Keine Ehrfurcht vor Bayern Geschäftsführer Watzke über den Dortmunder Weg

Erklärte den BVB: Hans-Joachim Watzke. Foto: KemmeErklärte den BVB: Hans-Joachim Watzke. Foto: Kemme

Osnabrück. Würde es für Borussia Dortmund im Fußball immer so glatt laufen wie für BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke auf Vortragsreise, wäre die Meisterschaft in der Bundesliga spannender: Watzkes Gastspiel an der Hochschule Osnabrück auf Initiative des Ehemaligen-Netzwerks „wiconnect“ wurde am Donnerstagabend zum Kantersieg, bei dem er mit Charme und Wortwitz auch die Zuhörer gewann, die nicht mit schwarz-gelben Accessoires gekommen waren.

„Maximaler Erfolg bei Vermeidung der Insolvenz“ – dieser Spagat ist nicht nur Fans des VfL Osnabrück bekannt, sondern auch Watzke musste sich nach dem Antritt als Geschäftsführer beim BVB strecken. Der Verein stand 2006 vor der Insolvenz. Watzkes Optionen: „Die Situation zu drehen oder den Klub ordentlich zu beerdigen.“ Das Ergebnis ist bekannt.

Aus dem Erfolgsrezept machte Watzke in Osnabrück kein Geheimnis, auch in dem Bewusstsein, dass „der ein oder andere Fan des VfL “ zuhörte: „Wir haben eins gemacht: Wir haben gespart.“ Dieser Kurs sei nicht angenehm, müsse aber den Fans abverlangt werden, die typischerweise nicht zuerst auf die wirtschaftlichen Aspekte, sondern die sportlichen Ergebnisse schauen würden. Der BVB kürzte den Spieleretat von 57 auf 24 Millionen Euro. „Da wirste nicht automatisch Meister, klar. Wir wussten um die Dramatik abzusteigen. Dann wäre der BVB in die Insolvenz gegangen“, sagte Watzke. Zum rigorosen Sparkurs habe es keine Alternative gegeben. Das gilt bis heute: „Wir kaufen keine Weltklassespieler. Wir machen Weltklassespieler“, antwortete er auf die Frage, ob nach dem Weggang von Robert Lewandowski Millionen in einen Spieler von internationalem Format investiert werden.

Mit seiner ehrlich-offenen Art, kombiniert mit ein paar Spitzen gegen den Nachbarklub aus Gelsenkirchen und den Branchenprimus Bayern München , hatte Watzke die 600 Gäste auf seiner Seite. 30 Minuten Vortrag, 30 Minuten Fragestunde – danach machte er sich wieder auf den Weg nach Dortmund. Nicht ohne vorher klargemacht zu haben: Im „Kapitalismus pur“ der Bundesliga geht es auch ums Geldverdienen, „aber Sie dürfen den Kommerz nicht ins Uferlose treiben. Bei aller Gewinnmaximierung müssen Sie Werte haben und diese Werte leben.“ Watzke verzichtete in Osnabrück auf eine Gage. Die Eintrittsgelder werden gespendet.

Nichts zu verschenken hatte Watzke an die Konkurrenz aus München. Die Bayern hätten sich ihren Erfolg erarbeitet, „aber es ist nicht meine Aufgabe, Ergebenheitsadressen nach München zu schicken“. Auf Dauer wolle sich der BVB als zweiter Leuchtturm im deutschen Fußball etablieren, „und über kurz oder lang wollen wir sie auch mal wieder schnappen“, lautete Watzkes Kampfansage: „Sollen wir anerkennen, dass München die nächsten 20 Jahre Meister wird? Nö. Das machen wir nicht.“


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