Seit 33 Jahren Chef der LG Osnabrück Siemer: Nur der olympische Traum ist noch offen

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Mit Mittelpunkt der LG Osnabrück: Anton Siemer – hier zwischen seinen Schützlingen Linus Vennemann (links) und Nils Huhtakangas. Foto: André HavergoMit Mittelpunkt der LG Osnabrück: Anton Siemer – hier zwischen seinen Schützlingen Linus Vennemann (links) und Nils Huhtakangas. Foto: André Havergo

Osnabrück Vor einem Monat wurde Anton Siemer von der LG Osnabrück vom Niedersächsischen Leichtathletik-Verband (NLV) als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Eine Auszeichnung, die sich Siemer vollauf verdiente – nicht nur als Trainer des aufstrebenden EM-Teilnehmers Fabian Dammermann.

„Mein Trainer-Credo ist, Kontinuität und Konsequenz vorzuleben. Ich bin der Einzige, der wirklich jeden Samstag beim Training im Waldgelände des Hakenhofholzes ist – meine Athleten fehlen entsprechend selten“, sagt Siemer. „Insgesamt ist die heutige Jugend wesentlich leistungsbereiter, als man ihr nachsagt.“

Siemer sind die jüngeren Talente ebenso wichtig wie seine leistungsstärksten Athleten. „Eine Woche, nachdem ich mit Fabian Dammermann bei der Europameisterschaft in Berlin war, habe ich die Zwölf- und Dreizehnjährigen bei den Regionsmeisterschaften in Lingen betreut. Auch wenn Fabian oft im Mittelpunkt steht: Dort habe ich einmal mehr gemerkt, dass mir jeder unserer Athleten gleich wichtig ist“, sagt Siemer, der in diesem Jahr rund 6000 Kilometer zum Training und den Wettkämpfen fuhr und beispielsweise an 28 Tagen für Wettkämpfe von Dammermann unterwegs war. „Ich bin stolz, dass wir auch ohne große Unterstützung des Deutschen Leichtathletik-Verbandes mit unserem Netzwerk so erfolgreich sind“, sagt er.

1974 hatte der Leichtathletik-Trainer des TuS Aschendorf (Stadtteil von Papenburg) den damals 16-jährigen Siemer zum richtigen Zeitpunkt angesprochen. „Als Fußballer des SuS Lehe war ich damals als jüngster Jahrgang der gemischten A- und B-Jugend nur Ersatzmann“, erinnert sich der nun 60-Jährige. Obwohl er noch sechs Jahre weiterkickte, galt seine Leidenschaft fortan dem 400- und 800-Meter-Lauf und vor allem den Staffeln.

1977 war Siemer Mitbegründer der Leichtathletik-Abteilung von BW Dörpen, zwei Jahre später der leistungsorientierten LG Emstal. Schnellstmöglich bildete sich Siemer vom C- zum A-Trainer fort. „Ich war einer der ersten A-Trainer im Nordwesten“, sagt der Vorsitzende des Leichtathletikkreises Osnabrück-Stadt, der auch 20 Jahre lang im Jugendausschuss des Niedersächsischen Leichtathletik-Verbandes tätig war.

1985 lockte ihn die LGO. Siemer, nach dem Lehramtsstudium mit einer ABM-Stelle an der Volkshochschule Papenburg beruflich nicht ausgelastet, wurde LGO-Trainer und begann mit 28 Jahren eine Ausbildung bei der Sparkasse Osnabrück, für die er bis heute als Betriebswirt arbeitet. „Ich sollte bei der LGO vor allem die Schülerarbeit voranbringen und Veranstaltungen ausrichten“, sagt der Vater von Torben und Nele Siemer, die beide den Sprung zu Deutschen Meisterschaften schafften.

Schon zuvor hatte sich Siemer als Organisator größerer Wettkämpfe einen Namen gemacht. Zwischen 1980 und 1985 richtete er Springermeetings in Dörpen vor bis zu 1000 Zuschauern aus, von denen auch das NDR-Fernsehen berichtete. In den 90ern folgten deutsche Meisterschaften auf der Illoshöhe: 1994 die Mannschaftsmeisterschaft der Jugend und Schüler, an der auch der Silbermedaillengewinner bei Olympia 1996 in Atlanta (USA) im Zehnkampf, Frank Busemann, teilnahm. 1997 begeisterte die DM über 10000 Meter in Osnabrück 2000 Zuschauer. „Ohne diese deutschen Meisterschaften hätte es auf der Illoshöhe wohl keine überdachte Tribüne gegeben“, sagt Siemer, der unter anderem mit Dominic Ojinnaka und Patrick Jochmann starke Talente förderte.

Von 2000 bis 2003 veranstaltete der LGO-Chef auf der generalüberholten Anlage im Sportpark „Gretesch live“, das bis zu 3000 Zuschauer und als Qualifikationswettkampf für Olympische Spiele, Welt- und Europameisterschaften Stars wie Speerwerferin Steffi Nerius (Weltmeisterin 2009) und 400-Meter-Läuferin Grit Breuer (Weltmeisterin 1997) anlockte. „Wir hatten 2001 den ersten Internet-Livestream einer deutschen Leichtathletik-Veranstaltung. Plötzlich fuhr dann aber die ARD vor und nahm die extra besorgte Hebebühne in Beschlag – letztlich für nur 20 Sekunden im NDR-Fernsehen“, so Siemer. Nachdem sich die TSG 2003 aus finanziellen Gründen gegen eine Fortführung von „Gretesch live“ entschieden hatte, organisierte Siemer bis 2015 „Gretesch aktiv“ als eines der größten deutschen Familiensportfeste mit bis zu sieben 100x100-Meter-Staffeln. Dazu richtete er bis 2009 den OSC-Crosslauf am Rubbenbruchsee mit bis zu 800 Startern („Dort habe ich einige Lauftalente entdeckt“) aus. „Oft werde ich angesprochen: ‚Richte doch mal wieder etwas Größeres aus.‘ Doch der Aufwand, Helfer zu motivieren, ist leider zu groß geworden“, bedauert Siemer, der dem TSG-Vorsitzenden Jürgen Bußmann für dessen große Bemühungen um die Leichtathletik dankt.

„Eigentlich habe ich mir mit der DM-Medaille von Fabian Dammermann in Nürnberg und der EM-Teilnahme in Berlin als Trainer fast alle Wünsche erfüllt. Aber natürlich ist da noch der Traum von Olympia, vielleicht schon 2020 in Tokio“, gesteht Siemer lächelnd. Bereits bei der Qualifikation soll auch ein zweites Siemer-Motto gelten: „Wann immer Gelegenheit auf Bereitschaft trifft, ist viel Gutes möglich.“


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