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Bis zu drei Stunden Training am Tag Bramscher Kanute Freese: Weltmeister nach 20 Jahren Pause

Von Sascha Knapek

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Fast immer auf dem Wasser: Thomas Freese in seinem Kajak auf dem Mittellandkanal in Bramsche. Foto: Sascha KnapekFast immer auf dem Wasser: Thomas Freese in seinem Kajak auf dem Mittellandkanal in Bramsche. Foto: Sascha Knapek

Bramsche Es kann passieren, dass hoffnungsvolle Nachwuchsathleten den Spaß an ihrem Sport verlieren und aufhören. Dem Bramscher Thomas Freese ist es 1993 so gegangen. 20 Jahre saß er danach nicht mehr in einem Kanu, bevor die alte Liebe wiederaufflackerte. Seit Kurzem darf er sich Kanu-Weltmeister nennen.

Rund zwei Kanulängen Vorsprung trennten Thomas Freese bei der Altersklassen-Weltmeisterschaft in Portugal vom zweitplatzierten Polen Adam Wysocki. Im 1000-Meter-Finale hatte der viermalige Olympiateilnehmer und zweimalige Weltmeister (1994 und 1999) keine Chance gegen den Kanuten des TuS Bramsche.

Schnellste Zeit der kompletten WM

„Für das Finale hatte ich mir vorgenommen, auf keinen Fall Letzter zu werden“, erinnert sich Freese an den WM-Endlauf der Altersklasse 40 bis 44. Drei Minuten und 54 Sekunden benötigte der Bramscher für die Strecke. „Die schnellste Zeit der kompletten WM, auch in der jüngeren Altersklasse war niemand besser“, sagt der 41-Jährige stolz. 35 Konkurrenten hatte der Bramscher nach Vor-, Zwischen- und Endlauf hinter sich gelassen. „Als ich die starke Konkurrenz, neben Wysocki waren noch andere ehemalige WM- und Olympiateilnehmer am Start, gesehen habe, war ich schon etwas beeindruckt“, beschreibt Freese seine Gemütslage vor seinem Vorlauf, den der Bramscher gewinnen konnte. „Im Zwischenlauf habe ich taktiert und Kräfte gespart, Platz drei hat für das Finale gereicht.“

Noch eine weitere Medaille

Neben dem Einzeltitel sicherte sich der Bramscher in Portugal auch eine Silbermedaille im Vierer. Zusammen mit drei Sportkameraden vom WSV Schwörstadt (Baden-Württemberg) musste Freese nur einem Kajak den Vortritt lassen. „Wir hatten vorher nur einmal miteinander trainiert und haben uns gesagt, entweder es läuft oder es läuft nicht“, fasst der Bramscher die lockere Herangehensweise des Vierers zusammen.

Zum ersten Mal in einem Kanu saß Freese mit sechs Jahren. „Beim Fußballtraining habe ich schnell gemerkt, dass das nichts für mich ist. Mit einem Paddel in der Hand und auf dem Wasser lief es sofort besser“, erinnert sich der Bramscher an den Beginn seiner Laufbahn. Zehn Jahre hat er den Kanusport mit Ehrgeiz betrieben und es mit 15 sogar bis in den Juniorennationalkader geschafft. Ein Jahr später war Schluss. „Ich hatte einfach keine Lust mehr und habe aufgehört“, erinnert sich Freese.

Auf nationaler Ebene schon dominant

Aufgeflammt ist seine alte Liebe dann 2013 im Rahmen eines Drachenbootrennens in Bad Essen. „Die Kanuabteilung des TuS hat alte Aktive gefragt, ob sie nicht mitmachen möchten. Das war zwar kein Kanurennen, aber danach war mein Wettkampfgeist wieder geweckt“, verrät der Kanute, dessen Trainingseifer sich danach von Jahr zu Jahr steigerte. Auf nationaler Ebene dominiert der Bramscher mittlerweile alle Wettbewerbe. Sowohl bei den German Masters 2017 als auch bei der diesjährigen Austragung gewann der Familienvater alle Einzelstrecken (200, 1000 und 5000 Meter), auf denen er an den Start gegangen ist.

Tagesablauf auf Sport abgestimmt

Wenn man sich mit Freese, dem Inhaber des Osnabrücker Tattoo- und Piercingstudios „Needle Attack“, über seinen Sport unterhält, kann man die Leidenschaft des Bramschers nicht überhören. Kommt dann die Sprache auf sein Trainingspensum, wird klar, dass der Mann vom TuS Bramsche seinen kompletten Tagesablauf auf den Kanusport ausgerichtet hat. Achtmal trainiert Freese, der zusammen mit Freundin Perdita und der gemeinsamen, knapp acht Monaten alten Tochter Mathilda direkt über dem Bootshaus der TuS-Kanuten wohnt, pro Woche. Freese bleibt dabei jeweils eine bis eineinhalb Stunden auf dem Wasser. Hinzu kommen Lauf- und Krafttraining. „Im Schnitt sind es pro Tag zwei bis drei Stunden Training“, schätzt der Kanute.

Noch ein Jahr dranhängen

Nach der Weltmeisterschaft in Portugal, Freeses erstem internationalen Wettkampf, sollte mit diesem großen Trainingsaufwand eigentlich Schluss sein. „In Absprache mit meiner Freundin möchte ich aber noch ein Jahr dranhängen und, wenn Mathilda mitspielt und ich das Trainingspensum halten kann, nächstes Jahr an den European Masters Games in Turin teilnehmen“, blickt der Hasestädter in die Zukunft.


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