Einmal Hawaii – aber erst 2019 Gretescherin Miller hat Ticket für Ironman-WM in der Tasche

Von Peter Vorberg

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Osnabrück Wenn an diesem Samstag auf Hawaii der Ironman 2018 stattfindet, wird Kimberly Miller im TV ganz genau zuschauen. Die Gretescher Triathletin sicherte sich an der italienischen Adria als erste Frau überhaupt aus der Region Osnabrück die Teilnahme an der Kultveranstaltung – wenn auch erst für 2019.

Die 31-Jährige ist trotzdem Feuer und Flamme. „Meine Familie ist stolz wie Oskar. Und auch die Arbeitskollegen bei der Kripo in Osnabrück haben mich begeistert empfangen.“ Am Samstag gebe es einen richtig schönen Fernsehabend mit dem Hawaii-Triathlon. „Meine Teilnahme nächstes Jahr wird dann bestimmt noch realer. Ich freue mich riesig.“

Demnächst will die Ausdauersportlerin Kontakt zu dem ein oder anderen Mann aufnehmen, der in Hawaii bereits am Start war, wie Gero Jendretzki (Osnabrück), Peter Nowak (Bad Essen), Tobias Bussmann (GMHütte) oder Marc Brinkmann (Osnabrück), und etwas über ihre Erfahrungen hören.

Ihre Qualifikation erreichte Kimberly Miller als Siegerin der Altersklasse 30 bis 34 beim „Ironman Italy Emilia Romagna“ vor gut zwei Wochen in Cervia an der Adriaküste. Die Rahmendaten des Wettkampfes über 3,8 Kilometer Schwimmen im Mittelmeer, 180 km Radfahren und dem abschließenden 42,195-Kilometer-Lauf bei 30 Grad Celsius sind imposant: Von rund 3000 Teilnehmern, Männer und Frauen, landete sie als achtschnellste Frau auf Gesamtrang 130; 59:19 Minuten für das Schwimmen, 4:53,25 Stunden fürs Radfahren und 3:45 Stunden für den Marathon bedeuteten eine Gesamtzeit von 9:46,50 Stunden.

„Das war erst mein zweiter Ironman. Sonst habe ich für die Mannschaft der TSG Burg Gretesch bislang nur Triathlons über die Kurz- und Mitteldistanz absolviert. Bei meinem ersten Ironman im schwedischen Kalmar 2016 kam ich nach 11:05 Stunden ins Ziel. Deshalb war ich bei der Ankunft von der Zeit auf der Anzeigetafel einfach nur geflasht – Adrenalin pur“, sagt Miller.

Freund Patrick Teller, ebenfalls ein TSG-Triathlet, hatte Miller immer auf dem Laufenden gehalten. Das Ziel Hawaii war bei der Osnabrückerin bereits vor dem Start im Hinterkopf gewesen. Dafür musste jedoch die Altersklasse gewonnen werden und durch den rollenden Start – nur vier Teilnehmer gingen gleichzeitig ins Wasser – war während des Wettkampfs eine genaue Orientierung schwer möglich, wie sich die Osnabrückerin erinnert. „Nach dem Schwimmen war ich in meiner Klasse Dritte. Ich habe unheimlich mit den Quallen kämpfen müssen. Auf der Radstrecke – meine Spezialdisziplin – habe ich einen nach dem anderen überholt, ohne zu wissen: Wer gehört denn nun zu meiner Klasse? Die Zeit war einfach nur großartig.“ Danach war sie von allen Frauen, auch Profis, sogar auf Rang drei, unter den Amateuren Erste. „Die Leute haben wahnsinnig gejubelt.“ Teller beschreibt den Rest des Rennverlaufs so: „Dann ist Kim als Führende ihrer Altersklasse die ersten vier Kilometer mit der Euphorie im Rücken viel zu schnell losgelaufen, ein Schnitt von 4:39 Minuten. Beim Halbmarathon war dann aber bereits klar, dass sie nun nur noch durchlaufen muss.“

Über die Ausbildung bei der Polizei entdeckte Miller den Ausdauersport für sich. Sie fing mit dem Laufen an. Ein großes Highlight war der Marathon über die Chinesische Mauer in 2012. 2015 schloss sie sich der Gretescher Triathlonabteilung an. Im Frühjahr gab es ein Rad-Trainingslager auf Mallorca. Der Wochenplan und ein Tagesablauf lesen sich beeindruckend. Da heißt es zum Beispiel: morgens 6 Uhr eine Stunde Schwimmen, danach Arbeiten bis 16 Uhr und im Anschluss dreieinhalb Stunden Radfahren. Oder, nach der Arbeit um 16 Uhr rauf aufs Rad, einmal zum Dümmer, dort drum herum und wieder zurück nach Osnabrück; im Anschluss noch ein Zwei-Stundenläufchen.

Ein starkes Programm steht Miller im kommenden Jahr erneutbevor. „Ich werde jetzt noch strukturierter trainieren. Ich werde zum Beispiel Schwimmtechnik-Training nehmen“, sagt Miller und blickt mit lachenden Augen auf ihren Teilnehmer-Slot – eine Medaille, die jeder Hawaii-Qualifikant nach vorheriger Teilnahme-Zusage bei der Siegerehrung erhält.

Auf ihrer Agenda steht zudem die Anschaffung eines speziellen Triathlonrades. „Sponsoren sind gern gesehen“, sagt sie. Denn auf ihrem normalen Rennrad wurde sie von der Konkurrenz immer wieder belächelt – trotz ihrer super Zeiten.


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