Emotionaler Abschied nach 59 Jahren 80-jährige Seil legt den Volleyball aus der Hand

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Osnabrück. Einen emotionalen Abschied bereiteten 18 Frauen aus der Donnerstagsgruppe des Osnabrücker SC der ehemaligen Nationalspielerin Hedda Seil. Nach 59 Jahren Volleyball zunächst als Studentin, dann beim Osnabrücker TB und OSC frönte Seil zwei Tage nach ihrem 80. Geburtstag letztmals ihrer großen Leidenschaft.

„Ich hatte mir schon länger vorgenommen, mit dem Volleyball Schluss zu machen, wenn es mir gut geht. So habe ich die Erlebnisse vielleicht noch besser in Erinnerung, als wenn mich Verletzungen oder eine Krankheit zum Aufhören zwingen“, sagt Seil, die mit dem 80. Geburtstag und dem Umzug von GMHütte in das ausgebaute Ferienhaus am Dümmer den Zeitpunkt des Endes ihrer aktiven Zeit als Sportlerin passend findet. Ihr Mann Helmut Seil, auch ein Urgestein der Donnerstagsgruppe, will noch bis Januar am Ball bleiben.

Als Kind und Jugendliche hatte sich Seil sportlich dem Turnen und der Leichtathletik verschrieben. Als sie sich während ihres pädagogischen Studiums in Osnabrück 1959 der Volleyballgruppe um Sportdozentin Marianne Weber, 1952 Olympiateilnehmerin im Kugelstoßen und Diskuswerfen, anschloss, „musste ich mich an eine Herausforderung gewöhnen: Erstmals war ich nicht mehr Einzelsportlerin, sondern Teil einer Mannschaft.“

Der Anfang war für die Gruppe holprig, denn auch Trainerin Werner war Volleyballanfängerin. „Wir hatten zu der Zeit vorsichtshalber immer unsere Finger getapt. Wie Volleyball richtig funktioniert, hat uns dann Karl-Heinz Kuba beigebracht“, erinnert sich Seil. Die Fortschritte waren deutlich: Die Gruppe nahm schon bald an Norddeutschen Meisterschaften der pädagogischen Hochschule teil.

Nach dem Studium zum OTB

Nach dem Ende ihrer Studienzeit schloss sich Seil dem OTB an, mit dem sie bald den Aufstieg in die Regionalliga und 2. Liga Nord feierte. 1965 berief Theda Hoch, Sportdozentin in Hannover und Trainerin der noch jungen Nationalmannschaft, Seil erstmals für Deutschland. „Ich erinnere mich an Länderspiele in der Türkei, Skandinavien und Holland“, sagt sie über ihre internationale Karriere bis 1968.

Im Nationalteam agierte Seil zumeist als Stellspielerin, wie die Aufbauspielerinnen lange genannt wurden. „Ich war mit 1,65 Meter recht klein – dafür aber sehr reaktionsschnell und eine gute Athletin“, so Seil, die im Verein als Allrounderin zum Einsatz kam – „denn ich wusste mich auch im Angriff durchzusetzen.“

In dieser Zeit bildeten sich erste Verbandsstrukturen. Seil engagierte sich im Bezirksverband und wurde 1967 Vorsitzende des neuen Kreisverbandes. In dieser Zeit organisierte sie auch die ersten internationalen Begegnungen in der Schlosswallhalle. Zu diesen zählte auch das Gastspiel der weiblichen japanischen Nationalmannschaft, die sich auf Olympia 1972 in München vorbereitete. Auch Seil hatte das Potenzial, an Olympia teilzunehmen. „Doch ich bin 1968 zurückgetreten, weil ich vorhatte, Nachwuchs zu bekommen“, erinnert sich die zweifache Mutter.

Nach dem OTB zum OSC

Als der OTB 1972 in die Bundesliga Nord aufstieg, mussten Seil und ihre Mitstreiter die Auflagen des Verbandes erfüllen: „Wir brauchten ausgebildete Schiedsrichter und eine Jugendmannschaft“, erinnert sich die 80-Jährige, die sich an das Mädchengymnasium (heute Gymnasium „In der Wüste“) wandte und zehn Schülerinnen für den Volleyballsport begeisterte. Die Jugend nahm rasch erfolgreich an Norddeutschen Meisterschaften teil und trug dazu bei, dass sich die OTB-Frauen bis 1978 in der 2. Liga behaupteten.

„Da die Abteilung beim OTB bröckelte und dann geschlossen wurde, schloss ich mich 1979 mit anderen dem OSC an, wo wir auch eine Seniorenliga im Kreisverband aufgebaut haben“, sagt Seil, die dann bei deutschen Meisterschaften mehrere Medaillen holte – „oft Silber hinter VC Hannover – einmal haben wir sie in Heidelberg auch besiegt.“

Seil freute sich, dass zum Abschied auch fünf Spielerinnen kamen, die im vergangenen Jahrzehnt nicht mehr der Donnerstagsgruppe angehörten. Dazu zählten Karin Michels, Brigitte Dierkers und Gertraude Meyer, mit denen sie einst im Nationalteam zusammengespielt hatte. Einen Auftrag hatte sie zuvor gestellt: „Jede musste mindestens fünf Minuten spielen“, so Seil, die unter anderem einen Blumenstrauß erhielt und Kurt Rienäcker („Wir kennen uns seit 60 Jahren“) für die Organisation des gemütlichen Abschieds mit vielen Anekdoten bis in den späten Abend dankt.


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