Training in den USA über OTB Hürdensprinter Riemann: Es geht gerade erst los

Schnell, schneller, Riemann: Der OTB-Hürdenläufer will sich auch im Männerbereich steigern. Foto: GörlitzSchnell, schneller, Riemann: Der OTB-Hürdenläufer will sich auch im Männerbereich steigern. Foto: Görlitz

Osnabrück. Alle zwei Wochen meldet sich Johannes Riemann bei Friedhelm Peselmann. Aus den USA. Und teilt ihm seine Trainingsergebnisse mit. „Das macht auch nicht jeder“, sagt der Leichtathletik-Coach des OTB, der den 23-jährigen Hürdensprinter und DM-Teilnehmer aus der Ferne betreut und ihm kontinent-übergreifend Tipps gibt.

Riemann studiert an der Queens University in Charlotte BWL. 2015 will er seinen Bachelor machen und im Marketing Fuß fassen. Seine Leidenschaft, die Leichtathletik, vernachlässigt er trotz des Studienstresses nicht. Der Sport hat ihn als Persönlichkeit geprägt. Und eine böse Verletzung. „Der Kreuzbandriss 2010 ist vielleicht das Beste, was mir passiert ist. Ich habe danach einen unglaublichen Willen entwickelt. Man kann auch aus aussichtlsosen Situationen was machen. Vielleicht kann ich diese Erfahrung mal auf meinen Beruf übertragen“, hat der Student aus der schlimmen Zeit jene Energie gezogen, die ihn danach besser werden ließ.

Ein halbes Jahr musste Riemann nach der Operation pausieren. Er kam langsam, aber mit frischem Selbstvertrauen zurück. Vielleicht war es die neue Umgebung, die ihn zusätzlich motivierte. 2011 bekam er ein Sportstipendium am Bethany College in Kansas. „Das war Abenteuer pur, den Sport in den USA hautnah zu erleben“, beschreibt der flotte Athlet seine Eindrücke.

Und er genoss die neue Umgebung. Über 110 m Hürden qualifizierte er sich für die nationalen Hochschulmeisterschaften und gewann in neuer Bestzeit von 14,78 Sekunden seinen ersten College-Wettkampf. „Ich bin fasziniert von dieser Disziplin, weil ich allein für mich verantwortlich bin“, begründet der Läufer seine Entscheidung für diese anspruchsvolle Distanz, über die er bei den deutschen U-23-Meisterschaften in Göttingen überraschend ins Finale einzog und Platz acht belegte.

„Er ist sehr ehrgeizig“, schätzt Peselmann an Riemann dessen Eifer. Nach seinen und den Vorgaben des amerikanischen College-Coaches trainiert er morgens ab 7 Uhr, ehe er in den Hörsaal muss. „Er ist ein Typ, der in die Welt passt. Wenn er etwas macht, macht er es richtig“, sagt Heimtrainer Peselmann, der Riemann zunächst für untalentiert hielt. „Er kam mit 13 zu mir, und ich habe ihn bei einem Hallensportfest in Bielefeld eingesetzt. Ich dachte, wieder einer, der das Team für die Mannschaftsmeisterschaften der Jugend auffüllt. Körperlich war er noch nicht so weit, aber er hat sich gewaltig reingekniet und gesteigert.“

Sogar so gravierend, dass er an der Queens-Universität in Charlotte, wohin er im Sommer 2013 gewechselt war, gleich einen Unirekord aufstellte. 14,44 Sekunden bedeuteten nicht nur die Qualifikation für die deutschen Meisterschaften, sondern auch den Start an den US-Collegemeisterschaften in der Division II. Ein besonderes Erlebnis war die Teilnahme an den PennRelays vor fast 50000 Zuschauern in Philadelphia. Riemann hielt zu diesem Zeitpunkt fünf Uni-Rekorde, drei davon über die Hürden (60 m, 110 m und 400 m). Nach seiner Rückkehr nach Deutschland nahm er erstmals an einer Männer-DM teil und wurde in Ulm 13. In einer Zeit von 14,76 Sekunden.

Bis Mai 2015 ist Johannes Riemann auf jeden Fall in den USA. „Es kann sein, dass er da bleibt. Ich finde es bärenstark, wie er das macht“, lobt Peselmann den gebürtigen Kölner. „Manchmal habe ich das Gefühl, es geht gerade erst los“, hat sich der OTB-Athlet viel vorgenommen – in den USA und für mögliche Starts in Deutschland. Über seine Erlebnisse berichtet Riemann übrigens in seinem nicht ganz ernst gemeinten Blog joeyseck.wordpress.com.


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