Acht WM-Medaillen gewonnen Fabian Hoffmeister – Ein Multitalent mit Fokus auf Basketball

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Osnabrück. Dafür, dass Fabian Hoffmeister über sich sagt, dass es ihm bei seinen vielfältigen sportlichen Aktivitäten vor allem um Spaß und nicht um Titelgewinne gehe, hat er von Letzteren ganz schön viele. Was aber auch kein Widerspruch ist, denn dem 16-Jährigen ist wichtig, sich kontinuierlich im Rollstuhlbasketball und Tanzsport weiterzuentwickeln. „Ich will meine persönlichen Ziele erfüllen“, sagt der ehrgeizige Osnabrücker. Für dieses Ziel investiert er pro Woche leidenschaftlich gerne zehn Stunden oder mehr.

Für positive Schlagzeilen hat Hoffmeister in seiner Sportlerkarriere schon einige Male gesorgt, zuletzt am vergangenen Wochenende in der 2. Bundesliga Nord im Rollstuhlbasketball. Spitz auf Knopf stand es im Auswärtsspiel des RSC Osnabrück bei Alba Berlin. 38:36 führten die Osnabrücker 45 Sekunden vor Ablauf des vierten Viertels, als Alba einen Wurf vergab und Dennis Nohl den Ball für den RSC gen gegnerische Hälfte abwehrte. Eine Situation, die wie geschaffen ist für den pfeilschnellen Hoffmeister, der sich das Spielgerät schnappte, der Alba-Abwehr auf und davon fuhr und per Korbleger das entscheidende 40:36 markierte. Mit dem dritten Sieg im vierten Saisonspiel steht der RSC vor dem Derbyheimspiel an diesem Sonntag (13.30 Uhr, Goetheringhalle) gegen die Emsland Rollis Baskets auf Platz zwei.

Nach zwei Oberligajahren mit der zweiten Herrenmannschaft ist Hoffmeister seit dieser Saison fest im Zweitliga-Kader. Einmal hatte er bereits in der Rückrunde der Vorsaison im Zweitliga-Team, das auf Platz drei abschloss , ausgeholfen. Dass er drei Sekunden nach seiner ersten Einwechslung seinen ersten Korb für die erste Mannschaft erzielte, sorgte für Jubel.

„Fabian ist unser Küken, auf das wir alle stolz sind“, sagt Leistungsträger Nohl. Anfangs noch schüchtern, habe sich der 16-Jährige längst im Kreis der älteren und routinierteren Mitspieler etabliert. Nicht nur sportlich. „Fabian hat stets einen lustigen Spruch auf den Lippen“, äußert Nohl. Ob Schüchternheit der passende Ausdruck für die anfängliche Zurückhaltung im Mannschaftskreis ist? „Ich bin keiner, der im Mittelpunkt stehen muss. Ich habe mir erst mal einen Überblick verschafft, um dann meinen passenden Platz in der Mannschaft zu finden“, beschreibt es Hoffmeister, der erste Anfragen aus der 1. Liga ablehnte. „Ich bin in Osnabrück verwurzelt und starte hier 2015 meine Ausbildung zum Bauzeichner“, erklärt er.

Für RSC-Trainer Frits Wiegmann ist der Schüler der Erich-Maria-Remarque-Schule „ein Spieler, der für Furore sorgen wird“. Noch gebe es einiges dazuzulernen. Das
Team unterstützt ihn dabei. Fast schon zu intensiv. „Jeder der Erfahrenen will ihm etwas sagen. Das ist zu viel und sorgt, auch wenn es gut gemeint ist, eher für Verunsicherung. Der Junge soll auf mich hören“, sagt sein Trainer mit leichtem Augenzwinkern.

Die Schnelligkeit des Heranwachsenden – es gibt kaum flinkere Rollstuhlbasketballer in Deutschland – und Verteidigung seien ausgeprägt stark. „Sein Schuss ist dagegen noch ausbaufähig“, so Wiegmann. Was Hoffmeister, der im Schnitt der ersten Spiele mehr als 30 Minuten zum Einsatz kam, ähnlich sieht: „Nach meiner Verletzung im Mai und der gut zweimonatigen Sportpause habe ich das alte Wurfgefühl leider noch nicht ganz wiedergefunden.“

Die Verletzung am kleinen Finger der linken Hand hatte er sich ausgerechnet kurz vor dem deutschen Junioren-Länderpokal in Bonn zugezogen. Acht Wochenenden lang hatte sich das Talent mit dem NRW-Kader auf dieses Turnier vorbereitet. Im letzten Training vor der Abreise kam es zum Rückschlag, Hoffmeister musste schweren Herzens absagen: „Ich habe im NRW-Kader sehr viel gelernt. Schade, dass ich es nicht weiter vertiefen und verinnerlichen konnte.“ Wenn der NRW-Kader im kommenden Frühjahr wieder zusammenkommt, will der Flügelspieler die nächste Chance nutzen.

Genutzt hat er diese längst im Tanzsport. Im Para-Hip-Hop hat er mit der Formation Stay Phazzed den Weltmeistertitel von 2012 zweimal verteidigt, was auch die Stadt Osnabrück mit goldenen Ehrennadeln auf den Jugendsportlerehrungen würdigte. Mit der „Small Group“ No Pity, die er jüngst verlassen hat, fuhr der Jugendliche in dieser Zeit zwei WM-Siege ein. Darüber hinaus führte Hoffmeister mit der Patsy & Michael Hull Foundation seit 2005 zwei integrative Musicals mit 1000 Tänzern in zahlreichen deutschen Städten auf. Für das dritte Musical, das im Herbst 2015 in zehn deutschen Städten aufgeführt wird, sind die Proben bereits angelaufen.

Als Tanz-Ikone Patsy Hull vor zwei Jahren anregte, dass sich Hoffmeister auch im Paar-Standardtanz versucht, war dieser gleich aufgeschlossen. Mit der Fußgängerin Karoline Dütemeyer trainiert er Discofox, Cha-Cha-Cha, den langsamen Walzer und Samba. Ihr erster Wettkampf war vor anderthalb Jahren der Internationale Deutschland-Pokal in Berlin. „Beim Tanzen geht es mir hauptsächlich um Spaß, auch in der Gemeinschaft. Beim Basketball ist schon eine gute Portion Ehrgeiz dabei“, so der von Geburt an am Rückenmark geschädigte Hoffmeister.

Seine allererste WM hatte er bereits 2011 bestritten – in der Leichtathletik, die ihn von 2010 bis Anfang 2012 stark beanspruchte. Bei der Junioren-WM in Dubai hatte er die Silbermedaille über 400 Meter sowie Bronze über 100 und 200 Meter gewonnen. Doch nach der erfolgreichen WM-Teilnahme nahm er allmählich Abschied von den Spurtwettbewerben. „Leichtathletik zu trainieren und dazu die Wettkämpfe – das war schon Hochleistungssport. Es wurde mir zu viel, auch zeitlich“, erinnert sich Hoffmeister. Er musste sich entscheiden. Ihm war ziemlich schnell klar: Weder aufs Tanzen bei Hull noch auf das Basketballspielen beim RSC, in dem er seit 2005 trainiert, wollte er verzichten.

Wenn nicht vieles täuscht, wird Hoffmeister weiterhin viel von sich reden machen. Auch wenn ihm das nicht so wichtig ist wie einfach Spaß am Sport und seiner persönlichen Weiterentwicklung zu haben. Oder gerade deshalb.


Fabian Hoffmeister nimmt Stellung:

Basketball ist…

…meine Leidenschaft. Hier kann ich mich auspowern und mich für meine Mannschaft einsetzen.

Der VfL Osnabrück…

…bedeutet mir mit allen Höhen und Tiefen sehr viel. Seit zehn Jahren bin ich bei jedem Heimspiel dabei. Ich freue mich sehr, dass Addy Menga wieder beim VfL ist.

Dass meine Schulzeit bald endet…

… macht mich nicht sonderlich traurig. Ich freue mich auf meine Ausbildung zum Bauzeichner.

Zur Abwechslung von Schule und Sport…

bin ich viel mit meinen Freunden unterwegs.

Das integrative Tanzen bei Hull…

ist etwas ganz Besonderes. Das Miteinander und der Umgang zwischen allen Beteiligten ist einzigartig und sorgt für eine außergewöhnliche Stimmung.

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