Interview mit Lady-Titans-Trainer Landwehr: Der erste Platz überrascht mich wirklich

Von Jürgen Schinke

Tobias Landwehr
              
              Foto: KemmeTobias Landwehr Foto: Kemme

Osnabrück. Neue Besen kehren oft gut. Tobias Landwehr heißt bei den OTB Lady Titans der Mann an der Linie. Für den 21-jährigen Basketballtrainer, der zuvor vier Jahre lang in der männlichen Jugend tätig war und die U18 des OSC 2014 zur Niedersachsenmeisterschaft führte, bedeutet dies die erste Station im Erwachsenenbereich.

Herr Landwehr, die OTB Lady Titans gewinnen als Aufsteiger die ersten vier Spiele und sind Tabellenführer in der 1. Regionalliga. Müssen Sie sich manchmal kneifen?

Tatsächlich läuft es deutlich besser, als ich im Vorhinein vermutet habe. Dadurch, dass unserem Team einige ehemalige Zweitliga-Spielerinnen angehören, habe ich zwar damit gerechnet, dass wir durchaus auch als Aufsteiger in der Liga mithalten können. Nach vier Spielen allerdings ganz oben zu stehen – das überrascht mich wirklich, aber positive Überraschungen nimmt man gerne.

Lassen Sie uns über die Erfolge reden. Wo liegt das Geheimnis?

Ich denke, dass ein Erfolgsgeheimnis die enorme Erfahrung der Spielerinnen ist. Gerade gegen ein junges, aggressiv spielendes Team wie SC Rist Wedel hat uns die Routine und Cleverness geholfen, in kritischen Spielsituationen ruhig zu bleiben und den Sieg so einzufahren.

Sprechen wir über die Mannschaft.

Neben der Erfahrung haben wir im Vergleich zu den anderen Teams auf den großen Positionen mit vier Akteurinnen jenseits der 1,85 Meter physische Vorteile.

Wo sehen Sie Schwachpunkte?

Zu verbessern gibt es andauernd etwas in allen Bereichen, sonst wäre der Job als Trainer auch langweilig. In den ersten drei Partien offenbarten sich vor allem noch Defizite in unserer Team-Defense. Daran arbeiten wir seit einigen Trainingseinheiten intensiv. Zudem waren wir bisher nicht in der Lage, ein konstantes Niveau über die gesamte Spielzeit zu halten. Diese „Runs“ sind zwar natürlich bei einem Basketballspiel und machen seine Spannung aus, trotzdem müssen wir in der Zukunft diese „Hänger“ möglichst vermeiden.

Wie ist es für einen so jungen Trainer, in einer höheren, leistungsorientierten Spielklasse die Verantwortung zu tragen?

Ich bin glücklich, dass ich die Chance bekommen habe, in dieser Liga Verantwortung für das Team übernehmen zu dürfen. Nachdem ich die letzten vier Jungs von der U16 bis in den Herrenbereich begleitet habe, ist das jetzt natürlich eine völlig andere Konstellation. Neben den sportlichen Zielen versuche ich, für mich möglichst viel aus dieser Herausforderung als Trainer und Mensch mitzunehmen.

Wie tickt der Trainer Landwehr taktisch?

Eine wirkliche Spielphilosophie habe ich nicht. Ich denke, es wäre falsch, sich auf ein bestimmtes Spielkonzept zu versteifen– dann blickt man nicht mehr über den Tellerrand hinaus.

Vier Auftaktsiege sind nur eine erste Wegmarke. Dennoch: Welchen Einfluss hat der gelungene Start auf die weitere Zielsetzung? Wohin schielt der OTB?

Ganz einfach. Unser Ziel ist es weiterhin, das Maximale aus unseren Möglichkeiten zu machen. Es hat bisher gut getan, uns keine zu hohen Ziele zu stecken. Deswegen wäre es falsch, zu früh über eine mögliche Platzierung unter den ersten drei oder gar den Aufstieg zu spekulieren. Wir denken von Spiel zu Spiel und wollen uns stetig verbessern. Mal schauen, wohin die Reise geht.