9. Dan im Taekwondo – mehr geht nicht Wallenhorster Oventrop in Top Ten der Großmeister

Von Peter Vorberg

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Technisch präzise ist der Tritt, den Karl-Heinz Oventrop, hier im Training ausführt. Foto: Jörn MartensTechnisch präzise ist der Tritt, den Karl-Heinz Oventrop, hier im Training ausführt. Foto: Jörn Martens

Wallenhorst Ein Leben für den Taekwondo-Sport, das bestreitet Karl-Heinz Oventrop, seitdem er zwölf Jahre alt ist. Nun absolvierte der 56-jährige Wallenhorster im bayrischen Krumbach erfolgreich die Prüfung zum 9. Dan der Deutschen Taekwondo Union (DTU) – das absolute Kariere-Highlight trotz DM-Titeln und WM-Medaillen.

Der Blick auf das Video und die vielen Fotos von der Prüfung zum 9. Dan sind sehenswert. Mit einem Sprung in Schulterhöhe kickt Oventrop in bester „Bruce-Lee-Manier“ seinen Fuß in Richtung Kopf seiner Sparringspartner Klaus Reinken und Tobias Ringhäuser vom SC Spelle-Venhaus. Die Trittbewegung, ein sogenannter Yop Chagi, stoppt nur um Haaresbreite vor deren Hals. „Man muss wissen, dass bei einer solchen Geschichte fünf Zentimeter Platz sein dürfen. Das ist die oberste Grenze der Selbstdisziplin und Körperbeherrschung“, kennt Oventrop ganz genau die großen Klippen bei den schwierigen Prüfungskriterien.

Taekwondo – Formenlauf oder olympischer Wettkampf?

Die Prüfung war viergeteilt. Sie bestand aus einem Formenlauf – der technisch anspruchsvollen Disziplin, auf die sich der Wallenhorster seit jeher lieber konzentriert als auf das wettkampfmäßige olympische Taekwondo. Hinzu kamen ein Einschritt-Kampf, eine Selbstverteidigungsvorführung gegen zwei bewaffnete Gegner sowie ein spektakulärer Bruchtest. „Da habe ich einen Spezialtritt vorgeführt, einen Bituro Chagi“, erklärt der passionierte Kampfsportler. In der Vorbereitungsphase hatten den Wallenhorster Rückenprobleme geplagt, die ihn direkt nach der Prüfung sogar zu einer Operation zwangen. „Das ist schon unglaublich, mit welcher Disziplin Kalle über Jahre seinen Sport ausgeübt hat“, ziehen Martin Dobsch von den Sportfreunden Lechtingen und Werner Unland vom TuS Bramsche vor ihrem Trainingskollegen und Vorbild den Hut.

Durch Zufall zum Taekwondo

Angefangen hatte Oventrop mit dem Taekwondo durch einen Zufall. Als seine Eltern 1974 mit ihm nach Wallenhorst zogen, warf er eines Abends einen Blick in die Sporthalle, wo gerade Volleyball gespielt wurde. Hinter einem Trennvorhang hörte er laute Rufe, schaute nach und sah eine Gruppe in weißen Anzügen – eine sportliche Liebe auf den ersten Blick.

„Ein Mitschüler hat mich am 1. Oktober 1974 zu meinem ersten Training mitgenommen – um 18 Uhr, das weiß ich noch ganz genau“, sagt Oventrop. 1981, im Alter von 19 Jahren, absolvierte er die Prüfung zum 1. Dan in Hildesheim. 1982 wechselte er vom TSV Wallenhorst zum TuS Bramsche, von wo er Taekwondo im Osnabrücker Nordkreis hoffähig machte. Der zweifache Familienvater half auch entscheidend mit, Verbandsstrukturen aufzubauen. Anfang der 90er-Jahre kam der nächste große Schritt, der 4. Dan; 2001 ein weiterer mit dem 7. Dan.

Mit Anfang 40 in den 2000er Jahren folgte der Einstieg in den Wettkampfsport, als Oventrop mit seinem Freund Werner Unland an einer Deutschen Meisterschaft in Hannover teilnahm und auf Anhieb den Sprung in den deutschen Bundeskader schaffte. Es folgten viele internationale DM-Titel und weitere hochkarätige Turniersiege. Bei der WM belegte Oventrop von 2006 bis 2010 im Dreierteam unter Startern der Topnationen Iran, Philippinen, Türkei und dem Mutterland des Sports, Korea, zweimal Bronze sowie einmal Platz fünf und zweimal Platz sechs.

Die Zukunft liegt bei den Sportfreunden Lechtingen

Seit 2015 trainiert Oventrop nach seinem Wechsel aus Bramsche die 45-köpfige Taekwondo-Gruppe bei den Sportfreunden Lechtingen, die nun einen ganz prominenten Großmeister in ihren Reihen hat. Der 9. Dan ist die höchstmögliche Gürtelstufe. In Deutschland gibt es zurzeit weniger als zehn Träger. Oventrop ist der jüngste und hat sich diesen sportlich erworben, andere bekommen den Grad ehrenhalber. „Beim Taekwondo gibt es die Kup-Grade, danach kommen die Dan: von 1 bis 3 sind Anfänger, 4 bis 6 Fortgeschrittene und 7 bis 9 Großmeister. In Korea zählen eigentlich nur die letzten drei Grade“, beschreibt der Taekwondo-Großmeister.

SFL-Abteilungsleiter Alexander Haberlach weiß jedenfalls zu schätzen, was er an Oventrop hat. „Für unsere Abteilung ist es eine besondere Ehre, einen so erfolgreichen Trainer und Freund in unseren Reihen zu haben.“

Einmal nach Korea

Stellt sich noch die Frage nach unerfüllten Zielen. Da braucht Oventrop nicht lange zu überlegen: „Ich möchte mit meinem Kumpel Werner Unland einmal ins Welt-Ausbildungszentrum in Sachen Taekwondo nach Korea und außerdem den 9. Dan bei einer internationalen Prüfung ablegen. Das wäre das absolut Größte.“


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