Stadt und Nordkreis mit Nachholbedarf Kunstrasenplätze eine Standortfrage

Von Johannes Zenker

Wunschtraum vieler Fußballvereine: ein Kunstrasenplatz. Foto: Jörn MartensWunschtraum vieler Fußballvereine: ein Kunstrasenplatz. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Die Tage werden kürzer, die Temperaturen niedriger und die Böden immer tiefer. Es wird Winter in Deutschland, und wie jedes Jahr stehen vor allem die Fußballer vor der Frage, wo sie trainieren sollen. Während die meisten Mannschaften aus der Stadt Osnabrück und dem Nordkreis rätseln, fällt den Verantwortlichen aus dem Süden die Antwort leicht: auf einem Kunstrasenplatz.

Das Ungleichgewicht in der Verteilung der witterungsbeständigen Flächen sticht beim Blick auf die Landkarte der Kunstrasenplätze ins Auge. Während diese im Norden der Region Osnabrück und innerhalb der Stadtmauern rar gesät sind, ballen sich die Plätze im Südkreis.

Fünf Kunstrasenplätze in GMHütte

Für das Nord-Süd-Gefälle hat Kersten Wick vom Kreissportbund eine einfache Erklärung: „Während die nördlichen Samtgemeinden mehrere Vereine versorgen müssten, haben die südlichen Kommunen zumeist nur einen Club, der Bedarf anmeldet.“ Außerdem sei die Finanzkraft der Samtgemeinden geringer als die der Kommunen des Südkreises.

Die Stadt Georgsmarienhütte beheimatet fünf Sportvereine und hat fünf Kunstrasenplätze aus überwiegend kommunalen Mitteln finanziert. Nachdem 2011 der BSV Holzhausen und 2012 der VfL Kloster Oesede Plätze erhalten haben, steht der SV Harderberg als einziger Verein mit leeren Händen da und sieht die Stadt in der Pflicht, diesen „innerstädtischen Wettbewerbsnachteil“ (Geschäftsführer Burkhard Symanzik) zu beseitigen.

Stillstand in Osnabrück

Um sich einem solchen Druck nicht auszusetzen, herrscht in Osnabrück seit einigen Jahren trotz des Bittens der Vereine Stillstand. Bei den Plätzen an der Landwehrstraße und am Limberg handelt es sich um Hockeyplätze, die vor mehr als zwölf Jahren von den Briten errichtet wurden. Der Platz am Limberg wird vom Stadtsportbund (SSB) gepflegt, der Zustand ist gut. „Da hier niemand Hockey spielt, kommen im Winter Fußballmannschaften aus dem gesamten Stadtgebiet, um zu trainieren“, sagt SSB-Geschäftsführer Ralf Dammermann. Für eine Dauerlösung hält er den Platz jedoch nicht. Er empfiehlt: „Die Stadt sollte Möglichkeiten prüfen, ob sich nicht an zentralen Orten Kunstrasenplätze schaffen ließen, die mehrere Vereine zusammen nutzen können.“

Die Stadt verweist jedoch auf die angespannte Haushaltslage. „Eine Summe von mehr als 500000 Euro ist nur schwer zu stemmen“, sagt Jörg Schirmbeck, Fachdienstleiter Sport der Stadt, und fügt an: „Ein Kunstrasenplatz ist nur dort sinnvoll, wo auch eine durchgängige Belegung gegeben ist, zum Beispiel im Verbund mit Schulen.“ Beim OSC sind diese Voraussetzungen vorhanden. Aus diesem Grund will der Verein laut Geschäftsführer Peter Abs im nächsten Jahr in Vorleistung treten und einen Kunstrasenplatz bauen, den die Stadt einige Jahre später übernehmen wird. „Wir besitzen als zentral gelegener Verein, der umgeben ist von Schulen, einen Standortvorteil“, sagt Abs.

Eigentumsverhältnisse in Stadt schwierig

Dass die Finanzierung auf dem Land grundsätzlich leichter zu bewerkstelligen ist als in der Stadt, liegt auch an den Eigentumsverhältnissen. Kritisch beäugt wird aus dem Stadtgebiet die gängige Praxis auf dem Land, dass die Gemeinde zwar den Kunstrasenplatz finanziert, zuvor jedoch das entsprechende Gelände an den jeweiligen Verein für mehr als 25 Jahre verpachtet. Ein solches eigentumsähnliches Verhältnis berechtigt den Verein, vom Landessportbund (LSB) Fördergelder in Höhe von bis zu 100000 Euro zu erhalten. In der Stadt ist diese Praxis nur schwer umsetzbar. Bodo Arndt von den Sportfreunden Schledehausen erläutert: „Wir sind jetzt Pächter und erhalten vom LSB einen Zuschuss, dafür müssen wir in einigen Jahren auch die Folgekosten tragen.“

In diesem Sinn denkt Dammermann an die Sanierungskosten von 250000 Euro, die fällig werden, wenn nach ein paar Jahren die Lebenszeit des ersten Belages endet: „Man kann nur hoffen, dass die Vereine ausreichend Rücklagen schaffen.“