Schwimm-Interview mit Markus Erth „In Australien mehr Unterstützung als hier“

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Markus Erth. Foto: GründelMarkus Erth. Foto: Gründel

det Osnabrück. Von 2005 bis Ende 2009 war Markus Erth Chefcoach der SG Osnabrück. Dann erfüllte er sich mit der Auswanderung nach Australien einen großen Traum. Der 40-Jährige ist Headcoach des City of Sydney Aquatic Club, zudem Schwimmdirektor des Scots College. Im Interview spricht Erth über seine neue Heimat, den Besuch seiner alten Wirkungsstätte mit 15 australischen Schwimmern und die Unterschiede in Mentalität und Schwimmtraining.

Herr Erth, wer hatte die Idee zu diesem Besuch, der als Austausch geplant ist?

Als Janina Braun, meine Nachfolgerin bei der SGO, vor einem Jahr in Australien war, kamen wir darauf. Ich habe mich bei den Eltern meiner Schwimmer erkundigt, ab November wurde aus der Schnapsidee ein Projekt.

War intensive Überzeugungsarbeit nötig?

In Australien sind größere Reise ohne Eltern absolut ungewöhnlich. Wir haben sofort begonnen, über die moderen Medien Kontakt zwischen den Kindern und Jugendlichen hier und dort aufzubauen. Einige hatten trotzdem die ersten zwei Tage in Deutschland Heimweh. Letztlich haben es aber alle geliebt, hier zu sein.

1998 waren Sie erstmals in Down Under. Was reizt Sie am fernen Kontinent?

Der Mix aus der Leere in den Outbacks und dem pulsierenden Leben in den riesigen Städten ist faszinierend. Als ich 2009 das Angebot bekam, dort zu trainieren, habe ich nicht lange überlegt.

Wo liegen die Mentalitätsunterschiede?

Die Australier sind viel nationalbewusster und lockerer als die Deutschen. Wenn ein australischer Klemptner sagt, er komme irgendwann mal, dann kommt er auch wirklich irgendwann. (lacht)

Schwimmen ist in Australien Nationalsport.

In Australien lernt jedes Kind, richtig zu schwimmen. Fernsehpräsenz und Sponsoren sind viel größer. Ich habe drei hoffnungsvolle Schwimmer, die monatlich mit 800 Euro unterstützt werden. Hier bekommen die großen Talente viel, viel weniger.

Wird viel mehr trainiert?

Ja, in Australien trainieren die ambitionierten 13- bis 17-Jährigen fast doppelt so viel. Sie sind an sechs Tagen vor der Schule von 5 bis 7 Uhr im Wasser und nochmal von 16 bis 18 Uhr. Die Kosten sind nicht ganz so hoch wie hier mit Mitgliedschaft, Beteiligungen an Schwimmbahnmiete, den Trainerkosten, Startgeldern, Wettkampf- und Trainingslagerreisen.

Sie waren bei der SGO-Vorsitzenden Hilde Bergmann untergebracht. Haben Sie in alten Zeiten geschwelgt?

Es waren vier tolle Jahre. Ich musste nur die Strukturen verbessern. Das Potenzial war da. Zunächst besonders bei den Mädchen, die Lust hatten, die TSG Burg Gretesch als schwimmerisches Aushängeschild abzulösen. Ihr Zweitligaaufstieg 2007 war auch für mich der größte Erfolg. Wir haben mehr Wert auf Jugendarbeit gelegt.


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