Topspinbälle und feiner Zwirn Als der VfL Osnabrück Deutscher Meister im Tischtennis war

Von Peter Vorberg

VfL-Helden: Mannschaftsmeister wurden 1968 (v. l.) Herbert Gomolla, Dieter Lippelt, Hans Micheiloff, Bernt Jansen, Karl Heinz Dependahl und Reinhard Michel.VfL-Helden: Mannschaftsmeister wurden 1968 (v. l.) Herbert Gomolla, Dieter Lippelt, Hans Micheiloff, Bernt Jansen, Karl Heinz Dependahl und Reinhard Michel.

Osnabrück Wenn am 4. November in Belm die Tischtennis Bundesliga-Partie der Männer zwischen Werder Bremen und Liebherr Ochsenhausen steigt, schwelgen Lutz Wolf und Karl-Heinz Dependahl vor Ort in Erinnerungen. Beide waren im Team des VfL Osnabrück, das 1966 als amtierender Deutscher Meister in die erste Bundesliga-Saison startete.

Lutz Wolf, Karl-Heinz Dependahl und Reinhard Michel treffen sich ein halbes Jahrhundert nach ihren großen Erfolgen noch heute regelmäßig, meistens im Vereinsheim der TSG Burg Gretesch. Das Trio gehörte in den 60er-Jahren zu der Mannschaft, die deutschlandweit für Furore sorgte und 1966 und 1968 den Deutschen Meistertitel gewann.

Wolf spricht über die alten Zeiten, als hätte er noch gestern für den VfL an der Platte gestanden. „Damals war die neu gebaute Schlosswallhalle mit 1200 Zuschauern häufig ausverkauft, draußen standen noch mal 200 Leute. Eine Karte kostete 3,50 Mark. Man ging mit Schlips und Kragen am Samstagabend oder Sonntagmorgen zum Tischtennis. Heute würde man sagen: es war ein Event.“ Der VfL war in Sachen Tischtennis, wie zeitgleich übrigens auch im Basketball, eine große Nummer. „In unserer Vereinskneipe Busch an der Bohmter Straße hat sich der Wirt immer gemeldet mit: Hier ist das Haus der hohen Siege“, sagt Dependahl.

Tischtennis Marke Osnabrück war 1966 dank der Gomolla-Zwillinge Ernst und Herbert, Hans Micheiloff, Helmut Sandmann, Michel und Wolf in aller Munde. Das neu formierte Team feierte überraschend die Meisterschaft in der Oberliga Nord. Das Sextett gewann im Anschluss auch den Deutschen Meistertitel durch den 9:7- Finalsieg gegen den SV Moltkeplatz Essen mit Spitzenspieler Wilfried Lieck.

Abteilungsleiter und Organisator war Heinz Wehmann, der heimliche Chef aber Hans Micheiloff, der vom Osnabrücker TB gewechselt war und um den sich eine Ausnahme-Mannschaft formiert hatte, wie Wolf beschreibt. „Auf Micheiloff haben wir jungen Spieler aufgeschaut“, sagt Wolf: „Er gab schon mal Einzeltraining in der Halle der Backhausschule“, sagt Dependahl, der zum 68er-Meisterteam gehörte, an einige Extraschichten neben dem viermal wöchentlichen Training zurück.

Ernst Gomolla, die Nummer eins war aus Salzgitter gekommen, war wie Bruder und Doppel-Experte Herbert ein Abwehrspezialist, Micheiloff, die Nummer zwei im Team, indes ein kräftiger, fulminanter Angriffsspieler. Wolf wagte sich als einer der ersten Deutschen mit einem neuen Schläger mit Schaumstoffbelag an die Topspin-Technik – mit großem Erfolg. Man nannte ihn ehrfurchtsvoll „Topspin Wolf“. „Die anderen hatten uns kaum was entgegenzusetzen. Wir haben das Spiel mit dem neuen Schläger und einer Ballmaschine in Osnabrück perfektioniert“, so Wolf.

Bernt „Berni“ Janßen, 1966 vom Osnabrücker TB zum VfL gekommen und 1968 wie auch Dependahl, die Gomolla-Zwillinge, Michel und Dieter Lippelt Deutscher Meister im Finale durch das 5:1 gegen Borussia Düsseldorf mit dem überragenden Eberhard Schöler , fegte seine Gegner mit geraden Angriffsschlägen von der Platte. 1969 wurde er sogar Mannschaftsvizeweltmeister. Dependahl denkt mit viel Freude zurück. „Wir hatten viele tolle Spiele. Die Leute wollten den VfL Tischtennis spielen sehen. Wir sind auswärts meistens mit Autos gefahren, nach Berlin einmal geflogen. Insgesamt hatten wir eine tolle Freundschaft. Der Hans Micheiloff hat alle mitgezogen.“

Nach der Deutschen Vizemeisterschaft 1970 hielt der VfL das hohe Niveau nicht mehr. Janßen unter anderem wechselte zu Hertha BSC nach Berlin. Die Erinnerungen an die große goldene Tischtennis-Generation dieser Region bleiben. Die Frauen des VfL Osnabrück spielten ebenfalls Anfang der 70er Jahre Bundesliga, genauso wie die Frauen des TuS Glane von 1987 bis Mitte der 90er. Jetzt kommt es zu einem neuerlichen Bundesliga-Gastspiel, wenn auch nur für einen Tag. „Wir waren damals Vorreiter für viele Dinge im Tischtennissport“, sagt Wolf mit ein wenig Stolz. Er wird in Belm mit seinen Kumpeln Dependahl und Michel ganz genau hinschauen.


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