Mehr als 600 seit 1989 Deshalb läuft ein 62-Jähriger aus Wallenhorst Marathon

Von Peter Vorberg


Wallenhorst. Wenn er gemütlich auf der Couch sitzt, geht man nicht unbedingt davon aus, dass Gerd Junker Ultraläufer ist. Entspannt plaudert der 62-Jährige über seine Passion: das Laufen, seinen Antrieb, seine Grundprinzipien und vor allem über Anekdoten aus seinem erlebnisreichen Sportlerleben.

Den Urlaub legt Junker gerne nach dem ein oder anderen Lauf-Event, wie er anschaulich beschreibt. „Ich und meine Frau waren mal am Gardasee. Dort bin ich am Sonntagmorgen um 4 Uhr los und habe den Ferrara Marathon absolviert. Anschließend gab es dann erst den Urlaub.“ Apropos Urlaub, da hat Junker so seine eigenen Vorstellungen. „Badeurlaub, nee, ist überhaupt nichts für mich. Eine Kreuzfahrt? Höchststrafe!“

Ständig aktiv und bescheiden

Der beruflich in der Mineralölbranche tätige Junker ist ständig aktiv und stets bescheiden. „Für mich reicht die Jugendherberge. Alles darf einfach sein, das gefällt mir. Gerade die kleineren Läufe sind toll – alles nette Leute, viele tolle Begegnungen. Das macht mehr Spaß als die ganz großen Marathons.“

Ehefrau Annette lässt ihn fast immer alleine laufen. Einmal absolvierten sie jedoch gemeinsam den Berlin Marathon. Tradition hat zudem der gemeinsame OTB-Silvesterlauf. Junker führt akribisch ein Laufbuch mit Ort, Strecke, Gewicht, Wetter, Laufpartner und sogar dem benutzten Schuhwerk. „Angefangen habe ich mit normalen Turnschuhen, die hatten lediglich Gummisohlen. Meine ersten Laufschuhe kosteten 100 Mark und waren blau.“

Läufe in New York oder Südafrika

Der ehemalige Handballer aus dem Ruhrgebiet wechselte 1987 die Sportart, als er mit dem Rauchen aufhörte. Damals wog Junker 20 Kilo mehr als heute. Im ersten Jahr gelangen ihm erstmals zehn Kilometer am Stück. 1989 hatte er in Hamburg seine Marathon-Premiere. Es folgten unzählige Highlights wie der New York Marathon, der „Comrades Ultra“ in Südafrika, die 100 Kilometer von Biel (Schweiz), der 100 Meilen-Mauerweglauf in Berlin, der „Fedelitas Nachtlauf“ im Schwarzwald über 80 Kilometer und der Transalpine-Mehr-Etappenlauf quer über die Alpen. „Nach dem Marathon wollte ich gucken, ob noch mehr geht – und schon kamen Ultraläufe dazu“, so Junker, der viel zu berichten weiß. „Beim Comrades Ultra von Durban nach Pietermaritzburg im Jahr 2016 haben 14000 Teilnehmer gefinisht – trotz Cut-Zeiten. Immer wieder wurden Leute knallhart rausgewunken – wir haben es geschafft. Um 5.30 Uhr war Start, es war schweineheiß. Das Ziel nach 90 Kilometern habe ich mit meinem Kumpel HaWe Rehers nach 11:54 Stunden erreicht, 12 Stunden war die Maximaldauer.“

Nach dem Transalpine Run gleich der Münster-Marathon

Auch der Transalpine Run hatte seine eigene Episode. Nach acht Etappen und dem Zieleinlauf ging es ab ins Auto und direkt durch die Nacht zum Münster-Marathon. „Das war wie Erholung nach den vielen Höhenmetern in den Tagen davor“, schmunzelt Junker.

In Biel hat der Wallenhorster sechsmal die 100 Kilometer absolviert. Zweimal wagte er sich an den Triple-Marathon (drei Marathons hintereinander) im niederländisch-deutschen Grenzgebiet. 2018 gehörte der „MUM“, der Moravsky Ultra in Tschechien, mit sieben Marathons an sieben Tagen, zu seinen Herausforderungen. „Ich laufe jedoch am meisten in Deutschland, über die Jahre habe ich das Land unheimlich schätzen gelernt. Hier ist es im Gegensatz zum Ausland alles sehr geordnet“, so Junkers Erfahrungen.

2019 hat Junker wieder eine Menge vor

2018 waren es 67 Marathons oder Ultras, die in Junkers Laufbuch notiert sind. „An meinem Geburtstag bin ich auch gelaufen. An einer Ecke haben mir 500 Leute mit Applaus gratuliert, als der Sprecher das ansagte“, so eine weitere kleine Randgeschichte. Auch der Terminkalender 2019 ist dicht gefüllt. Von Karfreitag bis Ostermontag sind vier Marathons in Kassel und Northeim geplant. Zudem will Junker den Rennsteiglauf über 73,9 Kilometer, die 100 Kilometer von Biel sowie den „Dodentocht“ über 100 Kilometer in der Nähe von Antwerpen (Belgien) in Angriff nehmen. „Jedes Wochenende geht es los, am 31. März habe ich in Wallenhorst sogar ein Heimspiel.“ Aus Anlass der Jahreshauptversammlung des „100 Marathon Clubs“, dessen 2. Vorsitzender er ist, organisiert Junker den 3. Wallenhorster Marathon für einen elitären Kreis. Vom Gasthaus Witte wird eine Sieben-Kilometer-Runde durch Hollage führen.

„Laufen ist für mich Erholung von meinem Alltag, da sitze ich viel im Büro. Wichtig ist, dass ich gesund bin und das auch noch länger bleibe“, erklärt Junker abschließend seinen inneren Antrieb. „Bei den Rennen will ich unbedingt den Zähler haben, den nächsten Marathon auf meinem Konto. Zeiten sind unwichtig.“


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