Moderne Wege, alte Werte TSG Burg Gretesch – Tradition trifft Innovation

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Osnabrück. Der Sportpark Gretesch liegt inzwischen im Dunkeln, das muntere Gespräch bei der TSG ist in der Verlängerung. „Aber die Halle und das Fitnesszentrum musst du noch sehen“, sagt Jürgen Bußmann, „los, wir fahren eben hin, und ich zeig dir alles.“ Es ist wie so oft bei der TSG Burg Gretesch: Wenn dieser entschlusskräftige Mann etwas vorschlägt, ist man dabei…

Der Weg lohnt sich, denn was am Waldrand nahe der Waldschule entstanden ist, ist nicht nur schön anzusehen. Die Sporthalle, die als Umbau des Waldbades zunächst errichtet wurde, bekam 2009 als Anbau ein Gesundheits- und Fitnesszentrum.

Die Maßnahmen sind Symbol für die Entwicklung, die die „Turn- und Sportgemeinschaft“ genommen hat: Ein traditionsreicher Verein sucht seinen Weg in die Zukunft – mit smarten Bauvorhaben, innovativen Angeboten und modernen Methoden. Und alten Werten.

Wer in Osnabrücker Sportlerkreisen „TSG Burg Gretesch“ hört, denkt – allein schon wegen des Papiermühlenturms im Wappen – an die dem Verein seit Jahrzehnten verbundene Firma Schoeller – und an hochkarätige Leichtathletik, Frauenfußball mit Pioniergeist und Schwimmfeste mit Masse und Klasse. Das alles gibt es immer noch, doch längst viel mehr. Wir reden über Yoga im Seniorenheim, die lebensnahe Ernährungsberatung der Abteilung „Energiebahn“ unter der Regie von Brigitte Schäfer und Rope-Skipping.

Dahinter steht ein Bekenntnis zum Sport als Mittel zum Ausgleich, zum Spaß und zur Gesundheit. Und ein Jein zum Spitzensport. Die Leistung gehört auch bei der TSG dazu; der Weg zur Spitze wird den Talenten bereitet, doch herausragende Investitionen in Topteams oder einzelne Athleten mit dem Ziel, öffentliche Aufmerksamkeit auf den Verein zu lenken, sind nicht vorgesehen.

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„Bewegung von gestern ist Sport von heute – sei fit für morgen.“ Unter diesem Motto feierte die TSG 2007 ihr 100-jähriges Bestehen. Der Satz wird von qualifizierten Übungsleitern, erfahrenen Abteilungsleitern und hauptamtlichen Sportlehrern umgesetzt. „Unsere Werte sind Tradition, Kompetenz und Zuverlässigkeit“, sagt Bußmann, der in einem vierköpfigen Führungsteam ohne Ressortzuordnung der Erste unter Gleichen ist: „Wir wollen ein Angebot für die ganze Familie machen – in familiärer Atmosphäre.“

Für die Tradition des Gesundheitssports steht die Klöckner-Gruppe von Mechthild Karrenbrock, die Frührentner der Stahlwerksbelegschaft zum Sport animierte, und die Herzsportgruppe, 1980 von TSG-Urgestein Willi Freier gegründet.

Der Konkurrenz durch kommerzielle Studios begegnete die TSG mit einem mutigen Schritt: 2009 entstand das Gesundheits- und Fitnesszentrum „proaktiv“als Anbau an die neue Halle. „Wir sahen die Gefahr, dass wir ältere Sportler an die Studios verlieren“, sagt Sportlehrer Stephan Santaniello, „dem setzen wir ein hochwertiges Angebot entgegen, mit Beratung und Betreuung.“

Das Risiko hat sich gelohnt, mit Blick auf „proaktiv“ spricht Bußmann von der Nähe zur schwarzen Null. Seit seinem Antritt 1999 hat die TSG über 900000 Euro in die Anlagen investiert, mit Unterstützung der Stadt und in Eigenleistung ist der Sportpark mit der Außenstelle am Waldbad zu einem Schmuckstück geworden. Ein Nachteil ist es nicht, dass neben Bußmann mit Philipp König ein weiterer Ingenieur mit Erfahrung als Bauunternehmer im Vorstand ist. Der nächste Wunschtraum: eine Tribüne, unter deren Dach 800 Zuschauer Platz finden und die Leichtathleten trainieren können.

Die Leichtathleten, seit Jahrzehnten von dem nimmermüden Ehepaar Anton und Mechthild Siemer betreut, liefern in der LGO Spitzenleistungen. Das gilt auch für die Schwimmer unter der Regie von Volker Willmann und Jörg Schober und für die Fußballerinnen: Die TSG war hierzulande Vorreiter und behauptet sich seit Jahren in der Regionalliga.

Doch es geht auch im Alltag der Abteilungen nicht nur um Ergebnisse. „Wir stehen für einen ganzheitlichen Ansatz. Sport ist auch Erziehung, wir zeigen den Kindern Alternativen auf“, sagt Anton Siemer. Eine allzu frühe Spezialisierung lehnen die Verantwortlichen ab, Wert gelegt wird auf eine umfassende Bewegungsschulung und Grundlagenbildung, wie Sportlehrer Alexander Kork, verantwortlich für den Fußball, erläutert: „Deshalb geht es bei uns im Fußball und den anderen Ballsportarten erst mit sieben Jahren los.“

So sieht er also im Detail aus, der „eigene Weg“, den die Gretescher gehen. Dabei ist im Osten der Stadt ein moderner Großverein gewachsen, der keinen Vergleich scheuen muss. Nicht erst seit der Verschmelzung mit dem SV Schinkel 04 vor neun Jahren gehört der bevölkerungsreiche Stadtteil Schinkel ebenso zum TSG-Einzugsgebiet wie Lüstringen, Voxtrup, Bissendorf und Belm.

Begonnen hatte alles 1907, als 17 Sportler den Arbeiter-Turn-Verein Gretesch-Lüstringen gründete. Einer von ihnen war Friedrich Bußmann, der Großvater des heutigen Vorsitzenden.


TSG Burg Gretesch

Helmut-Stockmeier-Straße 3, 49086 Osnabrück.

Sportpark Gretesch mit zwei Rasenplätzen und einem Hartplatz (alle Flutlicht), Kunststoffbahn, drei Tennisplätzen. Klubhaus (mit Gastronomie), Gymnastikhalle, Sauna, Geschäftsstelle, Gesundheits- und Fitnesszentrum.

Präsidium und Co.

Jürgen Bußmann (66, Diplom-Ingenieur, Foto), Philipp König (64, Diplom-Ingenieur, Geschäftsführer), Sabine König (41, Diplom-Ingeneurin), Wolfgang Klenner (56, Rechtsanwalt). – Abteilungsleiter: Gabi Reimer (Ballett), Gerd Busch (Basketball), Peter Meckfessel (Bogensport), Alexander Kork (Fußball Männer), Tanja Rieger (Frauen), Philipp Karow (Handball), Peter Mithöfer-Kuhr (Judo), Mechthild Siemer (Leichtathletik), Britta Szypulski (Rope-Skipping), Volker Willmann, Jörg Schober (Schwimmen), Hans-Georg Middendorf (Sportabzeichen), Xenia Miete (Tennis), Ingo Nilsson (Tischtennis), Matthias Hornung (Triathlon), Silke Hellmer (Volleyball).

Mitarbeiter

Mechthild Karrenbrock (Gymnastiklehrerin), Stephan Santaniello (Sportlehrer, Leiter TSG proaktiv), Alexander Kork (Sportwissenschaftler), Patrick Jochmann, Kirsten Hollenberg, Jutta Stockmann (Geschäftsführerin), Alexander Nevgo, Johannes Miete. Dazu sechs 400-Euro-Kräfte, 35 lizenzierte Übungsleiter und 120 Ehrenamtliche.

Historie

1923: Saal der „Ludwigshalle“ als erste Turnhalle.

1928: Sportplatzbau neben der Ludwigshalle.

1952: Turnhalle Waldschule wird eingeweiht.

1965: Eröffnung des Gretescher Hallenbades.

1970: Bau des Sportparks mit der ersten norddeutschen Kunststoffbahn.

2000: Aus dem Hallenbad wird eine Sporthalle.

2005: Verschmelzung mit Schinkel 04.

2009: Fitnesszentrum „proaktiv“ eröffnet.

Frühere Präsidenten

Heinrich Lübbert (1946– 1957), Friedel Lübbert (1957–1966), Waldemar Burghard (1966–1972), Walter Schneider (1974– 1978), Harald Koch (1978– 1983), Helmut Künnecke (1983–1985), Eckhard Fasold (1985–1998) Gernot Morchel (1998–1999).

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