Originelles Klassenzimmer für vier Module „Lernort Bremer Brücke“ als Bildungsprojekt für Schüler

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Ein starkes Angebot machen (von links) Lisa Roggenkamp, Freddy Fenkes und Dennis Germer, die Verantwortlichen des Bildungsprojekts „Lernort Bremer Brücke“. Foto: Helmut KemmeEin starkes Angebot machen (von links) Lisa Roggenkamp, Freddy Fenkes und Dennis Germer, die Verantwortlichen des Bildungsprojekts „Lernort Bremer Brücke“. Foto: Helmut Kemme

Osnabrück. Ein außergewöhnliches Klassenzimmer bietet das langfristig angelegte Bildungsprojekt „Lernort Bremer Brücke“ Schülern ab der 8. Klasse, aber auch Jugendzentren und Jugendfußballteams dieser Region an. Im Stadion des VfL Osnabrück will das Fanprojekt der Lila-Weißen die große Faszination des Fußballs nutzen, um Interesse für politische und weitere gesellschaftsrelevante Bildung zu wecken und zu stillen.

Vier Arbeitsmodule haben Dennis Germer und Michael Aschmann vom Fanprojekt, Freddy Fenkes als Vizepräsident des Vereins und Leiter des VfL-Museums und Lisa Roggenkamp vom „Lernort Bremer Brücke“ in den vergangenen Monaten erarbeitet: Fußball und Zeitgeschichte, Diskriminierung und politische Einflüsse (zum Beispiel „Fußball in der DDR“), Fußball zwischen Tradition und Moderne (wie die WM in Brasilien – Proteste im Vorfeld und Auswirkungen auf das Land) und „Nie wieder!“ – Tag der Erinnerung. Die Erfahrungen aus der Ausstellung Tatort Stadion fließen in das Projekt mit ein.

„Es ist möglich, an einzelnen, aber auch an allen vier Modulen teilzunehmen. Pro Tag wird nur ein Modul behandelt – inhaltlich immer flexibel je nach Alter und Wissensstand der Teilnehmer und in konkreter Absprache mit den eingebundenen Pädagogen“, sagt Roggenkamp: „Vier Stunden pro Modul sehen wir aber als Minimum an. Die Module bieten sich auch hervorragend für eine Projektwoche an.“

Auch die Methodik ist nicht in Stein gemeißelt. Nach einer Vorstellung des Moduls und Themas geht es in die Quellen- und Textarbeit. Die Ergebnisse der Teilgruppen werden möglichst kreativ ausgetauscht. Neben dem Stuhlkreis sind auch Präsentationen der Gruppenergebnisse auf Brainstorm-Plakaten oder im Talkshow-Format möglich. Die Künstlergruppe 49ers Osnabrück bietet nach Verfügbarkeit an, Arbeitsergebnisse vor Ort in Form eines Grafic Novel Comics darzustellen. „Den Gruppen und Schulen werden diese Ergebnisse dann zur Verfügung gestellt“, sagt Germer. Fenkes lädt die Teilnehmer zum Abschluss zum Besuch eines Heimspiels ein.

Seit 2004 gibt es unter dem Ausruf „Nie wieder“ einen Erinnerungstag im deutschen Fußball. In dem betreffenden Modul beschäftigt sich das Projekt mit diskriminierenden Themen, die auch auf den Stadiontribünen nicht verschwunden sind. „Es gibt dort beide Seiten – Diskriminierung, Sexismus –, aber auch die ablehnende Haltung beispielsweise in Choreografien“, sagt Roggenkamp. Diese werden im Modul ebenso behandelt wie negative Momente – beispielsweise im Gesang „Lila-Weiß ist schwul“. Auch rechte Bands können ein Thema sein – wie ein Stolpersteingang durch den Schinkel, Besuch des ehemaligen Gestapo-Kellers im Schloss oder Biografien wie vom VfL-Funktionär Felix Löwenstein. Der Jude wurde Mitte der 1930er-Jahre aus dem Verein ausgeschlossen, durfte nicht mehr als Schlachtermeister arbeiten, wurde 1943 inhaftiert, ab 1944 in verschiedene Konzentrationslager deportiert und starb 1945 an den noch ungeklärten Folgen einer Blutvergiftung.

Klassen des Gymnasiums Bad Iburg, der Erich-Maria Remarque-Realschule Osnabrück und der Wallenhorster Alexanderschule haben mit positiver Rückmeldung bereits am Projekt teilgenommen. Interessenten wenden sich an Roggenkamp, Fenkes oder an das Fanprojekt (Tel. 0541/3232278).


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