Kunstrasenplatzes, Eigenleistung beim Bau eines Bewirtungsraums am Sportplatz – über das Engagement der Mitglieder werden beim SC ebenso wenig Klagen geführt wie über die baulichen Voraussetzungen in zentraler Lage. Dank einer guten Zusammenarbeit mit der Gemeinde sind die Trainingsmöglichkeiten „einfach perfekt“, lobt Michael Kuhlhoff von den Fußballern. Nur im Winter, wenn die Kicker in die Hallen drängen, wird es eng. „Da müssen alle zusammenrücken. Jede Hallenzeit wird ausgequetscht“, sagt der 2. Vorsitzende Frank Scheckelhoff.

Fußball ist in Glandorf ein Zugpferd. Früher wurde im Bezirk gekickt. Inzwischen ist es die Kreisliga, aber der Saisonverlauf nährt die Hoffnung, wieder höher angreifen zu können. „Alles kann, nichts muss“, beschreibt der frühere Vorsitzende Peter Obermeyer die Ziele der „Glandorfer Jungs“. Für fußballerische Furore sorgt der Mettner-Cup, 2014 in der fünften Auflage ein A-Junioren-Turnier, bei dem sich der SCG auch mit höherklassigem Nachwuchs misst.

Aus dem Fußball- ist längst ein Breitensportverein geworden. Den Auftakt macht Anfang der 60er-Jahre Tischtennis. Kaplan Meyer zu Brickwedde rekrutiert die Spieler aus der Messdienerschaft. Gespielt wird im Schulkeller. Weil die Decken so niedrig sind, wird die Spielfläche kurzerhand tiefergelegt – in bewährter Eigeninitiative. In Gedenken an den prominentesten Zelluloidball-Jäger wird seit 1982 der Reinhold-Upmann-Gedächtnis-Pokal ausgespielt. Seit 1998 ist Glandorf Finalort im Kreisentscheid der Minimeisterschaft. „Viel Aufwand, viel Trouble, viel Spaß“, fasst Karl Gründker zusammen.

Viel Leben ist auch beim Tanzen und Turnen, inzwischen zweitgrößte Abteilung, die stetig wächst. Die Kleinsten turnen im Krabbelalter, eine Altersgrenze nach oben gibt es nicht. Jung sind viele der 150 Tänzer. Die Ältesten, die seit Anbeginn der Abteilung dabei sind, übernehmen mit 16 Jahren bereits Verantwortung für die Jüngeren.

„Fast alle Übungsleiter sind ehrenamtlich bei uns tätig“, betont Christa Heuer nicht ohne Stolz. Das ermöglicht familienfreundliche Mitgliedsbeiträge für fast unbegrenzten Sport. Einzige Einschränkung: Die Schwimmer haben eine lange Warteliste für ihre Abteilung. Das Bad ist voll, das Einzugsgebiet groß – ähnlich wie beim Taekwondo. 80 Kinder kamen 1992 zur Probestunde. Heute sind unter den 100 Kämpfern etliche Schwarzgurte, die zum Teil direkt nach dem Schwimmtraining mit nassen Haaren in die Sporthalle kommen. Sportliche Vielseitigkeit ist Trumpf.

Basketballer und Volleyballer freuen sich über nachwachsende Jahrgänge; beim Badminton schlagen die Jüngsten mit drei Jahren auf. Auch die Einradfahrer gehören zur Kategorie „klein, aber fein“. Immerhin haben Leonie und Sonja Brandwitte den SC Glandorf schon bei der Weltmeisterschaft in Kanada bekannt gemacht. So weit werden es die Prellballer nicht mehr bringen, aber damit kann die gesellige Hobbytruppe leben, die ihren „Nachwuchs“ nicht selten von den Fußballern rekrutiert.

Genau so schnell wie an Nachwuchs für die Abteilung kommt man im SC Glandorf an ein Amt. Natalie Jürgens begann als Betreuerin, weil ihre Tochter sonst nicht hätte Fußball spielen können. Inzwischen ist sie Vorsitzende, „es funktioniert“, ist Obermeyer mit seiner engagierten Nachfolgerin sehr zufrieden. Ob während ihrer Amtszeit noch der große Traum des SCG in Form eines Vereinsheims wahr wird, das einen Versammlungsraum bietet und die Anmietung eines Büros im Ort erübrigt? Die zentrale Stellung in der Gemeinde wird dem Verein auch so erhalten bleiben: Mehr als jeder Vierte Glandorfer ist im SC, von den 1826 Mitgliedern (Stand 30. Juli) sind 822 unter 18 Jahren. „Wir versuchen, alle Mitbürger mitzunehmen“, betont Christa Heuer den Gemeinschaftssinn – damit keiner allein ist, wenn es mal wieder was zu reißen gibt.