Vorteile und Kosten von Kunstrasenplätzen Kunstrasen-Experte: „Lohnenswert ab täglich sechs Stunden“

Von Johannes Zenker

Michael Pülm
              
              Foto: ZenkerMichael Pülm Foto: Zenker

Osnabrück. Michael Pülm ist Prokurist der Firma Richter in Wernigerode und berät Sportvereine bei Bauvorhaben. Im Interview spricht der Diplom-Ingenieur unter anderem über Vorteile und Kosten von Kunstrasenplätzen.

Herr Pülm, warum sind Kunstrasenplätze eigentlich so beliebt?

Diese Plätze sind wesentlich widerstandsfähiger als Naturrasenflächen und auch bei widrigen äußeren Bedingungen bespielbar. Zudem ist der Pflegebedarf geringer.

Wie viel kostet der Bau eines Kunstrasenplatzes?

Die Kosten belaufen sich bei einem Neubau je nach gewähltem Belag und Granulat auf etwa 70 bis 85 Euro pro Quadratmeter. Bei einer normalen Platzgröße von 105 mal 68 Metern ist also eine Summe zwischen 500000 und 600000 Euro zu erwarten. Wird ein bestehender Platz umgewandelt, ist der Preis für einen Quadratmeter ungefähr 20 Euro günstiger.

Warum sind Kunstrasenplätze so teuer?

Die hohen Kosten entstehen vor allem dadurch, dass die verwerteten Kunststoffe so kostspielig sind, die für die elastische Tragschicht und das Granulat Verwendung finden.

Bei welchen Posten lässt sich an der Preisschraube drehen?

Die Vereine können den Platz natürlich kleiner bauen. Jeder Quadratmeter spart Geld. Auch die verwendeten Granulate liegen im Preis pro Tonne sehr weit auseinander.

Gibt es Potenziale, die Kosten in Zukunft zu senken?

Wenn man von den Din-Normen für den Bau abweicht, lassen sich Kosten einsparen. Allerdings müssen sich die Anbieter ihrer Sache sehr sicher sein, da sie oftmals für entstehende Probleme und Schäden haften müssen.

Welche zusätzlichen Kosten kommen auf die Vereine nach der Fertigstellung zu?

Da wären zum einen die Pflegekosten. Die betragen 5000 bis 10000 Euro pro Jahr, wenn man den Platz regelmäßig reinigt, was dringend zu empfehlen ist, um den Wert der Anlage zu erhalten. Zudem liegt die Lebenserwartung eines Kunstrasenplatzes bei zwölf bis 15 Jahren. Bei der Sanierung muss man mit erneuten Ausgaben in Höhe von 250000 Euro rechnen. Dessen müssen sich Vereine vor dem Bau bewusst sein und Rücklagen schaffen.

Braucht jeder Sportverein einen Kunstrasenplatz?

Nein, sicherlich nicht. Ich empfehle nur solchen Vereinen den Bau, bei denen eine intensive Nutzung zu erwarten ist. Oder anders gesagt: Der Platz sollte mindestens an sechs Stunden pro Tag ausgelastet sein, damit sich die Investition lohnt. Gerade wenn Vereine mit Schulen kooperieren, können diese Werte erreicht werden. In ländlichen Gegenden verfügen Vereine häufig über drei oder vier Naturrasenplätze. Da braucht es eigentlich keinen Kunstrasenplatz.

Wie sehen Sie die Entwicklung im Bereich Kunstrasenplätze?

Es werden immer mehr Kunstrasenplätze kommen, weil sich insbesondere bestehende Tennenplätze am Ende ihrer Nutzbarkeit befinden und die Nachfrage nach einem Allwetterbelag steigt.