Dem Südafrika-Meister knapp unterlegen Boxer Demaj: „Hätte noch eine Schippe mehr sein müssen“


Wallenhorst. Edison Demaj hat das Kämpfen im Blut. „Schon bevor ich mit dem Boxen angefangen habe, war ich kampfsportbegeistert – ich habe den ganzen Tag Bruce-Lee-Filme gesehen“, sagt der von allen nur „Eddy“ genannte Boxer. „Dass ich mich zuerst nicht im Verein angemeldet habe, liegt daran, dass meine Mutter Angst davor hatte, ich würde mich verletzen.“ Demajs Vater jedoch ist auch boxverrückt und begleitet seinen Sohn fast zu jedem Kampf.

Die sportliche Entwicklung von Demaj ist rasant. Seit 2007 besucht der 22-Jährige das Boxtraining des TSV in Wallenhorst, bereits nach zwei Jahren wurde er norddeutscher Meister in seiner Gewichtsklasse, dem Mittelgewicht. 2011 nahm das Talent erstmals an den deutschen Meisterschaften teil und musste sich zweimal im Halbfinale knapp dem späteren Turniersieger geschlagen geben.

Bei der diesjährigen DM schied der 1,74 Meter große Osnabrücker in der Mittelgewichtsklasse bis 75 Kilogramm nach einem gewonnenen Kampf gegen den späteren deutschen Vizemeister Dennis Radowan im Viertelfinale aus. Eine ganz besondere Erfahrung für den Osnabrücker mit albanischen Wurzeln war jüngst das Turnier in Südafrika, bei dem er sich mit der niedersächsischen Auswahl mit der ECABO-Mannschaft aus Eastern Cape (Südafrika) maß. Nach zwei K.-o.-Siegen in der ersten Runde unterlag er dem südafrikanischen Meister Gregory Gans mit 1:2 Stimmen nach Punkten, was ihn letztlich doppelt ärgerte. Während des Kampfes hatten ihm die mitgereisten Landestrainer schon zugerufen, dass er führe. Selbstkritisch sagt er, dass er sich zum Ende aktiver hätte zeigen müssen, um sich deutlicher abzusetzen – auch wenn dies nicht einfach gewesen wäre: „Auswärts boxt man nicht nur gegen den Gegner, sondern auch gegen das Publikum“, sagt Demaj, der von der Leichtfüßigkeit der afrikanischen Gegner begeistert war.

Insgesamt sei er aber mit dem Turnierverlauf mehr als einverstanden, die gesammelten Erfahrungen bezeichnet er als wertvoll. „Auch das Trainerteam war sehr zufrieden“, so der Sportler, für den „der Besuch in Südafrika boxerisch und vor allem auch menschlich eine völlig neue und wertvolle Erfahrung“ war.

Trainer Ralf Dörjes, der ein höchst freundschaftliches und vertrauensvolles Verhältnis zu Demaj hat, ist zufrieden mit den Fortschritten seines Schützlings in den vergangenen eineinhalb Jahren. „Er ist noch nicht auf dem Höhepunkt, hat sich aber sehr weiterentwickelt – trotz seines Pechs mit Krankheiten.“ Wenn Demaj seine Kämpfe noch offensiver zu führen lerne und fortan auch dann mit aller Intensität trainiere, wenn er keinen Wettkampf vor Augen habe, sei der deutsche Meistertitel in den kommenden beiden Jahren möglich. „Bislang hatte Eddi bei großen Wettkämpfen eher wenig Losglück. Oft ist er früh auf die Titelfavoriten getroffen.“

Der große Reiz beim Boxen liegt für „Eddy“ in der Eins-gegen-eins-Situation. Alles ist immer auch abhängig von der Tagesform. Aber man kann nie die Schuld bei jemandem anderen suchen. Man hat es in der eigenen Hand.“

Wöchentlich fünf Trainingseinheiten in der Wettkampfvorbereitung benötigen ein hohes Maß an Disziplin. „Ich will gewinnen und muss demnach so hart wie möglich trainieren“, so Demaj. Neben dem Training am Sandsack stehen dann Langläufe, Pratzen-Training und Schattenboxen an. Für Sparringskämpfe fehlen dem Boxer zu seinem Bedauern derzeit die passenden Partner.

Das Idol des Osnabrückers ist die Boxlegende Mike Tyson. Was Demaj besonders an dem amerikanischen Enfant terrible begeistert? „Er hat sich vor niemandem gefürchtet. Außerdem hatte er wie ich oft größere Gegner und musste sich über seinen Kampfgeist profilieren.“

Steht der Osnabrücker nicht im Ring, ist er bei seiner Familie oder seinen Freunden, darunter bekannte Sportler der Osnabrücker Boxszene. Auch in seiner Freizeit ist „Eddy“ sehr diszipliniert: „Alkohol trinke ich sehr selten und wenn – vielleicht viermal im Jahr –, auch nur sehr wenig.“ Generell spiele eine gesunde Ernährung spiele bei ihm eine wichtige Rolle.

Sein nächster Wettkampf ist die Bezirksmeisterschaft im Januar 2015, danach folgen einige lokale Kämpfe. Bis dahin möchte der Sportler noch an seiner Taktik feilen. Sein Jab, die schnell geschlagene gerade Führhand, ist ausbaufähig, auch seine Kondition.

Bereits zufrieden ist Demaj indes mit seiner Schlaghärte. So schaffe er es oft zu Anfang der Kämpfe, die Gegner einzuschüchtern und im richtigen Moment effektive Treffer zu landen. Mit 66 Kämpfen ist „Eddy“ für sein Alter schon erfahren. „Natürlich bin ich noch ein bisschen aufgeregt, trotzdem versuche ich, sehr locker in die Kämpfe zu gehen. Dann gucke ich meinem Gegner tief in die Augen, und mein Blick sagt: Ich will gewinnen, und du wirst mich daran nicht hindern!“

Für die nächsten Jahre setzt sich Demaj große Ziele: Er möchte die deutsche Meisterschaft gewinnen. Blauäugig geht er dieses Vorhaben aber nicht an: „Das zu schaffen wird unglaublich schwer – aber es ist sicher nicht unmöglich.“


Kurz nachgefragt

Mit dem Boxen verbinde ich…

…Emotionen, Siege und Niederlagen. Es ist für mich mehr eine Leidenschaft als ein Hobby.

Samstags abends trifft man mich…

…auf Boxveranstaltungen, bei einer guten Freundin oder mit den Boxkollegen in anderen Städten.

Mein Trainer Ralf Dörjes ist für mich… …menschlich ein großes Vorbild, auch wenn er manchmal auf Kleinigkeiten rumhackt (augenzwinkernd)… Er geht mit mir durch dick und dünn, und baut mich auf, wenn ich eine schwere Phase durchmache. Wir sind auf einer Wellenlänge.

An meinem Boxstil ist besonders charismatisch…

…dass ich schnell und explosiv schlage und viel Druck ausübe.

Die Mannschaft des TSV Wallenhorst ist für mich…

…wie eine Familie. Hier fühle ich mich wohl, kann mich zurückziehen und meinen Stress abbauen.