Gewachsenes Sportzentrum Schulstraße TuS Borgloh – Tief verwurzelt und unter Strom

Meine Nachrichten

Um das Thema OS-Sport Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Borgloh. Dieser Verein ist lebendig, hat Energie, steht quasi unter Strom: Das spürt man nicht nur, wenn man in diesen kühlen Tagen die Leitungen der Überland-Stromtrasse über dem Vereinsgelände im Wind knistern und summen hört. Das spürt man vor allem, wenn man mit den bodenständigen und gleichzeitig lebensfrohen und anpackenden Menschen spricht, die den TuS Borgloh ausmachen.

Etwa Michael Henkenborg und Britta Mergelmeyer: Sie sind Mitglieder der Laufgruppe, die seit 15 Jahren immer dienstags ab 18.30 Uhr die Borgloher Schweiz unsicher macht. „Wir sind ein eingeschworener Haufen, sind schon ambitioniert, laufen auch mal einen Marathon. Aber: Wir beißen nicht und freuen uns über Verstärkung, für die wir bei Bedarf das Tempo anpassen würden“, sagt Mergelmeyer, die zusammen mit ihren Mitstreitern den Weiherlauf organisiert, der seit 2009 Teil des Dreierpacks im Südkreis ist. „Am höchsten Punkt bei acht Kilometern beim Wasserturm gibt es für alle Läufer den Heimattropfen, einen Kräuterschnaps“, sagt Henkenborg zum Highlight mit Hunderten Teilnehmern.

Warum das typisch ist für den TuS? Weil klar wird, was ihn ausmacht. Eine verschworene Gemeinschaft, aber eine, die zugänglich bleibt für Außenstehende. Menschen, die etwas auf die Beine stellen. Und den Hang zur Volkstümlichkeit und Festivität haben, die nicht zuletzt die Fußballer im Landkreis bekannt gemacht hat.

Mit ihnen fing 1938 alles an, wobei der richtige Startschuss wohl erst nach dem Zweiten Weltkrieg fiel auf der Borgloher Alm, dem Sand- und Schlackeplatz vor den Toren des Ortes. Der Legende nach entstand er auch aus Resten des Aushubes vom Neubau der Kirche; sicher ist, dass ihn auch der VfL Osnabrück zu spüren bekam: in den 60er-Jahren, als eine goldene Generation von heimischen Kickern um Heinz „Bomber“ Radtke den TuS von der 2. Kreisklasse bis in die Verbandsliga schoss – und den VfL im DFB-Pokal empfing. In der Clubchronik zum 75-Jährigen ist nachzulesen, wie sich VfL-Trainer Karl-Heinz Marotzke über den schmalen Platz mokierte, an dem 3500 Zuschauer an den Seitenlinien standen, und wie der TuS ein Jahr nach der 0:3-Pleite „die Verhältnisse wieder geraderückte“ beim 3:0 im Testspiel.

Weitere Vereine aus Osnabrück im Porträt

Derzeit ist das Bezirksliga-Team unter Jens Tiemann-Gorny das Aushängeschild der inzwischen an der Schulstraße beheimateten Abteilung: erst mit dem Anfang der 80er-Jahre eröffneten Rasenplatz, seit drei Jahren zudem mit dem Kunstrasenfeld jenseits der Überlandleitung. Der erfolgreiche Kampf um seinen Bau steht auch für das, was den TuS ausmacht: 2000 schien die Finanzierung klar, dann brauchte die Gemeinde das Geld für andere Dinge – aber die Verantwortlichen bearbeiteten politische Entscheider und Finanzierungswege, regelten den Rest in Eigenarbeit.

Heute freuen sich neben den vier Herren- und den Frauen- vor allem die zwölf Jugendteams über stets perfekte Bedingungen. Dass der TuS im Nachwuchsbereich seit Jahren mit der SG Hankenberge Wellendorf kooperiert, ist klug in Zeiten des demografischen Wandels. Erfunden beim TuS hatten das aber zuvor schon die Turner, die auch hinsichtlich der Höchstleistungen – die regelmäßige Teilnahme an niedersächsischen Meisterschaften – den Fußballern inzwischen den Rang abgelaufen haben.

Das große Plus des TuS: ein reichhaltiges Angebot für den Nachwuchs, der sich zwanglos im Allgemeinturnen entwickeln kann, um bei ausreichend Talent und Ehrgeiz in den Leistungsbereich zu wechseln. Heute prägen die Turner ein modernes Angebot mit Fitnesskursen oder Zumba und auch die Grün-Weiße Nacht, die 2015 unter dem Motto „So ein Zirkus“ zum sechsten Mal steigt.

Es pulsiert also im Sportzentrum Schulstraße, wo auch die Tennisabteilung mit drei Sandplätzen seit 1994 ihre Heimat hat – spät gezündet nach dem Becker-Boom, aber dafür nachhaltig mit wachsenden Mitgliederzahlen.

Sie halten zusammen in Borgloh, daraus ziehen sie ihre einmalige Stärke. Wenn Entwicklungen über sie hereinbrechen, dann setzen sie sich zusammen, reagieren gemeinsam, machen das Beste aus ihren Möglichkeiten. Die sind nicht gering. Denn der TuS Borgloh ist ganz tief verwurzelt im Südkreis, viel tiefer als die das Land überspannenden Strommasten.


TuS Borgloh

Sportanlagen Schulstraße: Rasenplatz, Kunstrasenplatz, Sporthalle, drei Tennisplätze. Geschäftsstelle: Gasthaus Ostendarp („Bei Anni“), Hauptstraße 16, 49176 Hilter/ Borgloh. Kontakt: Tel.05409/4713. Mail: tusborgloh@osnanet.de.

Präsidium und Co.

1. Vorsitzender Wilfried Hinrichs (51, Journalist, Foto, seit 2010), 2. Vorsitzender Michael König (50, Personalreferent), 3. Vorsitzender Martin Westermeyer (51, Dipl.-Betriebswirt) Geschäftsführer Helmut Uthoff (46, Dipl.-Bankbetriebswirt), Kassenwart Christian Vogelpohl (38, Versicherungsfachwirt); Abteilungsleiter: Rainer Schlentzek (Herrenfußball), Andreas Gollub-Brörmann (Jugendfußball), Claudia Hengelbrock (Turnen), Michael Böhne (Tennis), Michael Henkenborg (Leichtathletik), Michael Bröckmann (Hallensport).

Mitarbeiter

Birgit Druck (57, Foto) seit nun fast 25 Jahren als hauptamtliche Sportlehrkraft im Verein, Landeskampfrichterin im Turnen. Sein freiwilliges soziales Jahr absolviert Marcel Schlentzek (20) in Kooperation mit der Grundschule. Ein(e) Nachfolger(in) für 2015 wird gesucht.

Historie

1938: Gründung als SG Borgloh.

1945: Wiedergründung als TuS Borgloh nach dem Krieg als Fußballklub.

1971: Bau der Turnhalle, Entstehung neuer Abteilungen: Turnen, Tischtennis, Trampolin, Volleyball.

1980: Einweihung des Platzes an der Schulstraße.

1994: Gründung der Tennisabteilung.

2011: Einweihung des Kunstrasenplatzes.

Frühere Präsidenten

Karl Stickel (1938–1945), August Bolsmann (1945– 1947), Wilhelm Wellendorf (1947–1948), Gerhard Himmelreich (1948– 1951), Heinrich Wamer (1951– 1956), Wilhelm Stein-kamp (1956–1960), Heinz Beinker (1960– 1962), Willi Dreesen (1962–1966), Siegfried Mergelmeyer (1966– 1968), Wilhelm Wellendorf (1968–1970) Heinrich Flatemersch-Lübker (1970– 1973), Wilhelm Stiene (1973–1981), Richard Mergelmeyer (1981–1990), Josef Stegmann (1990–1992), Wilhelm Stiene (1992– 1996) Klaus Lammers (1996–2010).

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN