Viel Witz und einige ernste Töne Heinz I. und Jimmy I. regieren Osnabrücker Fußball-Grünkohlvolk

Von Johannes Kapitza


Bramsche. Von einer Verspätung der Bahn ließ sich Jimmy Hartwig nicht stoppen: Der 60-jährige Ex-Fußballprofi hat am Freitagabend pünktlich sein Amt als Grünkohlkönig des Fußballkreises Osnabrück-Land angetreten. Hartwig nahm die erschwerte Anreise locker: „Man lernt viele Menschen kennen“, scherzte er. In Engter kamen viele weitere hinzu, die Hartwig mit seiner Art zu begeistern wusste.

„Ich gehe gleich noch von Tisch zu Tisch und hoffe, dass ich an jedem Tisch ein Bier bekomme. Bei wem das nicht der Fall ist, der wird aus meinem Grünkohlland verbannt“, kündigte Hartwig in seiner launigen Antrittsrede an. Er freue sich, nur „Grünkohlkönig“ und nicht „Grünkohl und Pinkel-König“ zu werden, „denn ein feiner Pinkel war ich nie und will ich auch nie werden“, sagte er. Nachdenkliche Töne ließ der neue Regent nicht aus. Er betonte, wie wichtig Freunde seien als Rückhalt in schlechten Zeiten, und wurde dabei persönlich: In den vergangenen Jahren sei er mit einer Krebserkrankung „durch die Hölle gegangen“, und die Krankheit sei noch nicht besiegt, „aber eins werde ich nie verlieren“, versprach er: „Meinen Humor.“ Die Mischung aus unterhaltsamem Kumpel, der die Fußballersprache spricht, und ernstem Redner kam bei den rund 400 Gästen im Saal Rothert in Engter an.

Hartwigs Regentschaft hatte schon frühzeitig festgestanden. Heinz Schleibaum kam unerwartet zur Königswürde, die ihm das Fußball-Grünkohlvolk in Engter andiente. „Aus gesundheitlichen Gründen kann er nicht teilnehmen, aber er freut sich sehr über die Wahl und wird diese Kette mit Stolz tragen“, sagte sein Sohn Kai, der die Königskette in Vertretung für das Urgestein der Sportfreunde Lechtingen entgegennahm.

Während vor der Proklamation noch die Königswahl „in demokratischer Manier“ (Kettmann) abgewartet werden musste, hatte die NFV-Spitze zuvor eine Auszeichnung im Rahmen der DFB-Ehrenamtsaktion bewusst geheim gehalten: Anita Lennartz engagiert sich über den SV Kettenkamp hinaus im Fußballkreis und zeichnet seit 2007 für die Öffentlichkeitsarbeit des Kreisverbands verantwortlich. 2013 wurde sie als Schriftführerin in den geschäftsführenden Vorstand gewählt und bereichere seitdem die NFV-Kreisspitze mit guten Ideen, lobte Vorsitzender Bernd Kettmann zur Überraschung der Vorstandskollegin bei der Feierstunde in Bramsche.

Kettmann, Kreissportbund-Vorsitzender Hans Wedegärtner, Erster Kreisrat Stefan Muhle und Bramsches Bürgermeister Heiner Pahlmann würdigten zudem die Verdienste von zehn weiteren Vorbildern. Martina Linnenbaum (Grafeld), Ursula Middendorf (Eintr. Neuenkirchen), Kurt Lausmann (Hesepe-Sögeln), Hubert Föcke (Bippen), Karl-Heinz Hagen (Schwagstorf), Hermann Havermann (Eggermühlen), Christian Speer (Hollage), Fritz Wellmann (Glane) und Dietrich Grünkemeier (Wellingholzhausen) erhielten Urkunde, DFB-Uhr und Fritz-Walter-Sekt. Michael Wernemann (SV Bad Rothenfelde) wird einen Teil seiner Ehrung in Barsinghausen erhalten, wo er als Kreissieger ein Dankeschön-Wochenende verbringen darf.

„Talentierte Fußballer sind für jeden Verein wichtig, aber ohne Sie wäre kein Vereinsfußball möglich“, lobte Kreisrat Muhle die Ehrenamtlichen, „Ihnen gehört unser Respekt und Dank!“ Diese Erkenntnis müsse sich in Politik und Gesellschaft noch stärker durchsetzen, sagte er. Für den Landkreis sei die Förderung des Ehrenamts bereits „genauso wichtig wie Wirtschaftsförderung“, betonte Muhle.

„Ohne Ehrenamt läuft in diesem Land nichts“, war auch Hartwig beim Thema Ehrenamt nicht zu Scherzen aufgelegt. Die Präsente könnten „nur eine kleine Anerkennung“ sein. „Eigentlich müssten wir Sie jeden Tag hofieren.“ Hartwig unterstrich außerdem die Bedeutung des Sports für die Integration. In Zeiten der Zuwanderung, in denen Kommunen zunehmend ächzten und Vereine über Nachwuchssorgen klagten, „sind wir noch mehr gefordert, auf diese Menschen zuzugehen und Ihnen die Hand zu reichen“, sagte er und bat die Ehrenamtlichen, ihr Engagement nicht zu verringern: „Bleiben Sie am Ball.“ Ob Hartwig diesen Rat bei der abendlichen Runde durch sein Grünkohlvolk beherzigte, ist leider nicht mehr überliefert.