Interview mit HSG-Trainer Griefingholt: Schönspielerei können wir uns nicht leisten

Von Johannes Kapitza


Osnabrück. Am Samstag hat die HSG Osnabrück ihren zweiten Saisonsieg in der Handball-Verbandsliga gefeiert. Ein wichtiger Sieg, aber auch im Tabellenkeller haben die Handballer nicht den Spaß am Sport verloren, wie Trainer Christoph Griefingholt im Interview berichtet.

Herr Griefingholt, am Samstag haben Sie mit der HSG Osnabrück den zweiten Saisonsieg gefeiert. Wie groß ist die Erleichterung?

Der Sieg ist wichtig gewesen, um den Anschluss ans Mittelfeld zu halten. Auf der anderen Seite sind es jetzt auch nur drei Punkte bis zum vierten Platz. Wenn die knappe Niederlage zu Hause gegen Marienhafe und das ärgerliche Unentschieden gegen Jever nicht gewesen wären, könnten wir jetzt ganz entspannt auf die Tabelle schauen. Erst einmal ist es wichtig, dass wir unsere Heimspiele gewinnen, und das hat geklappt.

Gegen den Aufsteiger TV Langen war ein Sieg Pflicht, hatten Sie gefordert…

Genau. Ich habe deshalb bewusst auf eine massive 6-0-Deckung gesetzt. Nach zehn Minuten stand es 2:2, da kann man sehen, wie hart in dem Spiel auf beiden Seiten gearbeitet wurde. Die gesamte erste Halbzeit war offen, erst zum Ende haben wir uns absetzen können. Der Sieg musste sein. Jetzt müssen wir schauen, dass wir auch mal auswärts einen Punkt gegen eine der Mannschaften holen, die über uns stehen. Das ist aufgrund der Leistungsdichte realistisch. Belegt wird es auch dadurch, dass inzwischen alle Mannschaften der Liga Punkte gelassen haben.

Im siebten Saisonspiel erst der zweite Sieg, davor waren Sie auf den letzten Tabellenplatz abgerutscht – da muss man es erst mal schaffen, aus dem Loch zu kommen.

Ich habe vor dem Spiel gegen Langen massiv auf die Mannschaft eingeredet, dass jetzt erst mal der kämpferische Charakter im Vordergrund steht. Schönspielerei können und wollen wir uns in dieser Situation nicht leisten. Die Mannschaft muss in dieser Phase zusammenstehen und in Ruhe, aber mit weiterhin hohem Einsatz, gemeinsam trainieren. Das ist auch wichtig wegen des Umbruchs, den wir im Sommer gehabt haben.

Es war einige Bewegung im Kader.

Sechs Spieler sind neu hinzugekommen, neun weg, und das auf einigen entscheidenden Positionen. Darunter waren alte Leitwölfe, die auf dem Feld die Mannschaft zusammengehalten und geführt haben. Die Mannschaft muss sich in den nächsten Wochen bis Monaten weiter finden. Auch die spielerischen Elemente müssen zum Teil neu aufgebaut werden. Die neu installierte 3-2-1-Abwehr sitzt noch nicht richtig. Wir wollen diese offensivere Deckungsvariante aber in Zukunft dann mal als defensive 3-2-1 oder im 5-1-System spielen. Mit der offensiveren Deckung haben wir schon einige Mannschaften geärgert, die „Steineschmeißer“ im Rückraum hatten, aber das können wir noch nicht große Teile des Spiels durchziehen.

Wie ist angesichts des schwierigen Saisonstarts die Stimmung in der Mannschaft?

Nach der Niederlage in Varel waren die Jungs sehr geknickt. Sie haben richtig gut gekämpft, sich schön Torchancen herausgespielt, aber dann haben wir schlecht abgeschlossen – da haben sich die Jungs nicht selbst mit Toren belohnt. Wir haben versucht, die Stimmung im Training oben zu halten und keine Krisenstimmung aufkommen zu lassen. Der Spaß muss bleiben. Das bringt letztendlich den Erfolg.

Was macht Ihnen Hoffnung für die nächsten Spiele?

Wenn man die Tabelle anschaut, stehen wir erst mal ziemlich weit unten, aber eigentlich sind wir mittendrin. Ein Sieg mehr, und wir würden im Mittelfeld stehen. Im Dezember kommt Lukas Brenning aus seinem Auslandssemester in Finnland zurück. Er hilft der Mannschaft natürlich weiter. Und dann ist Jan Wendte nach einer Fußverletzung wieder da und eine Alternative auf Rechtsaußen, der auch auf der Halbposition mit seinen Abschlüssen überraschen kann. Leonard Buskohl ist als Kreisläufer erst seit September im Team, und die Kooperation mit seinen Rückraumspielern wird von Woche zu Woche besser. Das macht unser ganzes Spiel variabler. Es ist schön, wenn der komplette Kader jetzt nach und nach zusammenkommt und auf jeder Position verschiedene Spielertypen einsetzbar sind.

Was ist von der HSG in der Saison zu erwarten. Rollen Sie das Feld jetzt von hinten auf?

Das glaube ich eher nicht. Schön wäre es, wenn wir uns frühzeitig im Mittelfeld etablieren würden und nicht nach unten schauen müssten. Das hängt bei unserem kleinen Kader auch davon ab, wie viele Verletzungen wir haben oder wie unsere Studenten im Saisonverlauf verfügbar sind. Wenn wir in Ruhe arbeiten können, bin ich guter Hoffnung, dass wir im gesicherten Mittelfeld landen werden.