Mehrfacher Lückenschluss Osnabrücker Turnerbund investiert zwei Millionen Euro am Vereinssitz

Von Johannes Kapitza


Der Osnabrücker Turnerbund wagt den Lückenschluss und steckt knapp zwei Millionen Euro in seinen Vereinssitz an der Oberen Martinistraße. Gefüllt wird damit nicht nur eine Baulücke, sondern auch ein Vakuum im Sportangebot.

900 Quadratmeter Fitnessbereich entstehen auf zwei Etagen. Im Erdgeschoss finden Geräte Platz, im ersten Stock zwei Räume für Fitnesskurse. „Wir haben bislang einen kleinen Kraftraum, in dem man ein bisschen trainieren kann, aber die Mitglieder, die mehr wollen, gehen in andere Fitnessstudios“, sagt Geschäftsführerin Kirstin Gnoth, „diese Mitglieder wollen wir künftig hier behalten“.

Im Blick hat die Vereinsführung vor allem die 30- bis 50-Jährigen – eine unterrepräsentierte Altersgruppe unter den rund 2400 Mitgliedern. „Die Anforderungen verändern sich“, sagt Vorsitzender Matthias Strauß. „Die Leute wollen individueller trainieren, von morgens bis abends sieben Tage die Woche und nicht mehr nach festen Zeiten.“ Der OTB will außerdem den Wunsch erfüllen, dass Eltern, wenn sie ihre Kinder in die Kinderwelt gebracht haben, gleich vor Ort Sport treiben können, statt zum nächsten Fitnessstudio fahren zu müssen. Außer der Fläche für individuelles Gerätetraining wird auch das Kursangebot (bislang 32) ausgebaut.

Das Gebäude, das insgesamt 1200 Quadratmeter Fläche bietet, fügt sich in den verwinkelten Baubestand ein und schließt die Lücke zwischen Hauptgebäude und der „Halle 13“, „sodass wir demnächst einen Komplex haben und nicht mehr mehrere Hallen nebeneinander“, freut sich Gnoth. Auch der neue Empfangsbereich soll die Orientierung beim OTB erleichtern. „Man braucht manchmal schon einen Plan, um einen bestimmten Raum zu finden“, gibt Strauß zu, „die Baugeschichte aus mehreren Abschnitten lässt sich nicht ganz abtragen, aber wir vereinfachen sie ein bisschen.“

Apropos Baugeschichte: Bevor die ersten Arbeiten im Juli dieses Jahres begannen, musste der OTB erst mal den „Fluch des Baus im Bestand“ ablegen. Die Vermutung, auf dem Gelände könnte eine Weltkriegsbombe liegen, bestätigte sich nicht. Dafür fand sich unerwartet ein zusätzlicher unteririscher Öltank, der entsorgt werden musste, und „bei den Arbeiten ist einige Male die Telefonleitung erwischt worden, weil sie nicht da lag, wo sie liegen sollte“, sagt Strauß, der trotz der Unwägbarkeiten lachen kann: „Wir sind bislang im Kosten- und Zeitrahmen geblieben.“ Bis zum Silvesterlauf sollen die Rohbauarbeiten abgeschlossen werden, das gesamte Gebäude soll im Frühjahr fertig sein.

Ein „nicht unerheblicher Teil“ der Investition fließt dem OTB zufolge in Brandschutzmaßnahmen im Altgebäude. Die städtischen Auflagen seien Voraussetzung für die Baugenehmigung gewesen. Von den rund zwei Millionen Euro Bausumme bekommt der OTB „als erster Verein in Osnabrück eine Bestandsentwicklungsförderung vom Landessportbund“, erklärt Gnoth. Die 100000 Euro „helfen natürlich“, genau wie der städtische Zuschuss, den der Verein in noch unbekannter Höhe erwartet. Den Rest trägt der OTB.

„Wir haben sehr gut gewirtschaftet“, stellt Strauß fest. Seit 2010 hat der Verein rund eine Million Euro in Dach, Heizung, Fenster und Hallenboden investiert. „Wir haben schon Dinge im Blick, die wir noch machen müssen“, blickt Gnoth voraus, „aber wie schnell sich das realisieren lässt, müssen wir noch sehen.“ Erst einmal ist der Neubau für den OTB und seinen Vorsitzenden Strauß „eine Maßnahme, um weiterhin so gut dazustehen wie bisher“.