„Zeitfahren ist wunderbar ehrlich“ „Riesensache“: Osnabrücker Radsportler Geisler startet bei WM

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Hat richtig Lust auf die WM in Italien: der Osnabrücker Radfahrer Lars Geisler. Foto: Swaantje HehmannHat richtig Lust auf die WM in Italien: der Osnabrücker Radfahrer Lars Geisler. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück Es ist seine erste Weltmeisterschaft – und Lars Geisler sprüht vor Tatendrang und Optimismus. „Hitze kann ich gut haben“, sagt der Radsportler des Osnabrücker SC vor der am Mittwoch beginnenden Straßen-Masters-WM im italienischen Varese, was sich gut trifft bei vorhergesagten 29 Grad.

Eigentlich hatte Geisler seinen Saisonhöhepunkt bereits hinter sich: Die Deutsche Meisterschaft im Juli in Görlitz, wo der 47-Jährige im Straßenrennen Neunter wurde. „Dort habe ich mitgekriegt, wie die Kriterien sind, um bei der WM zu starten: eine Top-Ten-Platzierung bei der Deutschen Meisterschaft und Titel auf Landesebene in den letzten Jahren. Weil ich das mitbringe, habe ich beim Bund Deutscher Radfahrer einen Antrag auf Teilnahme gestellt – der ging innerhalb von ein paar Tagen durch“, erzählt Geisler, der in den letzten zehn Jahren sechs Landesmeistertitel sowie sechs Podiumsplätze bei Straßen-, Cross-, Bergrennen und im Einzelzeitfahren gesammelt hat.

Die Sammlung verrät: Geisler hat Allrounder-Qualitäten und startet deshalb in Varese gleich zweimal: erst im Einzelzeitfahren am Donnerstag über 22 Kilometer, dann im großen Straßenrennen am Sonntag über 130 Kilometer. „Zeitfahren ist so wunderbar ehrlich: Einfach drauflatschen, und der Schnellste gewinnt“, sagt Geisler – eine typische Aussage des Anti-Aggressions-Trainers, die durchaus etwas über seine Einstellung zum Sport und zum Leben aussagt.

Der 47-Jährige ist ein beeindruckender Mann: Mit knapp zwei Meter Körpergröße und über 90 Kilogramm Gewicht alles andere als ein typischer Radsportler. Geislers direkter Blick aus klaren blauen Augen signalisiert, dass er es gewohnt ist, Herausforderungen ins Auge zu sehen und sich ihnen zu stellen.

Konkrete Ziele formuliert er nicht für die WM, weil er weder die ihm unbekannte Strecke noch die Konkurrenz einschätzen kann. Dann aber sagt Geisler doch, dass er beim Rennen gegen die Uhr schon anstrebt, im ersten Drittel des Feldes zu landen. „Für ein Zeitfahren ist die Strecke ganz schön bergig, mit einem Anstieg von acht Prozent – was für mich aber kein Problem sein sollte: Kuppen bis unter zehn Prozent kann ich gut wegdrücken“, sagt Geisler. Auch auf das knackige Hauptrennen mit vier Anstiegen bei bis zu 13 Prozent hat er sich bei seinen Trainingstouren im Südkreis gut vorbereitet. „Man nimmt, was man hier kriegt. Rund um Lienen kenne ich jetzt jede Straße“, lacht der 47-Jährige.

Geisler hat nach der DM die Trainingsintensität einfach noch mal erhöht. „Meine Selbstständigkeit kommt mir da entgegen“, erklärt er seine täglichen frühmorgendlichen Ausfahrten sowie seine zweieinhalb- bis dreistündigen Intervalleinheiten, die er je nach beruflicher Terminlage in den Mittags- oder Abendstunden absolviert. „Vor der WM sind die Strecken noch mal länger geworden: Ich habe bis zu 205 Kilometer auf dem Rad zurückgelegt“, sagt Geisler, der normalerweise für das Adam-Donner-Master-Racing-Team aus Wuppertal startet, bei der WM für Junioren, Breitensportler und Senioren aber das weiße Deutschland-Trikot am Körper tragen wird.

Am Dienstagabend geht es los: Im OSC-Bulli, aus dem die hinteren Sitzreihen ausgebaut werden, transportiert Geisler seine drei Fahrräder (Stückpreis etwa 8000 Euro) gen Süden: neben der Rennmaschine ein Ersatzrad und das spezielle Rad fürs Zeitfahren. „Das wird ein Riesenevent: Über 3000 Sportlerinnen und Sportler aller Altersklassen aus allen möglichen Ländern sind am Start. Eine Riesensache, da dabei zu sein“, freut sich Geisler.


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