Freundschaft zwischen Ost und West Die Grenzgänger vom TuS Glane

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Schwelgt gerne in Erinnerungen: Helmut Buschmeyer zeigt ein Foto der Vertragsunterzeichnung.Foto: PentermannSchwelgt gerne in Erinnerungen: Helmut Buschmeyer zeigt ein Foto der Vertragsunterzeichnung.Foto: Pentermann

Bad Iburg. Für die eine Seite hatte es sich um einen „internationalen Vergleich“ gehandelt, für die andere um ein ganz normales Freundschaftsspiel. So unterschiedlich die Wahrnehmung im Vorfeld auch gewesen war – nach dem Fußballmatch zwischen dem TuS Glane und der Betriebssportgemeinschaft Rotes Banner Trinwillershagen, das am 2. September 1988 stattfand, herrschte Einigkeit. „Es folgte die längste dritte Halbzeit, die Glane bis dato gesehen hatte, und es entstanden Freundschaften, die bis heute halten“, erinnert sich Helmut Buschmeyer, damaliger Vorsitzender des TuS Glane.

Zustande gekommen war das Duell auf Antrag der Glaner. „Irgendwann habe ich gegenüber Funktionären mein Unverständnis darüber zum Ausdruck gebracht, dass wir als Verein schon in England uns Israel waren, aber keinen Kontakt nach Leipzig oder Dresden haben können“, schildert der Iburger. Kurze Zeit später wurde das Aufeinandertreffen in den vom Deutschen Sportbund (DSB) und dem Deutschen Turn- und Sportbund der DDR organisierten deutsch-deutschen Sportkalender aufgenommen, der jährlich rund hundert Duelle zwischen Ost- und West-Vereinen vorsah.

Zwischen dem 2. und 4. September 1988 war es so weit: Eine Delegation von 22 Teilnehmern aus der 1300-Seelen-Gemeinde in Mecklenburg-Vorpommern verbrachte ihr Wochenende im Osnabrücker Land – darunter auch ein Mitglied der Staatssicherheit, wie Buschmeyer berichtet: „Die Stasi hatte Angst, dass Sportler flüchten und im Westen bleiben könnten. Bei uns ist dergleichen aber nicht passiert.“

75 D-Mark erhielten die Gäste aus Mecklenburg-Vorpommern vom DSB als Taschengeld. „Manch einer kaufte sich eine Schweizer Uhr, und als eine Gruppe in der Markthalle eine Bananenstaude sah, haben sie sich direkt eingedeckt“, erzählt er.

Der Gegenbesuch in Trinwillershagen, das zwischen Rostock und Stralsund liegt, folgte vom 23. bis 25. Juni 1989. Der Fall der Mauer sei zu diesem Zeitpunkt noch nicht absehbar gewesen. „Politik hat uns aber eh nicht interessiert. Die Wiedersehensfreude war entscheidend.“

Nach der Grenzöffnung luden die Glaner die Trinwillershagener erneut ein. Am 6. Januar 1990 wurde anlässlich des Glaner Drei-Königs-Cups spontan ein Freundschaftsvertrag geschlossen, mit dem Ziel, die Beziehungen aufrecht zu halten. „Wir haben die Wiedervereinigung wirklich gefeiert“, sagt Buschmeyer, der bis heute Freundschaften zu einzelnen Familien pflegt. Sein bester Freund aus dieser Zeit, Günter Sitte, früherer Vorsitzender von ‚Trin‘, ist allerdings im vergangenen Jahr mit 90 Jahren gestorben. „Zur Beerdigung sind meine Frau Annemarie und ich natürlich gefahren“, belegt Buschmeyer die enge Verbundenheit.

Die sportlichen Vergleiche endeten im Übrigen aus Sicht der Glaner 3:3 und 1:5. „Der Fußball war aber sowieso nur Nebensache. Der Austausch damals und die gesamten 25 Jahre danach waren eine Bereicherung für mein Leben“, betont Buschmeyer.


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